FeedBuschmänner (Bosjemans)
TierreichAfrika Hand-Lexikon 1885
Gerätschaften der Buschmänner.
Gerätschaften der Buschmänner.

Buschmänner (Bosjemans), wilde Bevölkerung des südlichen Afrika, Abzweigung des Hottentottenstammes. Sie bewohnen das Land zwischen dem ÖOranjefluss und den östlich vom Roggeveld sich erhebenden Bergen, N Dasselbe ist unwirtlicher und öder als die Karroo, die doch eine kurze Regenzeit hat und wenigstens en mal im Jahre sich mit grüner Grasdecke bekleidet. Jenseits des Oranjeflusses aber fällt oft mehrere Jahre hintereinander kein einziger Regentropfen. Der steinige Boden erzeugt nur eine äusserst spärliche Vegetation, keine Bäume, sondern nur Buschwerk. Das Buschmännerland erhält weder seinen l'eil von den die Fruchtbarkeit des Kaplandes so sehr fördernden Winterregen, noch von den Kaffraria in der heissen Zeit bewässernden Regenstürmen; nur in seltenen Fällen nimmt eine Wolke über die sterile Landfläche ihren Zug. Der Unterhalt von Vieh ist dem Buschmann nicht möglich, er kennt allein das genügsame Schaf und auch wilde Tiere fristen nur in sehr wenigen Arten in diesen Strichen ein kümmerlicbes Dasein: das Rhinoceros und die Elenn-Antilope sind neben dem in den unwirtlichen Steppen zahlreich umherziehenden Strausse und dem Quagga fast die einzigen. Der Buschmann nährt sich von den Knollen verschiedener Erdpflanzen, von Schlangen, Eidechsen, Ameisen und Heuschrecken ; Termiten sind ihm ein Leckerbissen. Er hängt nicht an der Scholle, die ihm nur kärglich sein Dasein fristet, und kennt aus diesem Grunde auch kein Rigentum ; seine Wohnung, bzw. sein Nachtlager schlägt er in den Zweigen der Gesträuche auf, die er über sich zusammenknüpft. Ein Schaffell dient ihm als Decke gegen die in diesen öden Gebieten herrschende rauhe Nachtluft. Der Buschmann vergiftet seine bis zu 2 Fuss langen gefiederten Pfeile; diese und sein aus hartem Holz grob gearbeiteter, gewöhnlich bis zu fünf Fuss langer Bogen sind sein einziges Besitztum und das einzige Werk seiner Hände. Intellektuell und moralisch steht der Buschmann auf der tiefsten Stufe; Familienbande kennt er so gut wie gar nicht; die Kinder zieht er instinktiv auf, wie das Tier seine Jungen. Sielebenin kleinen Trupps zusammen ohne Häuptling; der Stärkere hat das grössere Recht. Die B. waren ehemals auch im Kapgebiet zahlreich vertreten; aber die Kolonisten, denen sie gefährliche Feindschaft hielten, haben sie teils ausgerottet, teils vertrieben. Die Missionüre Lichtenstein und Hahn, welche (Lichtenstein 1805, Hahn 1841) unter ihnen thätig waren, haben in ihren „Reisen im südwesi.. Afrika“ über sie schätzenswerte Nachrichten veröffentlicht. Sie erreichen eine durchschnittlicke Höhe von 1440 mm und wurden von deutschen Forschern (Fritsch, Hartmann etc.) als zu den afrikanischen Zwergvölkern der Akka, Dokka, Tikki-Tikki, Aboneo etc. gehörig angesehen.

Afrika Hand-Lexikon. Ein Nachschlagebuch für JedermannVon Paul Heichen, Leipzig: Gressner & Schramm 1885 · Bd. 1, S. 276Scan: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen · gemeinfrei

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