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ErdkundeAfrika Hand-Lexikon 1885
Sudan

Sudan, in dem sich das mit dichten Urwäldern bedeckte Kong-Gebirge erhebt und westlich vom untern Niger als eine Kette von 2000 bis 5500 Fuss Höhe nach Westen zieht, in einem Abstand von 15 bis 20 Meilen die ganze Nordküste des Busens von Gans umschliessend. Es bildet zwei Vorterr rassen, eine nordwestliche und westliche (Senegambien bis zum Kap Vere ga) und eine südliche (Guinea vom Kap Verga bis zum Niger- -Delta). In diesem Gebiet liegen die französischen, englischen und portugiesischen Bestizun: gen und die Eingeborenenstaaten Sensgambiens, die Sierra - Leone-, Pfeffer-, Zahn-, Gold- und Sklaven küste. von Det: and des Konggebir ges und dem: Plateau der Shi steist man in den eigentlichen Sudan, dis afrikanische Tiefland, den Flach-Sudan, hinab, welcher durch den Tsad-See in eine westliche und östliche Hälfte geteilt wird. Dort herrscht die Form der Ebene vor, der Boden besteht auf weiten Se aus rotem Thon, Berge und Berzzüge kommen nur isoliert vor und gewinnen erst gegen den Rand der südlichen Hochebene hin an Höhe. In den Ebenen herrscht das ganze Jahr hindurch eine grosse, elaich. förmige Hitze, und die orkommenden Temperaturschwankungen sind sehr empfindlich. Das Jahr zerfällt in eine gesunde trockene und eine ungesunde nasse Jahreszeit, in welcher namentlich die Wechselfieber den Europäern u. nicht minder auch den Eingeborenen gefährlich werden. Darum haben auch so viele kühne Forscher im Flach-Sudan ein frühes Grab gefunden, ganz abgesehen von allen jenen, welche der Wildheit der Eingeborenen oder der Grausamkeit ihrer Herrscher zum Opfer fielen. Die Bevölkerung des Flach-Sudan zerfällt in eingeborene und eingewanderte Stämme, von denen die ersteren mit geringen Ausnahmen dem Negertypus angehören, wähıend die letzteren aus Fellahs oder Peuhls, von den Arabern Fullatahs genannt, und aus Arabern und Tuariks bestehen. Die Eingeborenen 'sind in vielen Staaten durch eingewanderte Stämme zum Islam bekehrt worden, in anderen sind sie noch Heiden. — Dem westlichen Teil des Flach-Sudan verleiht der Niger, dem östlichen der Tsad-See, um welchen sich die hydrographischen Verhältnisse gruppieren, ein bestimmtes Gepräge. Aus Manding gelangt der Niger in die Reiche Bambarra und Segu, durchfliesst Timbuktu und tritt dann in das Gebiet der Tuariks ein, deren Stelle früher die Sonrays einnahmen. Auf dem rechten Ufer liegen die zuerst von Barth besuchten Landschaften Dalla (Hamdallahi), Libtako, Gurma und Borgu, an welches letztere nach Süden hin Yoruba grenzt. Auf dem linken Ufer folgt auf das Gebiet der Sonrays das mittlere Reich der Fellatah mit den Ländern Saberma, Mauri, Kubbi, Yaurie und Nupe. Auf dem linken Ufer münden die beiden Hauptzuflüsse des Niger. Der Strom von Haussa durchfliesst die Landschaft gleichen Namens, das grosse östliche Reich der Fulbe mit den Provinzen Sokoto, Samfara und Katsina und den 2 Hauptstädten Sokoto und Wurno. Das östlicher gelegene Kano gehört bereits zum Gebiete des Tsad-Seees. Der zweite grosse Zufluss des Niger, der Benue, durchtliesst, aus noch wenig bekanntem Quellgebiet kommend, Adamaua und eine Reihe von Fellatah-Staaten, alles zuerst von Deutschen (Vogel, Rohlfs, Barth, Flegel) erforschte Gebiete. Zum Bereich des Tsad-Seees oder zum östlichen Sudan gehören ausser dem Haussa-Staat Kano das grosse Reich Bornu, das bedeutendste in diesem Teil des Sudan (mit einer Bevölkerung von etwa 2 Millionen), dessen eigentliches Kernland die im Nordosten des Tsad-Seees gelegene Landschaft Kanem ist, im Südwesten des Seees Bagirmi (zuerst von Barth betreten), ostwärts von diesem Wadai und Darfur. An Darfur reihen sich die Gebiete