FeedAschanti (Ashanti, Assanti)
ErdkundeAfrika Hand-Lexikon 1885

Aschanti (Ashanti, Assanti), Volk und Reich im mittlern Guinea (Westküste), zwischen dem Mittellauf des Assinie und dem Volta, etwa zwischen 6 u. 8° n. Br. und 2° und 6° westl. L., seit dem Kriege mit den Engländern auf etwa 130 km von der Meeresküste zurückgedrängt; seine Grösse beträgt etwa 1950UV Q.-km (3500 Q.-Min.), die Zahl seiner Einwohner ziemlich 5 Millionen. Das Land bildet eine gegen Norden terrassenförmig zum hohen Kong-Gebirge aufsteigende Ebene, die, vom Assini, Baka, Prah und Volta durchflossen, meist fruchtbar und überaus waldreich, stellenweise auch mit üppigen Gras-Sayannen bedeckt ist. Das Klima ist an den nach der Küste zu abfallenden Niederungen heiss und ungesund, soll aber in den höher gelegenen Strichen auch für Europäer erträglich sein; Regenzeit ist zweimal im Jahre, Ende Mai und Oktober (oft mit heftigen Gewittern und Tormados), dazwischen warmer Sommer. Das wichtigste Produkt des Landes neben Elfenbein, Salz und Eisen ist Gold, das in Flüssen und Gruben gewonnen wird; die Engländer fanden 1574 an zahlreichen Orten tiefe Schachte, in denen von den Eingeborenen nach Gold gegraben wurde. Die Ausbeute ist in den letzten Jahren zwar nur gering gewesen, aber an die in Cape Coast Castle, Elmina etc. anlegenden Schiffe werden noch jetzt regelmässig rohe Goldklumpen zum Kaufe geboten. Das Pflanzenreich liefert viele Palmenarten, ferner Gummi-, Baumwoll- und Manglebäume, Gurunüsse, Gewürz- und Farbepflanzen; von Feldfrüchten werden Mais, Hirse und Reis gebaut; die Hauptnahrung der A. bildet die Yamswurzel und der Kürbis. Von wilden Tieren leben in A. Löwen, Panther, Hyänen, Elefanten, Nashorne, Büffel, Faultiere, Affen, Vampire, Die Vögel sind durch Adler und Geier, Papageien und verschiedene Hühnerarten vertreten, die Reptilien durch Riesenschlangen, Kaimans, Kröten etc.; auch an Ameisen, Termiten und Muskitos fehlt es im Lande der A. nicht. Der Handel, der im Lands durch Karawanen vermittelt wird, ist bedeutend. Er liegt vorwiegend in den Händen der Engländer, die in den wichtigeren Ortschaften Waren-Niederlagen unterhalten, Die Bewohner, kräftig gebaute Neger, sind intelligent, kriegerisch und mutvoll, in Anfertigung von Ketten aus Gold, auch in Weberei und Eisenarbeiten. geschickt. Sie schmücken sich durch Tättowierungen und durch Gold- und Elfenbeinringe; Vielweiberei und Sklaverei herrschen bei ihnen; ihre Religion ist Fetischismus. Der König ist unumschränkter Herrscher, doch kann er Gesetze nicht abschaffen, die durch Überlieferung festgestellt sind, und muss zur Entscheidung über Krieg und Frieden, sowie bei Bündnissen, die Häuptlinge zu Rate ziehen. Die A. sollen im Fall eines Krieges 200100 teilweise in europäischer Weise bewaffnete Streiter stellen können. Gegründet wurde das Reich A. im Anfang des 18. Jahrh., als der Negerhäuptling Sai-Tutu die gegenwärtige von dort aus die Eroberungen begann, welche unter seinen Nachfolgern das Reichsgebiet schon 1807 dur ch Ußterwerfung der Fantibis zur Meeresküste ausdehnten, und die früher unabhängigen Landschaften Ahanta, Akim, Akwapim, Daghumba, Inta, Sarem etc. tributpflichtig machten. Durch die Unterwerfung der Fantis, welche mit den Engländern in gutem Einvernehmen lebten, kamen die A, mit den letzteren in Berührung. Da diese den Sklavenhandel