FeedGoldküste (engl. Gold Coast)
ErdkundeAfrika Hand-Lexikon 1885

Goldküste (engl. Gold Coast), Teil der Guineaküste, zwischen der Zahn- oder Elfenbeinküste im Westen und der Sklavenküste (Dahome) im Osten. Die Goldküste begreift also ‘beinahe den zentralen Teil der Guineaküste, in einer ziemlich gleichen Entfernung von der Sierra Leone-Küste im Westen und der Biafra-Bucht im Osten. Die Grenzen, welche ihr im gewöhnlichen Brauch gegeben wurden, waren der Assini-Fluss im Westen, nach der Zahnküste zu, und der Volta-Fluss im Osten, nach der Sklavenküste und Dahome zu. Der Raum zwischen diesen beiden Flüssen beträgt ungefähr 500 km (die astronomischen Grenzen von Ost nach West sind 1040‘ bis 5040' westl. L. v. Par.). Aber seit der Errichtung der engl. „Kolonie an der Goldküste“* sind diese Grenzen beträchtlich verschoben worden. Durch das königl. Dekret vom 24. Juli 1884 umfasst das Guvernorat der Goldküste alle Territorien zwischen dem 5." westl. und dem 5.0 östl. L. v. Gr., also ausser der Goldküste im engern Sinn einen Teil der Zahnküste, die Sklavenküste und die Mündung des Lagosflusses. Dies Guvernorat ist zur Zeit noch in zwei Teile geschieden durch die Dahome-Küste, welche England bislang nicht besetzte; es bildet demnach die beiden Provinzen der Goldküste und der Lagosküste. 1) Die unmittelbaren Besitzungen der britischen Krone an der Goldküste im engern Sinne umfassen nur den schmalen Küstenstreifen (ausser dem Assini, welcher französisches Gebiet ist) und sind nach dem Innern hin durch eine Zone von Negerterritorien umschlossen, welche das britische Protektorat angenommen haben. Diese Zone hat im Norden den Prah-Fluss zur Grenze; derselbe scheidet sie vom Aschanti-Reich (einem der grossen Staaten Guineas, welcher alles ‘übrige Land des Innern beherrscht). Unter den kleineren Territorien sind die Reiche: Issini (oder Assini), Ahanta, Fanti, Akım, Akra, Akuapim, Adangme und Akuamü die bemerkenswertesten. 2) Der Teil der Sklavenküste, welcher die unter dem Namen „Lagosküste* bekannte Dependenz der „engl. Kolonie an der Goldküste* umfasst, hat die gleichnamige Küstenstadt Lagos zur Hauptstadt. Dieselbe liegt am westl. Ende der Insel Kuramo oder Awani (6°28' n. Br., 10636” östl. L.) nnd ist vom Festlande durch eine grosse Lagune, den Kradu-See, getrennt. Unfern von ihr mündet der Ogun oder Agun, der Fluss Yoruba’s. Sie zählt ziemlich 30000 Einw. (75270 mit dem von ihr abhängigen Gebiet). Der Name „Lagos“ ist portugiesischen Ursprungs und bedeutet soviel wie „Seeen*, Die Eingeborenen nennen “die Stadt „Eko“, was wahrscheinlich nur eine verderbte Form des portugiesischen Wortes ist. Die niedrige sumpfige Insel, auf welcher Lagos gelegen ist, misst etwa 5 km von Ost nach West und !/, kın von Süd nach Nord. Die Lagune, welche sie im Norden begrenzt, ist schiffbar und steht in gerader Verbindung mit Yoruba, von woher alle Bäche nach ihr den Lauf nehmen, sodass diese ganze reiche Gegend hierdurch für Lagos offen liest. Der Agun-Fluss, welcher sich in den Kradu-See ergiesst, ist schiffbar bis nach Abbeokuta. Der Lagos-Fluss selbst, welcher die Lagune mit dem Meere verbindet, ist sehr breit und nur 5—6 km lang. Er bildet den Hafen der Stadt und gewährt Schiffen bis zu 3 m 50 im Maximum Zutritt. Die den Eingang sperrende Barre ist nur während der Regenzeit gefährlich. Lagos steht ferner nach Westen durch die Ossa-Lagune mit dem französischen Gebiet von Porto Novo in Verbindung. Der Handel von Lagos ist beträchtlich: die Franzosen hatten vor der