an, welche vor dem Aufstand des Mahdi der ägyptischen Regierung unterthan waren : Kordofan und Sennar, der sog. ägyptische Sudan. — Wir haben schon an anderer Stelle geschildert, wie viele Handelswege von Norden u. Westen in den Sudan führen (siehe Saharahandel). Die Schwarzen treten bei diesem Handel nicht als Grosshändler oder Karawanenführer auf; eigentlich aktiv sind in demselben vorzüglich die arabischen und berberischen Kaufleute der Oasen und des Nordrandes. Im Hoch-Sudan bildet ausser dem Senegal der Niger eine Hauptverkehrsader. Derselbe wird von. seiner Mündung bis zu den Stromschnellen oberhalb Rabba beschiftt, aber die Handelsverbindungen der Europäer erstrecken sich noch viel weiter. Die Engländer haben die Wichtigkeit Rabbas, welches in der Mitte des Weges von der Küste nach Kano in Haussa liegt, frühzeitig begriffen, und der Ort ıst heute ein wichtiger Stapelplatz, der auch durch Yoruba mit Lagos in Verbindung steht. Wie gross die Wichtigkeit dieses Platzes ist, erhellt schon aus den Angaben Barths, der berechnete, dass in Kano jährlich für 856 Miln. Kauris (etwa 5000( 0 Theresienthaler) Waren verkauft werden. Obenan stehen Baumwollstoffe, Sklaven und Gurunässe; dann folgen gefärbte Seide aus Tripolis, Glasperlen und Glaswaren, Solinger Säbelklingen, Sandalen, französische Seidenwaren, grobes rotes Tuch, Zucker, Kupfer, gegerbte Häute und Rasiermesser. Am oberen Niger sind die wichtigsten Handelsplätze: Bammaku, wohin Gold aus Buru und Salz aus der Sahara kommt, Yamina, das von maurischen Karawanen aus Tischit, Walata und Tuat besucht wird, Segu, welches Sklaven, Elfenbein, Gold und Bubus (hemdartige Kleidungsstücke ohne Ärmel) liefert, Djennih oder Djenne, wo Salz die Hauptware bildet, und und Timpuktu, heute noch der wichtigsteStapelplatz im westlichen Sudan, obwohl es sehr viel von seiner früheren Bedeutung verloren hat. ‚Eigenhandel fehlt ihm, seine G@eschäftsleute sind nur Agenten und Mäkler für die Kaufleute in Mogador, Tafilet und Ghadames, aber die Industrie von Timbuktu liefert gegerbte Felle und einige Eisenwaren. Von Gold kommt etwa für 2000060 Thaler zur Ausfuhr. In den Haussastaaten sind bedeutendere Handelsplätze Katsina (Lederwaren, berühmte Gerbereien), Sokoto, Gando (Baumwollzeuge) Wurna, und in Adamaua Yola (Elfenbein). Im Flach-Sudan ist das schon erwähnte Kano durch seine vorzüglich blau gefärbten Baumwollstoffe und seine Lederwaren, welche grossen Absatz finden, berühmt. Die Hauptstadt des Reiches Bornu ist ein sehr wichtiger Stapelplatz; kleinere Handelsstädte sind Chaldedschah, Budi und Gummel, im Osten des Tsad-Seees Mao, die Hauptstadt von Kanem. Im nördlichen Teil von Bornu liegen einige Plätze, welche man als Vorposten des sudanesischen Handels bezeichnen kann, weil sie zunächst der Wüste liegen und die Karawanen dort rasten: Sinder, der „Schlüssel“ zum Sudan, Taghedel in Damergu, wo die grossen Karawanen, welche von Norden kommen, sich in kleinere zu zerteilen pflegen, weil von nun an keine Raubnomaden mehr zu fürchten sind, und Tassaua, durch seine geschickten Färber berühmt. In Wadai konzentriert sich der Handel in Nimro, wohin ägyptische und berberinische Kaufleute kommen. Die Hauptkarawane geht in ruhigen Zeiten alljährlich nach Bengasi in Tripolitanien, eine andere nach Da fur, und beide bringen europäische Waren mit. Die Handelsstadt von Darfur ist Kobeh, von wo Karawanen nach Siut in Mittelägypten gehen u. nach dreimonatlichem Aufenthalt mit europäischen Waren zurückkehren, Kordofan exportiert Elfenbein, Straussenfedern und besonders Gummi, die beste Sorte, welche überhaupt in den Handel kommt. Der Gummihandel wird hauptsächlich in EI Obed, Kurssi, Bara, Abu Harras (am blauen ° Nil) und Dar