Constantine, grosse Provinz Algeriens, den nördlichen Teil des Landes bildend. Sie liegt zwischen der Provinz Algier und Tunis, wird im Norden vom Mittelmeer begrenzt und misst vom Kap Roux, welches die Grenzen der Regentschaft Tunis bildet, bis zur Grenze der Proy. Algier, nordwestl. von Bougie, etwa 40 km. Die Küste bildet drei grosse Buchten: die von Bougie, die von Stora oder Philippeville im Zentrum, und die Bucht von Bona; an ihnen sind die fünf Schiffsstationen Bougie, Djedjelli, Collo, Philippeville (mit Stora) und Bona gelegen. — C. ist sehr gebirgig. Kein einziger Fluss von Bedeutung tritt innerhalb ihres Küsten - Bereiches in das Meer; die bemerkenswertesten sind: der Ued-Sahel oder Somman (kommt von den Aumale-Bergen und mündet, nachdem er den Bu-Sellam aufgenommen, in die Bucht von Bougie); der Ued-Agriun (durchfliesst die Baborberge); der Ued-Djindjen (östl. von Djidjelli) der U&d-el-Kebir oder Rammel (nimmt den Bu-Merzug und den Ued-Endja auf); der U&d-Gebli (mündet nahe bei Collo); der Saffaf (endet bei Philippeville seinen Lauf); der Uödel-Kebir oder Sanhadja (kommt von Jemmapes her); die Seybouse (im Oberlauf Ued-Öherf, mündet in die Bucht von Bona); die Mafrag (ebenfalls in die Bona-Bucht mündend). Der östl. Teil von C. wird zum grossen Teil von dem grössten tunisischen Fluss, der Medjerda, bewässert, die bei Suk-Harras vorbeifliesst und den vom Aures kommenden Ued-Mellegue aufnimmt. Nach dem Hodna-See fliesst der Ksab. In der Sahara verlaufen sich: der vom Djebel-Amur durch Laghuat kommende Ued-Djedi, der von den Tuatbergen durch Wargla fliessende U&d-Mia, der von den Hoggarbergen, dem Zentralstock der Sahara, kommende Ishargar. Klimatisch zerfällt C., wie die anderen Provinzen Algeriens, in drei, der Küste parallel laufende natürliche Zonen: das Tell, das Hochplateau und die Sahara; doch sind dieselben hier nicht so streng geschieden, wie n Algier und Oran. Im Süden von C. erhebt sich der jähe Djebel-Aures mit dem höchsten Pik Algeriens, dem 2328 m hohen Cheliah. Von anderen Bergketten sind die Baborberge (2000 m), der Bu-Thaleb (südl. Sr Setif), der Ferdjiuah (nordöstl. v. Setif), der Gueriun (südl. v. Constantine) zu bemerken. — Das Klima von C. entspricht den gemässigteren Klimaten Europas ziemlich genan. Deshalb war C. auch schon im Altertum das bevorzugte Ziel römischer Kolonisationsthätigkeit. In ähnlicher Weise zieht C. auch seit der französischen Besitznahme Algeriens die französischen Einwanderer an sich. Die eingeborene Bevöl Ikerung der Provinz ©. besteht zu undeton 24 aus Berbern, welche von den an der Küste wohnenden Arabern und Europäern als Kabylen (oder Kebails) bezeichnet werden, während sie im Innern des Landes und im Dijebel-Aures Schauia heissen. Die Hauptstadt der Provinz führt den gleichen Namen; sie ist 439 km östl. von Algier gelegen; Philippeville, der C. nächstgelegene Seehafen, ist 87 km nordöstl. entfernt. Sie ist Sitz der Provinzialbehörden und zählte 1872: 33250 Einw. (9200 Franzosen, 4400 Juden, 2400 Fremde, 17 000 Eingeborene). Die Lage der Stadt ist höchst malerisch; sie ist auf dem Gipfel eines Felsens erbaut, dessen drei verschieden hohe Kuppen das umliegende Land beherrschen. # Das südliche Gebiet bewohnen die # Eingeborenen, das Viertel der Euro- # püer liegt auf der Höhe, zwischen der Kasbah, dem alten Palast der Beys, und dem Thor Valee. Hier sind viele neue Strassen angeleot und hier befinden sich die Pr äfekturgebäude, Gerichtshof, Mairie etc. Ausserhalb der Stadt-Verwaltung liegen verschiedene Vororte: Saint - Jean, Saint-Antoine ete. Die Provinz C. zerfällt in 6 Arron- # dissements: Setif, Bougie, Philippeville, Bona und Guelma. Sie umschliesst 49 Communes de plein exercice und 19 communes mixtes. Diese ö Arrondissements bilden das Zivil-Territorium (15419 Qkm mit 414 714 Einw.). Das Militär-Territorium umschliesst 4 Subdivisionen: 0., Batna, Bona und Setif mit 4 communes mixtes und 17 communes indigenes und erstreckt sich, ohne das Sahara-Gebiet zu rechnen, über 108934 Qkm. Beide Territorien zusammen genommen besitzen also einen Flächenraum von 127 853 Qkm und (1876) eine Bevölkerung von 1141438 Einw. Von denselben waren 1036567Mohammedaner,59 333 Franzosen, 9850 naturalisierte Israeliten und 35 985 Fremde.