englischen Besitznahme hier sehr viel Boden, jetzt sind sie infolge des britischen Zolls zurückgegangen; dagegen hat der deutsche Handel hier günstige Entwickelung. erfahren. Während der letzten Jahre erreichte die Ausfuhr der G. den DBetrag von 13500000 Fres. im Jahr und der Schiffsverkehr dort betrug 200 —250 Schiffe (vergl. Lagos). Der Name, welchen dieser Küstenstrich Afrikas allgemein in Europa trägt, erklärt sich durch sich selbst. Er wurde ihr durch die Portugiesen im 16. Jahrh. gegeben infolge der grossen Menge von Goldstaub, welche dort gewonnen, bezw. verhandelt wurde. Dieser Zweig des Handels hat inzwischen bedeutendenRückgang erlitten, ist aber noch immer nicht unbedeutend. Das Land wird von einer grossen Anzahl von Wasserläufen bewässert. Die vier grössten derselben münden an der Gold-Küste selbst. Die beiden äussersten Grenzflüsse: der Assini (nach Westen) und der Volta (nach Osten) wurden bereits erwähnt; die beiden anderen sind die Ankobra (von den Portugiesen wegen ihres gekrümmten Laufes so genannt; heisst bei den Eingeborenen verschieden; am häufigsten wohl Tanda) und der Prah. In den letzteren mündet der Ofim, dessen Wasser wieder durch den aus der Gegend von Kumassie, der Aschanti-Hauptstadt, herströmenden Dah Zuwachs erhält. Der Assini und besonders der Volta sind be- ‚deutende Flüsse, die (besonders der Volta) zur Regenszeit eine ungeheure Wassermasse mit mächtiger Gewalt dem Meere zuführen. Des merkwürdigen Wechsels zwischen einem ruhigen und einem furchtbar tosenden Laufe wegen haben die Portugiesen ihm auch den Namen „Volta“ gegeben. Bei den Eingeborenen führt er verschiedene Namen. Er kommt, nach den Aussagen derselben, sehr weit aus dem Innern her und fliesst bei Salaga vorbei, von welchem wichtigen Handelsmarkt des westlichen Afrika wir erst durch den ‚französischen Reisenden Bonnat Kunde erhielten. Der Volta tritt regelmässig im Juli und August aus seinen Ufern; ist aber gleich allen Flüssen der Guineaküste an seiner Mündung durch Sandbänke und Felsen versperrt, ‚welche den Zugang für europäische ‚Fahrzeuge ungeheuer erschweren oder ganz unmöglich machen. Diese Behinderung der Einfahrt ist gewiss mehr noch als die Gefahren des Klimas und die Feindseligkeit der Eingeborenen Ursache der geringen Kenntnis, welche wir noch immer von dieser Gegend der afrikanischen Küste besitzen. Was wir vom Innerlande der Goldküste kennen, zeigt uns ein schönes, gutbewässertes und reichbewaldetes Land mit zahlreichen Ortschaften und einer dichten Bevölkerung, „Wenn man,“ berichtet der französische Schiffskapitäin Aube, „von den in diesen Gewässern herrschenden Südwestbrisen getrieben, in Entfernung von ein paar Meilen an der weiten Küstenstrecke entlang fährt, welche die südliche Grenze der Goldküste bildet, so ist man von ihrem zugleich düstern und bedrohlichen Anblicke betroffen. Zuerst wehrt eine unüberschreitbare Linie von brandenden Wogen jedem europäischen Fahrzeug die Annäherung an das Ufer und gestattet den Verkehr mit dem Festlande nur an einigen seltenen bevorzugten Stellen. Aber auch an diesen Punkten, die übrigens auf grosse Entfernungen verteilt sind, bleibt dieser Verkehr noch immer höchst gefahrvoll. Die Barren von Gross-Bassam, Akrah, Weidah (Ouidah) und besonders die von Lagos waren nur allzu oft der Schauplatz unheimlicher Dramen, in welchen die an den Barren brandenden Wogen eine mörderische Rolle spielten. Hinter dem sandigen, sonnenverbrannten, glühende Hitze atmenden Gestade, das fast überall von einem Gürtel