Hainmar durch Zwischenhändler getrieben. In Sennar sind die für den Handel wichtigsten Punkte Abbu Harras, der Ausgangspunkt des Karawanenweges nach Abessinien, diesem gegenüber aım linken Ufer des Blauen Nil Woled Medineh, der bedeutendste Handelsort der Provinz; weiter aufwärts das grosse Dort ‚Hedebät in der Nähe von Roseres, von wo Karawanen in das Land der Fungi ziehen. An der Ostgrenze von Semmar liest der kleine "Negorstaat Gallabat, dessen Sckeikh teils an Ägypten, teils an Abessinien Tribut zahlte. Der Hauptort Gallabat ist der Marktplatz für den ganzen Verkehr zwischen den ägyptischen Provinzen und Abessinien. In den Handel kommen vorzugsweise Baumwolle, Wachs und Häute. Durch die Provinz Takka führt eine Karawanenstrasee nach dem Handelsplatz Kassala und weiter nach Sauakim, eine von Kassala über das als Gummimarkt wichtige Gedareff nach Chartum, der früheren Hauptstadt des ägyptischen Sudan. Durch den Aufstand des Mahdi hat Chartum seine Bedeutung als Handelsplatz verloren, und überhaupt ist der Handel in dem grössern Teil des ägyptischen Sudan ins stocken gedie ägyptischen Besitzungen in Ost- und Inner-Afrika das Generalgouvernement Beled Sudan. Ihre Unterwerfung datierte zum Teil vom Anfang unseres Jahrhunderts her. Ein Teil. der Mamluken, welche dem Blutbade auf der Zitadelle von Kairo (1811) entronnen waren, fHüchtete nach Nubien und Darfur, wo sie Mohammed Ali verfolgen liess, bei welcher Gelegenheit der grössere Teil des Beled el Barabra bis nach Dongola unterworfen wurde. Im Jahre 1821 setzte Mohammed Ali seine Eroberungen fort. Sein Sohn Ismail Pascha unterwarf die nubischen Schaikie, vernichtete bei Abu Schoka das Heer der Fungi und damit die Selbständigkeit dieses Reiches und drang bis zu den Sing-Bergen vor. Gleichzeitig unterwarf Mohammed Alis Schwiegersohn, der wilde Mohammed Bey, Kordofan und Darfur, und auch das von Bedja bewohnte, zwischen dem Attara und der abessinischen Nordgrenze gelegene Land Takka wurde besetzt, wiederholte Aufstände mit blutiger Strenge niedergeschlagen. Einige Europäer, welche mit den Ägyptern in den Ostsudan gelangt waren, organisierten nun dort nach und nach den sudanischen Handel, der sich anfangs nur um die Ausfuhr von kohprodukten, namentlich Elfenbein, und um die Einfuhr von Tauschwaren drehte. Man rüstete grosse Nilbarken aus, versah sie mit Proviant, mit Glasperlen, Zeug u. s. w., sowie mit Bewaffneten, schickte sie im Dezember den Bachr el Djebel hinauf und handelte den uferbewohnenden Schwarzen Elfenbein ab. Der Sklavenhandel war sehr lukrativ, und die Besatzungen der Nilbarken veranstalteten daher förmliche Menschenjagden, bald allein, bald in Verbindung mit Schwarzen. Die von allen Seiten bedrängten Schwarzen übten blutige Repressalien. Vergebens eiferten lange Zeit die Missionäre gegen den Unfug, aber endlich sah sich die ägyptische Regierung gedrängt, den immer lauter werdenden Klagen nachzugeben und Massregeln gegen die Sklavenhändler zu ergreifen. Sir Samuel Baker wurde mit einer Expedition nach dem Ost-Sudan betraut. Er unterwarf das Bari-Land und hatte manchen blutigen Kampf mit den Sklavenhändlern zu bestehen, ohne derselben völlig Herr werden zu können. Endlich wurde 1874 Gordon Pascha mit der Fortsetzung der Bakerschen Operationen betraut und zugleich der Elfenbeinhandel für ein Monopol der Regierung erklärt. Die Einfuhr von Waffen und Munition wurde verboten, Vergehen wider dieses Verbot der Militärgerichtsbarkeit zur Aburteilung überwiesen. Die Unzufriedenheit der Sklavenhändler machte sich in ofiener Rebellion Luft, die erst nach langen Kämpfen im Herbst 1879 durch die Gefangennahme Solimans, des Führers der Aufständischen, ein Ende fand. Die Ägypter setzten nun