nicht gestatteten, auch weder die von ihnen an die Fantis gezahlten Subsidien, noch den von den Holländern (den früheren Besitzern Elminas) an den Aschantikönig gezahlten Tribut fortzahlen wollten, so beschloss der letztere, seine Rechte mit Gewalt geltend zu machen. „Während er aber eifrig zum Kriege rüstete, zog England, um Geld zu sparen, einen grossen Teil der Garnison von der Goldküste zurück und liess in allen dortigen Forts zusammennur160Mann, Diese geringe Macht war selbstverständlich nicht imstande, die Aschantis aufzuhalten, als sie, von den mit der Abtretung an England nicht einverstandenen Fanti zur Hilfe gerufen, gegen die Küste vordrangen. Die Verminderung der Garnisonen war ein um so unvorsichtigerer Schritt, als die Engländer schon vor 50 Jahren Gelegenheit gehabt hatten, die Widerstandskraft der Aschantis kennen zu lernen. Damals in den Jahren 1822—1824 waren sie wiederholt, am entscheidendsten bei Essamakoh, von deu Aschantis geschlagen worden. Der Gouverneur M’Carthy, dermit ungenügenden $treitkräften dem Feinde schliesslich selbst entgegenzog, fiel in der Schlacht und sein Kopf wurde als Siegestrophäe nach Kumassie geschickt. . Erst als die Engländer 1926 die Congreve-Raketen gegen den Feind zur Verwendung brachten, wandte sich das Kriegsglück, und der neue Gouverneur Campbell schloss 1831 einen für die Engländer nicht ungünstigen Frieden. Der Übermut der Aschantis war aber nicht gebrochen worden sie hielten es für unmöglich, das die Engländer in das Innere ihres Landes eindringen könnten, und als ein 1863 ausgebrochener zweiter Krieg für die Engländer erfolglos blieb, befestigte sich bei den Aschantis immer mehr die Überzeugung, dass dieEngländer sich vor einem Buschkriege scheuten. Voll Siegeszuversicht drangen daher nun die Aschantis im Februar 1373 in 3 Heerhaufen über den Prah, überall von den Fantis als Befreier begrüsst. Der König von Elmina schloss sich ihnen an, ein kleines Heer von Eingeborenen, welches die Englinder ihnen entgegensandten, wurde aufgerieben, und die Aschantis erschienen vor Kommenda. Sir Garnet Wolseley, Englands bewährter Heerführer, sollte der Retter in der höchsten Not werden, aber man sandte ihn ohne Soldaten an die Goldküste, und sein Versuch, eine Armee aus Eingeborenen zu bilden, misslang. Erst im Dezember sandte man ihm einige europäische Truppen, wodurch es ihm möglich wurde, zur Offensive überzugehen. Trotz ihrer grossen Übermacht wurden die Aschantis bei Essaman, bei Abrakrampa, Amoaful, Becqua, Ordehse geschlagen, und Sir Garmet Wolseley zog als Sieger in ihre Hauptstadt ein. Die von allen Einwohnern verlassene Stadt wurde in der Nacht nach dem Einzug der Engländer völlig eingeäschert, aber dem Aschantikönig war die Lust zur Fortsetzung des Krieges vergangen. Er erkaufte den Frieden unter harten Bedingungen: er musste auf die Oberhoheit über die Königreiche Akım, Assin, Denkera, Elmina u. s. w., kurz über alle früher unter holländischem Protektorat gestandenen Stämme verzichten und überdies 50000 Unzen Gold (etwa 4 Millionen Mark) zahlen“ (Roskosehny, Europas Kolonien 163%

Afrika Hand-Lexikon. Ein Nachschlagebuch für JedermannVon Paul Heichen, Leipzig: Gressner & Schramm 1885 · Bd. 1, S. 163Scan: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen · gemeinfrei

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