FeedLenné (Peter Jos.)
BaukunstBrockhaus 1882

Lenné (Peter Jos.), ausgezeichneter Landschaftsgärtner, geb. 29. Sept. 1789 zu Bonn, besuchte das Gymnasium daselbst, machte die üblichen Lehrjahre in der praktischen Gärtnerei durch und ging 1811 zu seiner weitern naturwissenschaftlichen Ausbildung nach Paris. Im J. 1812 unternahm er eine Reise durch Deutschland und die Schweiz, um die besten Gartenanlagen dieser Länder kennen zu lernen. Zu Wien erhielt er 1814, unter Verleihung des Titels als kaiserl. Garteningenieur, den Auftrag, einen Plan zur Vergrößexrung und Verschönerung des Gartens von Larenburg zu entwerfen, der auch später wirklich ausgeführt wurde. Im Jan. 1816 ward er nach Potsdam berufen, wo ihm der König die Ausführung der Park- und Gartenanlagen zu Berlin und Potsdam übertrug. Zunächst hatte L. den Lustgarten am Schlosse zu Potsdam, dann Sanssouci und die Pfaueninsel umzuschaffen, hierauf 1826 die Erweiterung und Arrondierung von Sanssouci durch die südlich und nordwestlich nach dem Belvedere zu gelegenen Anlagen zu bewirken. In dieselbe Zeit fällt die Schöpfung von Charlottenhof und die Anlage der Russischen Kolonie. Seit 1833 entstanden unter L. auf dem Babelsberge die großartigen Gartenanlagen für den damaligen Prinzen Wilhelm, jetzigen König von Preußen. Während der J. 1820 — 30 wurden unter L.s Leitung die Anlagen in Charlottenburg, ebenso die von Schönhausen umgestaltet, 1832—40 die Umwandlung des Tiergartens bei Berlin in einen Volksgarten durchgeführt. Hierzu kommen noch die Anlage des zoolog. Gartens und seit 1844, nachdem das von L. bereits 1839 ausgearbeitete Projekt eines Schiffahrtskanals auf der Südseite der Stadt zur Ausführung gelangt, einige ansehnliche Erweiterungen des Tiergartens. Die Vollendung des großartigen (bereits 1833 projektierten), 1840 in Angriff genommenen Unternehmens, die Havel als einen See mit einem riesigen Park in einer Ausdehnung von 15 km (vom Karlsberg bei Baumgartenbrück bis zur Pfaueninsel) zu umgeben, wurde durch den Tod L.s unterbrochen, der 23. Jan. 1866 zu Potsdam erfolgte. L. hat auch die Entwürfe zu Park⸗ und Gartenanlagen geliefert für die Städte Schwerin, Neustrelitz, Leipzig, Lübeck, Frankfurt a. O., Dresden, Magdeburg, Breslau, Ballenstedt, Ludwigslust, Homburg, ferner für das Bad Oeynhausen wie für die Schlösser fels u. s. w. In allen seinen Werken zeigt sich L. als Landschaftsgärtner im eigentlichsten Sinne des Wortes. Grundsätzlich lehnt er sich überall eng an die gegebene Natur an und wußte namentlich auch die Architektur für seine Zwecke zu benutzen. Im J. 1832 wurden auf L.s Vorschlag die Landesdaumschule und die Gärtnerlehranstalt zu Berlin begründet. Eine Büste L.s ist seit 1844 inmitten der Gärten von Sanssouci aufgestellt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 949Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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