aus niederm Strauchwerk und Manglebäumen umsäumt ist, erstreckt sich die Ebene, soweit das Auge reichen kann, niedrig und flach, einförmig, ohne bemerkenswerte Terrain - Abstufungen, aber in allen Richtungen durch ein unentwirrbares Netz von Kanälen durchzogen, deren sumpfiges, stagnierendes Wasser nicht selten zu Lagunen sich ausbreitet und einen beständigen Herd für Fieberausdünstungen und Miasmen darstellt. Vom Volta bis zu den ersten Armen des Nigerdelta laufen diese Kanäle parallel, mit der Küste, entsenden jedoch stellenweise mehr oder weniger ausgedehnte Seitenarme nach dem Innern. Nur für die Pirogen der Eingeborenen schifibar, bieten sie eine Art natürlicher Kommunikation mit den Landbereichen des Littorales, übrigens die einzige, welche dieselben wieder unter sich in Verbindung setzt; überall sonst bedecken Dschungeln und undurchdringlicher Wald den Boden, und in der Regenzeit werden die mühsam geebneten Pfade, die von der Küste nach den Dorfschaften im höher gelegenen Lande führen, binnen wenigen Tagen hilft. kein einziger Fluss der Unzulänglichkeit dieser Wasserpfade ab; sogar der Volta, dessen unbekannte Quellen in einem der Bollwerke des Kong-Gebirges verborgen zu liegen scheinen und der durch die angenommene Grösse seines Beckens naturgemäss die grosse Handels-Ader dieser Gegenden ist, wird an seiner Mündung durch Sandbänke gespernt, die sich unaufhörlich vorschieben, die man mithin vor jedem Versuch einer Einfahrt erst auskundschaften muss und die nur Schiffen von geringerem als zehn Fuss Tiefgang den Zugang gestatten. Was die beiden, in politischer Hinsicht so wichtigen Flüsse Prah und Schamah ale, so scheinen dieselben als Handelsstrassen nach dem Innern nur eine untergeordnete Bedeutung zu besitzen.“ Die Küste selbst, vom Assini bis zum Volta, ist mit Negerdörfern bedeckt, von denen mehrere als Städte gelten dürften, wenn man nur auf die Menge ihrer Einwohnerschaft Rücksicht zu nehmen hätte. Dank ihrem langen Verkehr mit Europäern, haben die Eingeborenen ein Teilchen der ihnen angeborenen barbarischen Wildheit abgestreift. In Wirklichkeit sind auch hier, in der Mitte sowohl wie in der Nähe dieser Negerortschaften, angelockt durch den Gold-, Elfenbein-, Sklaven- und Palmölhandel, seit dem fünfzehnten Jahrhunderte zahlreiche europäische Niederlassungen errichtet worden. Es giebt zwei Regenzeiten in diesen Gegenden. Die „kleine“ Regenzeit beginnt Ende Oktober mit starkem Nordostwinde, währt den November hindurch bis in die ersten Tage des Dezembers. Die Feuchtigkeit ist dann zur Nachtzeit sehr stark; die Brisen aus Nordost und vom Lande treten mit Heftigkeit und zahlreich auf. Das ist die Zeit der Fieber, Im Dezember und Januar steigt die Temperatur merklich. Im Februar und März werden die Breitenwinde regelmässiger, die immer hohe Temperatur zeigt}30° und 32% im Schatten und steigt bis zu 66° in der Sonne. Die Vegetation verdorrt und die feuchten Niederschläge der Nacht setzen vollständig aus. Die schöne Zeit währt bis um Mitte März. Von da ab wird die Witterung stürmisch, die Nordostwinde pfeifen in das Innere und verkünden die „Zeit der grossen Regen,* welche am Gestade im März beginnt und bis gegen Ende Juni dauert. Während dieser Zeit wüten die Tornados am heftigsten, der Regen fällt sündflutartig, besonders im Mai und im Anfang Juni. Im Juli - wird der Regen schwächer und seltener, die Temperatur sinkt bis auf 250% Diese Jahreszeit währt bis zum Oktober. Der „Harmattan® genannte Landwind, aus Nordost wehend, herrscht