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ErdkundeAfrika Hand-Lexikon 1885

Fernando Po (portugiesisch Fernäo do Pö), spanische Insel im Busen von Biafra (Golf von Guinea), in der innersten Bucht des Golfes, gegenüber dem Kamerun-Gebirge, gelegen, von welch’ letzterem sie nur durch eine etwa 30 km breite Meerenge geschieden ist, unter 3° 12°—3° 47° n. Br. und 6° 6°—6° 37° östl. L. Sie ist die grösste der vier Inseln des Guinea-Golfes.. Ihre grösste Ausdehnung, von Nordost nach Südwest, beträgt 60 km; ihr Gesamtflächenraum beträgt 2071 qkm. Hauptort ist Clarence oder Santa-Isabel mit gutem Hafen (3° 45’ 36‘ n. Br., 6° 24° 36° östl. L.) an der Nordküste der Insel ; weitere Häfen sind an der Nordküste: die Maidstone-Bai (westlich von der Santa-Isabel-Bai) und die beiden kleineren: Nervion-Bai und Douglas-Bai (östlich von der Santa-Isabel-Bai); an der Westküste die San Carlos-Bai und an der Ostküste die Melville-Bai (Bahia de la Concepeion). Die herrliche Lage von F., ihr grossartiger Anblick, der Reichtum ihrer Vegetation rechtfertigen den Namen Formosa, welchen ihr durch den portugiesischen Seefahrer Fernao do Po, der sie 1469 oder 1471 zum erstenmale sah, gegeben wurde. Die Insel steigt sehr hoch auf und ist vulkanischen Ursprungs. Zwei Piks beherrschen sie. Von ihnen ist der Clarence-Pik der höchste (nach englischen Messungen 3365 m); er liegt im nördlichen Teile der Insel, 19 km südlich von der Clarence- oder Santa-Isabel-Bucht und ist ein noch thätiger Vulkanberg. Fast in gleicher Höhe mit dem gegenüber auf dem Festlande liegenden Kameruns - Pik bilden die beiden gewaltigen Bergmassen eine Art majestätischen Ein-Sangsthors zum äquatorialen Afrika. Der Boden ist im allgemeinen eine rote Liehmerde, die auf kiesigem Grunde lagert und stark mit Lava untermischt ist. Leider ist das Klima sehr ungesund. Die besten Monate sind diejenigen, in welchen der Harmattan weht, der nach der Regenzeit (Juni bis September) die Atmosphäre von den durch die Feuchtigkeit entwickelten Miasmen reinigt. Er weht hauptsächlich in den Monaten Dezember, Januar und Februar, aber nicht anhaltendund ohne bedeutende Stärke, Der ungesundeste Monat ist der Oktober, nach Ablauf der Regenzeit; um diese Zeit beginnen die Tornados, welche bis zum Juni dauern. Bei hellem Wetter sieht man die Insel auf eine Entfernung von mehr als 180 km. Wenn man sich der Insel nähert, zeigt das Gestade felsige Böschungen von tiefdunkler Farbe, von hohem dichtem Walde besetzt, der auch den Fuss der die Insel in ihrer vollen Länge durchschneidenden Gebirge bedeckt und bis zu drei Vierteln ihrer Höhe hinaufsteist. Darüber hinaus erblickt das Auge nur eine spärliche, kümmerliche, mit Strauchwerk und einem dürren braunen Kräuticht durchsetzte Vegetation. stellenweise sieht ınan auch bebaute Landflächen, auf denen Ignamen von vorzüglicher Güte, die Hauptnährquelle der Eingeborenen, im Überfluss wachsen. Die Wälder der Insel erzeugen eine grosse Menge verschiedener Baumpflanzen, darunter viele kostbare Bau- und Handelshölzer. Ausser Palmen, der afrikan. Eiche, dem Ebenholzbaum wächst hier die unter dem Namen lionumvitae bekannte gelbe Abart des Campecheholzes, diverse Arten des Akajouholzes u. a. Die ziemlich beträchtliche Bevölkerung von F. besteht ausschliesslich aus Eingeborenen; die europäischen Kolonisationsversuche blieben ohne dauernden Erfolg. Die Bevölkerung von F. scheint nicht zur Negerrasse zu gehören. Ihre Farbe ist mehr olivenfarben oder braun als schwarz und die Haare zeigen auch nicht die wollige Form des Negerhaars. Sie steht dagegen wahrscheinlich in Zusammenhang mit dem an der Nordküste des Guineagolfs bis hinunter zum Gabon reichenden, rötlichfarbenen Volke der Fan (s. d.); ihre Lage ist sehr kümmerlich; sie sind faul und beschäftigen sich mit Ackerbau gerade nur soviel, um für ihren täglichen Bedarf das Nötige zu haben. Sie sprechen, trotz des kleinen Raumes, auf dem sie in etwa 40 Ortschaften wohnen, mindestens drei von einander sehr abweichende Mundarten. Das lässt darauf schliessen, dass die Bevölkerung von F. sich aus mehreren Elementen zusammengesetzt hat. Ihr Name ist unbestimmt; man nennt sie bald Ediya, bald Bubi, bald Bubya. Der-letztere soll der gleiche sein wie der einem Volksstamme im Kamerunsgebirge, den Bimbia (Bimbya) gehörige. Die linguistischen Vergleiche, welche durch die Engländer Lathan und Trotter angestellt worden sind, haben eine Verwandtschaft zwischen den Ediya im nördl. Fernando Po, den Bimbya und den Dualla des Kamerunsgebirges nachgewiesen,

Afrika Hand-Lexikon. Ein Nachschlagebuch für JedermannVon Paul Heichen, Leipzig: Gressner & Schramm 1885 · Bd. 1, S. 414Scan: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen · gemeinfrei

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