Baker, Sir Samuel White, einer der glücklichsten Afrikaforscher der Gegenwart, der Entdecker des Luta Nzigh6 oder AlbertNyanza, zu Thorngrove (Worcestershire) am 11. Juni 1321 geboren; rüstete, nachdem er von 1845-1853 auf der Insel Ceylon verweilt hatte, dann beim Bau der türkischen Bahn von Varna bis Küstendje thätig gewesen war, im Frühjahr 1861 zu Kairo seine erste Forschungsexpedition aus, in der Absicht, seinen Landsmännern J ohn Hanning Speke und J. A. Grant, die von Sansibar aus zur Aufsuchung der Nilquellen ausgezogen waren, entgegen zu ziehen. Zunächst durchstreifte er ein Jahr lang, um sich genügend vorzubereiten und die Kenntnis der arabischen Sprache zu verschaffen, die vom Atbara, Setit und den Zuflüssen des Blauen Nils bewässerten Landschaften im Norden Abessiniens, und stellte die Hydrographie dieser Flüsse, sowie den Anteil, welchen sie an der Überschwemmung des Nils haben, fest. Im Juni ’52 fuhr er von Chartum aus nilaufwärts in drei Barken bis Gondokoro (4% 55‘ nördl. Br.) und stiess im Februar ’63 auf Speke und Grant, welehe den Ukerewe- oder Victoria-Nyanza, den Speke schon auf seiner ersten Reise mit Burton nach dem Tanganjika-See, allein von dort nach Westen einen Abstecher machend, Ende Juli ’58 gesehen hatte, auf seinem Westufer bis über den Aquator hinaus befahren hatten (vergl. Speke), ohne indes bis zu dem zweiten grossen Dee vorzudringen, von welchem dieEingebornen bestimmte Kunde gegeben hatten. Baker wagte den Versuch, durchzog, im Kampfe mit den Sklavenhändlern, die ostwärts liegenden Negerreiche Ellyria, Latuka und Obbo, bog dann in die von Speke eingeschlagene Route ein und zog, an den Karumafällen des Somerset-River vorbei, durch das Reich Unjoro, bis er am 16. März 1864, nach Überwindung von zahlreichen Gefahren und Abenteuern, den westlichen See Luta Nzighe, erreichte. Er benannte denselben, zu Ehren des Prinzgemahls, „Albert Nyanza“. „Zehn Tage lang fuhr er in Kanoes an dessen Nordostufer entlang, bis nach Magungo, wo der Somerset-River sich in den Luta Nzighe ergiesst, ohne indessen den Abfluss des Weissen Nils aus dem See selbst genau zu konstatieren, wiewohl kein Zweifel darüber sein kann, dass der Weisse Nil wirklich aus diesem See stammt, da B. auf der Rückreise schon-unter 3° 32 n. Br. den Nil bei Apundo wieder erreichte, so dass von da nur wenige Meilen bis zum nördlichen Ende des Sees nicht bereist wurden®“. Im März 1865 kehrte B. von Gondokoro aus über Chartum, Sauakin und Sues nach London zurück, wo ihm die Königin den Baronetstitel, die Geographische Gesellschaft die grosse goldene Me: daille verlieh. 1868 vom Vizekönig von Ägypten zum Pascha ernannt, wurde er an die Spitze einer kleinen Armee, die mit zerlegbaren Dampfern ausgerüstet war, gestellt, um den Sklavenhandel im ägyptischen Sudan auszurotten. „Am 7. Juni 1870 traf die Expedition in Chartum ein, wo vom Gouverneur bis zum letzten Einwohner herab alles Widerwillen gegen dieses zeigte und nichts zum weitern Vordringen bereitet war. Als er endlich mit 33 Schiffen von (Chartum aufbrechen konnte, traf er auf gewaltige Naturhindernisse. Der Weisse Nil war durch eine tiefe und lange. Pflanzenbarre versperrt. B.s Leute starben in dem Sumpfklima massenhaft, und nur unter den unsäglichsten Beschwerden gelang es, mit Benutzung de Giraffenflusses, eines Nebenarms des Weissen Nils, am 15. April 187] Gondokoro zu erreichen. B. begann hier den Bau einer Stadt, die er „Imailia® nannte, und führte Krieg mit den Barinegern, die er unterwarf, Nachdem er energisch einen Aufstand 9 seiner eigenen Truppen gegen ihn # unterdrückt, brach er gegen Ende 1871 mit einem sehr zusammeng«- schmolzenen Korps nach Süden auf, zog den Nil entlang durch Madi und errichtete bei Fatiko (8° nördl. Br.) ein festes Lager, von dem aus er segen die das Land verwüstenden Sklavenjäger Streifzüge unternahm, Er drang dabei bis Masindi im Lande Najoro (2° n. Br.) vor, fortwährend kämpfend, bald mit den Sklavenjägern, bald mit den Eingeborenen. Es war ein Zug, der an Kühnheit und |) Abenteuerlichkeit sich nıit dem eines Pizarro oder Öortez vergleichen lässt.* — Im April 18753 traf er wieder in Gondokoro ein und eilte ohne Aufenthalt nach England zurück. Die EBrgebnisse dieses ungeheure Summen Il verschlingenden Zuges waren leider nur äusserst geringe und auch dies Wenige ist in politischer wie humanitärer Hinsicht durch die Aufstände der letzten Jahre in Ägypten (Arabi Pascha) und im Sudan (Machdi) vollständig vernichtet worden.