hier in der Mitte des Dezembers und während des ganzen Januars; bisweilen weht er bis in den Februar hinein, aber in der ganzen übrigen Zeit des Jahres tritt er nicht mehr auf. Seine Wirkung ist eine ausserordentliche Dürre, welche die Pflanzenwelt vernichtet; in seinem Gefolge ‘befinden sich undurchdringliche, das Atmen erschwerende Staubwolken. Der Name „Harmattan* bedeutet, wie man sagt, in der, Fantisprache soviel wie „Schmier-Wind,“ weil die Schwarzen, um sich vor seinen bösen Wirkungen zu schützen, die Haut mit Öl oder geschmolzener Butter einschmieren. An der Goldküste wachsen Palmen jeder Gattung, Goyaven-Bäume, Tamarinden, Manglebäume, Affenbrotbäume, kurz alle auch in Senegambien schon angetroffenen Baumarten. Auch die gleichen Gemüse- und Wurzel-Arten sind bier vorhanden. Obst, Pflaumen, Birnen, Orangen, Zitronen und Kokosnüsse sind hier im Bananen, Ananas und Wassermelonen. Der Kormantin-Apfel erhält seinen Namen nach der Goldküste, weiler hier sehr häufig ist; er hat die Grösse einer Nuss in ihrer Schale; sein Fleisch ist gelb und streift ein wenig ins rötlich. Auch der Manioc und die Igname werden mit Erfolg hier angebaut. Der Reis wird im Februar und im März gesät; geerntet wird im Juli und August die Igname, der Reis im Oktober. Die Erdnuss ist dasjenige Erzeugnis, welches fast allen Handel des Landes unterhält. Die Frucht hat die Grösse einer Nuss und ist im Zustande der Reifheit mit einer gelben Pulpa bedeckt, aus der man ein Pflanzenfett auspresst, welches im Handel den Namen Palmöl führt. Seit etwa dreissig Jahren erst haben die Schwarzen des Littorales angefangen, sich mit der Gewinnung dieses Öls im grössern Massstabe abzugeben. Früher bedienten sie sich desselben nur zu ihrem eigenen Gebrauch, heute aber beschäftigt die Gewinnung des Palmöls vom Gambia bis zu den britischen Besitzungen im Süden einen grossen Teil der Bevölkerung. In den die Küstengewässer umsäumenden Wäldern wachsen Farbhölzer, der Sandal-, Tek-, Gonakierbaum etc. Die Baumwolle, welche die Neger jedoch in keiner ‚Weise verarbeiten, wächst hier in Mengen. Auch der Indigobaum wird angetroffen. Mit der Einfuhr europäischer Haustiere hat man wenig Glück an der Goldküste gehabt. Am besten sollen noch die Ziege und der Esel gediehen sein. Wie alle Tropengebiete, ist auch die G, reich an wilden Tieren: Elefant, Löwe, Leopard, Schakal, Wildkatze sind sehr häufig hier; die Arten der Affen sind unzählbar, unter ihnen ist besonders der Schimpanse zu bemerken. Verschiedene Antilopen-Arten sind in starken Rudeln hier heimisch; Ratten und Fledermäuse sind eine sehr lästige Bewohnerschaft des ganzen Landstriehs; Walfische (der „Grampus“) sind in den Küsten- Wässern der G. sehr gemein. Die drei grossen Negerrassen, welche sich im Gelände der G. ausbreiten, sind: a) die Ahantaim Westen, zwischen dem Oberlauf der Ankobra und dem Oberlauf des Prah; b) die Fantis zwischen dem Unterlauf des Prah und des Volta; c) die Aschantis, mehr nach. dem Innern hinein, zwischen dem Oberlauf des Prah und des Volta. Diese drei Hauptvölker zerfallen aber in eine unendliche Anzahl von Teil- und. Unterstämmen, die, ihres gemeinsamen Ursprungs uneingedenk, in einem Zustande ewiger Befehdung liegen. Diese Negervölker der G. zeigen im allgemeinen das nämliche Äussere, wie die Negervölker in anderen Teilen des obern Guinea bis zu den Grenzen von Senegambien hinauf. Sie sind durchschnittlich von mittlerer Grösse, undin ihrer Gestalt gut proportioniert; das Gesicht ist oval, die Augen blitzen, die