ihre Eroberungen fort und unterwarfen sich noch einen grossen Teil von Zentralafrika von Fadassi und dem Mittellauf des Sobat bis zu den westlichen Zuflüssen des Bachr el Gasal und zum Uelle hin, Fertit, fast ganz Niam-Niam-, Mittu- und Monbuttuland Durch das Auftreten des Mahdi, welcher vielen Anhang unter Fellachin, Barabra, Bedja, Fungi und den Mischlingen in Kordofan, Süd-Nubien, Nord-Sennar und Takka fand, ist das durch jahrelange müheyolle Arbeit errichtete Gebäude der ägyptischen Herrschaft im Sudan vernichtet worden, und es lässt sich heute noch gar nicht absehen, wann diese gesegneten Länder der Segnungen des Friedens wieder werden teilhaftig werden. Südguinea oder Niederguinea, die Küste von Kap Lopez bis Kap Negro. ber | Südguineastrom oder Kongostrom, Re- | eine Meeresströmung, welche sich kon | von der Höhe der Stadt 8. Paulo de nd Loanda in nördlicher und nordwest-Ver i licher Richtung verfolgen lässt, bis Fon sie sich mit der Aquinoktialströmung em vereinigt. a ; Sues (Suez), Stadt in Unterägypten, nen i am äussersten Nordende des Arabine schen Busens in öder Gegend geen 3 legen. 8. war ehemals eine blühende nd-- # Handelsstadt, da sich hier eine Hauptmit niederlage europäischer und indischer pe- Waren befand, aber nach der Entder E deckung des Seeweges nach Ostindien der F geriet es in Verfall. In jüngster Zeit ron hat es neue Bedeutung durch den en, E bei ihm mündenden Sueskanal erder langt. Bei Beginn der Kanalbauten ng | zählte es etwa 1500 Rinwohner, jetzt der - etwa 12000. Ein 3000 m langer ner Damm führt durch das seichte Meer ben 13 nach Port Ibrahim, dem westlich von die P der Kanalmündung gelegenen Hafen rers | von $., welcher 500 Schiffe zu fassen nd. E vermag. Der Handel hat sich auch bbe- FE nach Eröffnung des Kanals nicht ich 4 nach Sues, sondern nach Alexandria rıl- 9 und Port Said gezogen, und 8. ist te- EB müreine Durchgangsstation geblieben. hen # Sueskanal. Es lag nahe, bei den nd hochgesteigerten Hilfsmitteln unserer anz | Zeit an die Herstellung eines Veran | kehrsweges durch den Isthmus von en # Sues zu denken. Durch einen dort hdi, 1. gegrabenen Kanal musste die Fahrt iin, 5° von Europa nach Ceylon von 3450 den # auf 1100 Meilen verringert werden. ien, | Schon die alten Pharaonen u. Darius ds E Histaspes hatten versucht, einen solbeit # chen Kanal herzustellen, das Werk hen P aber nicht zu Ende geführt. Nun vor- #1 wurde im November 1854 zwischen ich | dem französischen General - Konsul ge | Lesseps und Said Pascha ein Vertrag des #° geschlossen, durch welchen einer fig | Kompanie zum Bau des Sueskanals die #% Kanal sollte auch grossen Seeschiffen, oro. 4 die Durchfahrt ermöglichen und im Jahre 1861 eröffnet werden, Die Kosten wurden auf 150 bis 200 Mill. berechnet. Nachdem aber der Bau begonnen war, zeigte es sich bald, dass man die Schwierigkeiten unterschätzt hatte. Der Termin der Fertigstellung musste immer weiter hinausgeschoben werden, und schon in der Mitte des Jahres 1867 betrugen die Kosten über 237 Mill, ohne dass die Beendigung des Werkes mit Sicherheit vorher berechnet werden konnte. Von Anfang an fehlte es demselben nicht an Neidern u. Feinden, aber Lesseps liess sich durch alle Anfeindungen nicht abschrecken und verfolgte mit eiserner Energie sein Ziel. Im Jahre 1869 konnte der Kanal endlich dem Verkehr übergeben werden. Er ist 160 Kilometer lang, am. Wasserspiegel 58 bis 100 Meter, an der Sohle 22 Meter breit und 8 Meter tief. Am Mittelmeer bei Port Said beginnend, wo zwei riesige Molen (1600 und 2300 M. lang) sich ins Meer hinaus erstrecken und die durch westliche Strömungen herangeführten Schlamm-Massen des Nil von dem Kanal abhalten, zieht sich derselbe zum Mensaleh-See hin, den er