Legion (legio, stratopedon) hieß bei den Römern zuerst die ganze Kriegsmacht, später eine Abteilung des Lnienfußvolks, in der Kaiserzeit ein Heerhaufen, vergleichbar den neuern Divisionen, wenn auch schwächer, aber so, daß auch in der L. die verschiedenen Waffengattungen vertreten waren. Die Zusammensetzung und Stärke der L., sowie ihre taktische Gliederung hat sich im Laufe der Zeiten wiederholt verändert. Unter den ersten Königen wurde die L. von den alten Tribus der Ramnes, Tities und Luceres nach ihren 30 Kurien gestellt: 300 equites (Reiter) oder celeres (Schnelle) und 3000 zu Fuß. Die Mannschaft jedes Tribus stand unter einem tribunus (philarchos). Nach der Verfassung des Servius Tullius, zu dessen Zeit Roms Kriegsmacht bereits in mehrere L. zerfiel, wurden die Schwerbewaffneten der L. aus der ersten bis dritten Steuerklasse ausgehoben, die vierte und fünfte Klasse stellte Leichtbewaffnete, die sechste nur im Notfall Ersatz (accensi). Die Bestgerüsteten waren die Vorkämpfer und hießen principes, die zum Rückhalt in dritter Linie triarii; vom Speer (hasta) wurden wahrscheinlich alle hastati genannt, welcher Name erst später auf eine der drei Kriegerklassen beschränkt blieb. Die Leichtbewaffneten, die außer der lange gebräuchlichen phalanxartigen Ordnung mit Schleudern kämpften, hießen rorarii oder ferentarii. Die L. zählte damals 4200 Mann Fußvolk. In den kelt. und Samniterkriegen wurde eine Gliederung der L. in kleinere Abteilungen (manipuli) notwendig, die durch Zwischenräume voneinander getrennt standen (Kompagniekolonnen). Ob schon Camillus diese Reform eingeführt hat, ist ungewiß. Wohl aber ist sicher, daß aus der Manipularstellung allmählich die berühmte schachbretartige Schlachtordnung der drei Treffen sich entwickelte, welche die Vorteile der Beweglichkeit und wohlgesparter Reserven miteinander verband. Dabei standen (ijetzt nur noch in Altersklassen geschieden) die hastati im ersten, die principes im zweiten, die triarii, alte erprobte Krieger, im dritten Treffen. In den großen Kriegen seit der Samniterzeit führen nur die Römer das span. Breitschwert, die Triarier die hasta, die andern Treffen die als pilum bekannte furchtbare Wurfwaffe. Die in den Staatsverband aufgenommenen Bundesgenossen (socii) mußten ein gleichstarkes Kontingent stellen. Ein konsularisches Heer bestand aus zwei röm. und zwei Bundesgenossenlegionen; in der Schlachtordnung bildeten jene das Centrum, letztere getrennt die Flügel. Statt der Schleuderer kam ein regelmäßiges leichtes Fußvolk Gelites auf, das mit Wurfspießen, jeder Mann sieben, bewaffnet war. Die jetzt verstärkten Manipel wurden in zwei Centurien und sechs Decurien (10 Mann) geteilt, unter Centurionen und Decurionen; der älteste Centurio führte den Manipel. Die L. hatte sechs Kriegstribunen oder Obersten. Die Reiterei, unter dem praetfectus equitum, zersiel in zwei Flügel und war in turmae zu 32 Pferden in drei Decurien geteilt. Jeder Manipel hatte sein Feldzeichen (signum). Unter Scipio stieg nach der Schlacht bei Cannae (216 v. Chr.) die Stärke des Fußvolks der L. auf 6200 Mann. Als Marius (107 v. Chr.) den bisher vom Kriegsdienst ausgeschlossenen Klassen (capite censi oder proletarii) den Eintritt in das Heer öffnete, und die röm. besitzenden Klassen allmählich fast ganz aus dem Heere ausschieden, traten bedeutende Veränderungen ein. Jetzt wurden die gesamten L. mit dem pilum bewaffnet, der Adler zur Hauptfahne gemacht und statt der Manipularstellung die Stellung in Kohorten, deren die L. jetzt 10 erhielt (die Kohorte zu 10 Manipeln), zur Normalstellung gemacht. Die Reiterei wurde jetzt fast ganz von den Bundesgenossen gestellt, war jedoch selten stärker als 300 Mann und fehlte in den Kriegen Cäsars zuweilen gänzlich. Als nach Ablauf der Bürgerkriege Augustus das röm. Heerwesen neu organisierte und ein stehendes Heer schuf, wurden die grundsätzlich noch lange aus röm. Bürgern (namentlich der Provinzen) ausgehobenen L. feste und bleibende taktische Körper, die nun einerseits die ständige Zugabe einer Reiterei, einer Artillerie und einer Abteilung technischer Truppen, andererseits Nummern, Beinamen und eine Geschichte erhielten. Die Normalstärke wird seit Marius auf rund 6000 Mann, seit Augustus auf 6100 Mann Fußvolk und 726 Reiter angegeben und stieg mit Einschluß der Bundesgenossen späterhin immer auf 9—0⁰ bis 10000 Mann. Befehligt wurde die L. von Tribunen, Legaten oder deren Stellvertretern. Nach der Trennung des Reichs zählten die 70 L. des Orients zusammen nur 70000 Mann, zu denen 41 Auxilia zu 100, 59 Cohorten zu 500, 41 Vexilla Reiterei zu 200 und 66 Alä Reiterei zu 100 Mann tamen. Im Oceidente standen 62 L., 65 Auxilia, 42 Vexilla und 269 Präsidia Besatzungstruppen. Im Mittelalter gebrauchten die lat. Chroniken auch für Germanen und Romanen das Wort L. im allgemeinen Sinne für Heerteil. Dasselbe findet sich auch in neuern Zeiten, namentlich in Frankreich unter Ludwig XV. bei den Freikorps, dann unter Napoleon I., der den Orden der Ehrenlegion stiftete, gebraucht. In den Kriegen des 19. Jahrh. kommen mehrere sogenannte L. vor: die britischdeutsche, die ungar., die welfische L. u. s. w. (S. Fremdenlegion.)