FeedKritias
GeschichteBrockhaus 1882

Kritias, der geistig bedeutendste, aber auch rücksichtsloseste und gewaltthätigste unter den sog. Dreißig Tyrannen in Athen, stammte aus einer angesehenen Adelsfamilie, mit der auch Plato verwandt war. Er studierte bei den Sophisten, besonders bei Gorgias, hatte auch mit Sokrates nähern Umgang, und eröffnete 411 v. Chr., damals als Freund des Alcibiades, seine polit. Laufbahn. Sechs Jahre später war er aus Athen flüchtig in Thessalien, von wo er, wohl nach der Schlacht bei Agospotamoi 405 v. Chr., nach Athen zurückkehrte. Hier wurde er Mitglied der von den Spartanern durch Lysander 404 eingesetzten oligarchischen Regierung der Dreißigo. K. wußte sich in dieser Stellung bald den meisten Einfluß zu rverschaffen. Er riet zu den ertremsten Maßregeln, ließ dann selbst seinen Kollegen Theramenes, der der Führer einer gemäßigtern Partei zu werden versuchte, hinrichten und riß fortan seine Kollegen u vielen willkürlichen und Screckene Maßregeln 11 Doch dauerte sein Schreckenssystem nicht lange, da die Vertriebenen und Ausgewanderten unter Anführung des Thrasybulus mit bewaffneter Hand in Attika einfielen und Munychia besetzten; im Kampfe gegen diese Stellung fand K. den Tod zu Anfang des J. 403 v. Chr. Wie als polit. Schriftsteller, Philosoph und Redner, so zeichnete sich K. auch als Dichter in der elegischen Poesie aus. Die Bruchstücke seiner Elegien sind gesammelt von Bergk in den Poetae lyrici graecio (3. Aufl., Bd. 2, Lpz. 1866), deutsch übersetzt von Weber in den «Elegischen Dichtern der Helleneno (Frankf. 1826).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 623Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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