FeedElgin und Kincardine
GeschichteBrockhaus 1882

Elgin und Kincardine (James Bruce, Graf von), Sohn des vorhergehenden, geb. 20. Juli 1811, machte seine Studien in Eton und Orford, promovierte 1832 und war Fellow im Merton-College geworden, als der Tod eines ältern Bruders ihn berer Ian der Familie mit dem Titel Lord Bruce erief. Im Sept. 1841 wählte ihn die Stadt Southampton ins Parlament, aber schon nach einigen Wochen wurde er durch das Ableben seines Baters genötigt, sein Mandat niederzulegen, da er als schott. Peer nicht im Unterhause sitzen konnte. Er wurde 1842 zum Gouverneur von Jamaica ernannt, suchte die Blüte der Insel zu heben und erwarb sich allgemeine Achtung. Im J. 1846 übernahm er den schwierigen Posten eines Generalgouverneurs von Canada. Er stellte dort die Ruhe wieder her, wofür er 1849 durch eine brit. Peerage belohnt wurde, und widmete sich dann unermüdlich der materiellen Wohlfahrt des Landes. Unter seiner Verwaltung ward die erste canad. Eisenbahn gebaut und 1854 der Reciprocitätsvertrag zwischen Canada und der amerik. Union geschlossen. Bald darauf nach England zurückgekehrt, begab er sich 1857 als Spezialbevollmächtigter nach China und begann die diplomatischen und militärischen Operationen gegen die Chinesen mit solcher Energie, daß er sie schon im Juni 1858 zu dem Vertrag von Tien⸗-tsin zwang. Kaum nach der Heimat zurückgekehrt, wo er 1859 das Amt des Generalpostmeisters im neuen Ministerium Palmerston erhielt, wurde er durch den Bruch des Traktats von Leur Chinas abermals dorthin gerufen, um die Leitung der Expedition zu übernehmen, die mit dem Frieden vom 24. Okt. 1860 endete. (S. China.) Die Kraft und Umsicht, welche E. in allen diesen Ereignissen entwickelt hatte, bewog die Regierung, ihn nach dem Rücktritt Lord Cannings im Febr. 1862 zum Vizekönig von Indien u erheben. Als solcher starb er zu Dhuramsalla im endschab 20. Nop. 1863. Vgl. Letters and Journals of James, Sth Earl of Elgin (Lond. 1872). Bruce, Graf von Elgin (s. d.), während der ersten Jahre des 19. Jahrh. gesammelten altgriech. Bildwerke, die hauptsächlich von der athenischen Akropolis weggenommen sind. Elgin hatte nach manchen vergeblichen Bemühungen in Konstantinopel von der türk. Regierung einen Ferman erhalten, wodurch seinen Beauftragten gestattet wurde, auf der Smnung di⸗ Akropolis (die damals den Türken als Festung diente) frei aus⸗ und einzugehen, Gerüste zu errichten, zu formen, zu messen, Ausgrabungen anzustellen und einige Steinblöcke mit alten Inschriften oder Figuren darauf wegzunehmen. Diese Erlaubnis wurde von Elgins Leuten unter Konnivenz des durch Geschenke gewonnenen türk. Wojwoden in Athen dazu benutzt, vom Parthenon die meisten der noch vorhandenen Giebelstatuen, die am besten erhaltenen Metopentafeln und einen beträchtlichen Teil der Reliefs des Cellafrieses herabzunehmen, eine Operation, die mehrfache Beschädigungen des Bauwerks zur Folge hatte, ferner eine der Jungfrauenstatuen von der südl. Vorhalle des Erechtheion, einige Platten von dem damals in eine türk. Bastion vermauerten Friese des Niketempels, die Statue des Dionysos von dem am südl. Abhang der Akropolis oberhalb des dionysischen 0 stehenden choregischen Denkmale des + los u. s. w. beiseite zu schaffen. Die so erworbenen unschätzbaren Denkmäler der Blütezeit der athenischen Skulptur, sowie eine Anzahl Bildwerke aus der untern Stadt und zahlreiche Inschriftsteine wurden zum größten Teil, in 200 Kisten verpackt, vor Elgins Abreise, der 1803 abberufen wurde, zur See abgeschickt; ein Teil aber mußte mit den nach Elgins Abreise hinzugekommenen Skulpturen noch mehrere Jahre liegen bleiben. Während des kurzen engl.⸗türk. Kriegs im J. 1807 wurden die im Piräus lagernden Skulpturen von den Franzosen mit Beschlag belegt. Erst im I. 1812 konnte Elgins Agent, der neapolit. Maler Lusieri, den Rest der Elgin Marbles in 80 Kisten nach England abgehen n ie ganze Sammlung, welche den Lord nach seiner Berechnung bis zum J. 1816 74240 Pfd. St. (beinahe anderthalb Millionen Marh) gekostet hatte, wurde nach langen Verhandlungen, bei welchen nicht nur der Wert der Bildwerke, sondern auch das Besitzrecht Elgins in Frage kam, 1816 durch Parlamentsbeschluß für 35000 Pfd. St. von der Regiegierung erworben und dem Britischen Museum einverleibt. Vgl. «Denkschrift über Lord Elgins Erwerbungen in Griechenland. Nach der zweiten engl. Ausgabe bearbeiteto (Lpz. 1817). Nachdem schon 1816 Beschreibungen und Abbildungen der Elgin Marbles erschienen waren, darunter Outlines of the Elgin Marbleso (Lond. 1816; deutsch, Darmstadt), wurden dieselben namentlich in der DDescription of the Collection of Ancient Marbles in the British Museumo (Bd. 6—8, Lond. 1830—39) durch gute Stiche bekannt gemacht. Vgl. Ellis, (The Elgin and Phigaleian Marbles in the British Museumo (Lond. 1846) und (Newton) in den betreffenden Teilen der Synopsis of the Contents of the Britisb Museumo: KElgin Roomo (2. Aufl., Tl. 1, Lond. 1882; Tl. 3, Lond. 1881).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 51Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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