Air (auch Ahir oder Absen, häufiger Asben genannt), ein grosses Oasenland der mittlern Sahara, zwischen Fessan und Haussa — vom 20. biszum 16.°.n. Br. reichend, so dass seine Entfernung von Nord nach Süd mindestens 45V km misst; auch seine Breite ist beträchtlich. Es wird auf allen Seiten von der Wüste umschlossen, erscheint jedoch überall, von welcher Richtung auch es betreten wird, wie ein blühender Garten. Es ist ein richtiges Alpenland; einzelne seiner Berge (der Tinge, Baghsen, Eghellal, Dogem, Tschereka, Mari) erreichen 2500-5000 Fuss Höhe; die grosse von Nord nach Süd laufende Gebirgsgruppe ist 245 km lang. Die ungeheuren Regengüsse, welche im September und "Oktober, fast immer mit grosser Plötzlichkeit, niederstürzen, haben breite Thäler ausgewaschen. Die Vegetation derselben ist zumeist üppig, sie sind wohlbewässert und dichte Mimosen- und Palmenwälder, nebst zahlreichem andern Gesträuch, bedecken sie. Von wilden Tieren hausen in den waldreichen Bergen der Oase der Löwe, der Schakal und das Wildschwein; Gazellen und Strausse streichen über die Ebene; Kamel- und Rindviehherden weiden in der Nähe der Ortschaften. Indessen finden sich auch hier, wie im Fessan, steinige und öde Striche, so dass man A. nicht mit Unrecht als eine Gesamtheit von kleineren Oasengruppen bezeichnet hat. — Die Bewohner sind Berbern, mit Negern vermischt; sie werden deshalb von den auf die Reinheit ihres Blutes stolzen Tuareg des Nordens verachtet und als „Ikelän“ (Sklaven) bezeichnet; sie selbst nennen sich Kelowi oder Asbenäva. Ihre Sprache ist eine Mundart des Berberischen, das Auraghi6, doch wird auch Haussa und in dem Südosten (um Agadir) das Songhai, der Mandingodialekt Timbuktus, gesprochen. Sie zerfallen in mehrere Stämme, von denen Barth (Bd. 4,S.344 ff.) eine umfängliche Liste giebt (Irolangh, Iskazkezan, Tafidet, Neggaru, Kelfares, Kelgheres, Itizan ete.). — Die wichtigsten Städte von A.sind: Agades, die Residenz des Kelowisultans, im Süden; Tintellust, nach Norden zu gelegen, Sitz des nächst dem Sultan wichtigsten Häuptlings; Assudi, zwei Tagereisen südwestlich von Tintellust, unfern vom Berge Tschereka, und Tafidet, zwei kleine Tagereisen südöstlich von Tintellust. Der Oase A. thut, ausser anderen Geographen, bereits Leo Africanus in seinen Werken Erwähnung; aber vor Bart (1850) hatte noch kein bekannter Kuropäer sıe betreten; der grosse Reisende hat sie in seinem Werke „Reisen und Entdeckungen in Nord- ind Centralafrika* (Bd. 4; 1857) ausführlich beschrieben. Südlich von A. wurde im Januar 1877 der Reisende Erwin von Bary (+ Okt. ’77 in Ghät) total ausgeplündert.