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ErdkundeAfrika Hand-Lexikon 1885

Hottentotten (in den Distrikten der Kapkolonie); 2) aus den Namaquas; 3) den Koranas: 4) den Bosjesmans oder Boschimans. — Die Namaquas bewohnen das Küstengebiet nördlich vom Distrikt Kapstadt, bis zur Waläschbai hinauf; bei ihnen hat sich der Rassentypus, wie auch die Sprache am reinsten erhalten. Ein grosser Grenzstamm derselben, derjenige der Hereros oder Damara, gehört zum Teilzu ihnen. — Die Koranas wohnen östlich von den Namaquas, an den Ufern des Oranje-und des Vaalflusses; die Sprache derselben ist schon stark vermischt mit der Sprache der neben und unter ihnen lebenden Betschuanen und anderen Bantu sprechenden Völkern. Die beiden Dialekte der Kap-Hottentotten, besonders jener der westlichen, ist stark\ mit malaiischen, englischen, niederländischen und kaf. ferischen Wörtern durchsetzt und den nördlicheren H. fast nicht mehr verständlich. Die Sprache endlich der ärmlichen, unter dem holländischen Spitznamen Bosjemans (engl. Bushmen) bekannten Bevölkerung, die an beiden Ufern des Oranjeflusses ım Süden und nördlich von den Koranas umherziehen, ist roh und unartikuliert wie das Volk selbst, das auch von den Koranas und den anderen H.-Stämmen als „wild“ bezeichnet und als „Paria® verachtet wird. ‘Die Hottentottensprache im allgemeinen macht auf ein fremdes Ohr den Eindruck einer Menge von raschen, aus der Brusttiefe herausgestossenen Tönen, mit rauhen Kehllauten, häufigen Doppeltönen (ou, aau, 00, uu) und unaufhörlichem Zungengeklapp vermischt. Vornehmlich aber das Zungengeklapp ist's, welches das hottentottische Sprechen auszeichnet; man unterscheidet vier Weisen desselben: das eine gleicht dem Geräusch eines springenden Pfropfen, ein anderes dem Schnalzen eines seine Pferde anfeuernden Kutschers etc. „Wenn ein halbes Dutzend von H. zusammen spricht“, berichtet ein Reisender, „könnt' man meinen, ebensoviele Gänse schnattern zu hören.“ DieH. sind von Untermittel-Grösse; nur die Koranas zeigen einen etwas orössern Wuchs (vielleicht infolge einer Kreuzung mit Kaffernblut). Sie sind bald schwächliche, bald kräftige, muskulöse Gestalten. Die Hände und Füsse des H. sind im Vergleich zum übrigen Körper klein. Die Nase ist platt und breit, die Augen haben eine leicht schräge Form und sind im innerh Winkel rund. Die Iris zeigt im allgemeinen ein tiefes Braun, bisweilen streift sie sogar ins Schwarze. Die Backenknochen sind scharf hervorspringend und geben mit dem spitzherablaufenden Kinn dem Gesicht eine dreieckige Form. Die Stirn ist schmal, aber oft gewölbt; der Mund ist gross und mit guten Zähnen: besetzt, die Lippen sind kräftig heraustretend. Die Ohren sind gross und ermangeln des Läppchens; die Hautfarbe zeigt ein gelbliches Braun und gleicht derjenigen eines Europäers, welcher an emer hOoCcHhgraugen ItelDsucht erkrankt ist. Das Haar ist eine Art schwarzer ungekräuselter Wolle, ohne aber dicht zu sein; der Bartwuchs fehlt oder ist doch sehr selten. Ihr Schädel ist dolichokephal. Das Rückgrat zeigt eine auffällige Krümmung. Zwei besondere Eigentümlichkeiten endlich kennzeichnet das hottentottische Weib: der Fettsteiss(eineungewöhnliche Fettansamm- :lJung am Gesäss) und die sogenannte „Hottentotten-Schürze* (auffallende Verlängerung der Schamlefzen an den Geschlechtsteilen).. Obgleich diese beiden physischen Bigentümlichkeiten in der ganzen hottentottischen Rasse vorkommen, so treten sie doch nur bei den Weibern der Buschmänner regelmässig auf; auch sollen sich diese Unförmlichkeiten bei den H. erst im geschleehtsreifen Alter oder nach der ersten Schwangerschaft zeigen, während sie bei dem Busclmannvolk schon von der Kindheit an vorhanden sind: was darauf hinzuweisen scheint, dass die H. nur ein durch Kreuzungen geschwächter Zweig der buschmännischen Rasse sind. Die H. sind uns durch zahlreiche Schilderungen von Forschern, Reisenden und Missionären bekannt geworden; unter andern von Kolbe, Walckenaer, Sparrmann, Tihunberg, le Vaillant, Lichtenstein, John Barrow, Campbell, Philip, Burchell, Thompson, Bunbury etc. Die besten Sehilderungen verdanken wir Professor Dr. Gustav Fritsch.

Afrika Hand-Lexikon. Ein Nachschlagebuch für JedermannVon Paul Heichen, Leipzig: Gressner & Schramm 1885 · Bd. 2, S. 561Scan: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen · gemeinfrei

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