durchschneidet und durch eine El Kantara genannte Bodenerhöhung den Bellach-See erreicht. Nach seinem Austritt aus diesem See führt er an den Stationen El Ferdane und El Gisr vorbei, durchschneidet den Timsah-See und nachher die 16 Kilometer lange Felsenschwelle des Serapeums und erreicht mehrere Salz-Seeen, an°deren Ende bei El Schaluf bereits Ebbe und Flut des Roten Meeres bemerkbar ist. Der Kanal mündet nach einer Strecke von 156 Kilometer in das Rote Meer, führt aber südlich von der Stadt Sues noch 4 Kilometer in das Meer hinaus. Bei der Rhede von Sues ist er 9 Meter tief. Die Kosten des Baues hatten etwa 380 Mill. Mark betragen, wovon 256 Mill. durch Aktienzeichnung, der Rest vom Chedive gedeckt wurde. Der Grösse der Kosten entsprach aber auch der Vorteil, der dem Handel und Verkehr durch den Kanalbau erwuchs. Die Entfernungen zwischen Europa und den Ländern des Ostens waren bedeutend abgekürzt, die Dampferfahrt von Triest o. Brindisi nach Bombay um 87 Tage, von Genua um 32, von Bordeaux, Liverpool, London, Hamburg um 24 Tage, die Fahrt von Southampton nach Sansibar um 10 Tage u. s. w. Für alle Waren eignet sich allerdings der Kanal nicht, da nicht alle den hohen Kanalzoll von 10 Franken pro Tonne Nettogewicht zu tragen vermögen. Nach wie vor gehen daher noch viele Waren um das Kap, aber Manufakturen, Stahl, feine Metallwaren, Seide, Thee, Kaffee, Baumwolle u.s. w. werden über den Kanal versandt. Schon während des Baues waren längs des Kanals neue Niederlassungen entstanden, und von den bereits bestehenden wuchsen einige sehr rasch. Von Sues kommt man zunächst nach Chalouf, dann nach Ismailia am Timsah-See, einer 8000 Einw. zählenden Stadt mit einer katholischen und 2 griechischen Kirchen, 2 Hospitälern, den prachtvollen, Fürstenschlössern gleichenden Gebäuden der Kanaldirektion, breiten Strassen und allem Komfort europäischer Städte. Der nächste grössere Ort ist Kantara mit 200U Einw., das schon früher ein wichtiger Halteplatz der Karawanen war. An der Ausmündung des Kanals in das Mittelmeer aber ist eine neue, völlig europäische Stadt entstanden, Port Said, dessen 10000 Einw. zum weitaus grössern Teile Europäer sind, Italiener und Dalmatiner, Franzosen, Griechen, Engländer und Deutsche. Hier befinden sich Konsulate aller maritimen Staaten, mehrere Kirchen, Klöster und Hospitäler, zahlreiche Hötels und Cafes, öffentliche Bäder, Klubbs u. s. w., so dass Port Said das Bild einer kleinen Grossstadt gewährt. — Das erste grössere Schift, das den Kanal befuhr, war ein deutsches Schiff aus Triest, welchem im November 1868 ein kleines französisches Kriegsschiff folgte. Schon im Jahre 1870 benutzten den Kanal 486 Schiffe mit 493911 Tonnen Gehalt, und 1876 war der Verkehr auf 1457 Schiffe mit 3072107 Tonnen gestiegen, wovon 1090 die britische, 89 die französische, 60 die niederländische, 53 die österreichische, 51 die italienische, 27 die deutsche, 26 die spanische, je 15 die schwedischnorwegische und türkische, 14 die russische und 13 die dänische Flagge führten. Die Zahl der Reisenden, welche den Kanal passierten, war 1876 bereits auf 67933 gestiegen. Die Einnahmen der Gesellschaft betrugen in dem genannten Jahre bereits 30728926, die Ausgaben 17244655 Franken. Im Besitzstand der Aktien hatte sich schon 1875 eine bedeutende Veränderung vollzogen. England hatte dem Öhedive 177602 von ihm übernommene Aktien im Werte von 700 Mill. Mark abgekauft und dadurch das Übergewicht im Verwaltungsrate erlangt.

Sudan
Afrika Hand-Lexikon. Ein Nachschlagebuch für JedermannVon Paul Heichen, Leipzig: Gressner & Schramm 1885 · Bd. 3, S. 1237Scan: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen · gemeinfrei

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