Ohren sind klein, die Wimpern dicht. DerMundist nichtzubreit, die Zähne sind weiss und stehen in guter Ordnung, die Lippen sind frischrot, ohne so wulstig zu sein wie diejenigen der Angola-Neger. Ihre Nase ist weniger platt als diejenige der Neger anderer Gegenden Afrikas. Ihr Bartwuchs ist vor dem 30. Jahre schwach; über dieses Alter hinaus wird er diehtundauch verhältnismässig lang. In moralischer Hinsicht stehen sie teilweise über den anderen Negern. Man rühmt ihnen eine scharfe Auffassungsgabe und ein gutes Gedächtnis nach. Dagegen sind sie faul und indolent, habgierig (ohne dass dagegen ein Verlust sie betrübt), betrügerisch, heuchlerisch, streitsüchtig und eitel. Die Frauen sind von der Grösse der Männer, wohl gestaltet und zur Korpulenz geneist. Der Handel der G. bewegt sich in Goldstaub, einer beschränkten Menge von Elfenbein (sehr gut in der Qualität) und grossen Massen von Palmöl (800—350 Fres. pro Platztonne). Der Goldstaub von den an der befindlichen Niederlassungen ist der reinste von der ganzen Westküste Afrikas; eine Unze wertet 45 Fres. Die geeignetsten Tauschwaren sind: Tabak, Branntwein, Baumwollstoffe und Baumwolltücher, Glaswaren, Korallenschnuren. Die ersten Europäer, welche bis zur G. vordrangen, waren französische Schiffer aus Dieppe, in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts; im Jahre 1565 schon sollen durch sie die Niederlassungen Klein-Dieppe und Klein-Paris an der Malaguetta-Küste, der Posten Mina an der Goldküste gegründet worden sei. Diese in der Folge vernachlässigten und hundert Jahre später 1484 ganz aufgegebenen Plätze wurden 1499 durch die Portugiesen neu besetzt. Diese verblieben dort ziemlich wieder hundert Jahre ohne europäische Wettbewerbung. Erst gegen Ende des 16. Jahrh. (1595) erschienen die Niederländer an der @. dieselben erbauten 1624 dort dort ihr ‚erstes Fort (Muri, 3 Stunden von Cape-Coast) und verjagten ein paar Jahre später während eines Seekrieges die Portugiesen aus Elmina und ihren anderen Posten (1634—43). Die Niederländer ihrerseits mussten gemäss dem Friedensschluss von Breda (1672) das Fort, welches jetzt den Namen Cape-Coast-Castle führt, an die Engländer abtreten. Derselbe ist bis 1874 der Hauptort der englischen Besitzungen an der Goldküste geblieben. Die Engländer hatten seit 1662 einen Hafen in Akra oder Acera im Besitz, welches jetzt der Hauptort der jungen Kolonie geworden ist, Die Franzosen, welche unter Villault de Bellefond 1666 eine wichtige Fahrt nach der G. unternommen hatten, errichteten 1700 durch die „Compagnie d’Afrique“ in Assini eine Niederlassung, bald darauf eine zweite in Ouidah (Weida) östlich vom Volta. Assini gaben sie 1707 auf, besetzten es aber 1742 wieder. Die Niederlassung in Ouidah hielt sich bis 1797, das Fort besteht noch und dient jetzt einem grossen Marseiller Hause als Faktorei. Die Dänen hatten ebenfalls mehrere Niederlassungen (Christiansborg, Friedensborg, Ningpo) an der @. errichtet (zu ihnen gehört auch die brandenburgische Kolonie Gross-Friedrichsburg); sie traten dieselben 1851 käuflich an England ab (Gross-Friedrichsburg war bereits im vor. Jahrh. an die Niederländer verkauft worden). Neuerer Zeit haben die Engliänder in dem richtigen Verständnis für die grosse Zukunft, welche dem Handel der G. gehört, alle Anstrengungen gemacht, die alleinige Herrschaft an derselben auszuüben. Nach langen Verhandlungen haben die Niederländer, welche die wichtiesten Punkte der G. inne hatten, dieselben an die Engländer abgetreten und zwar im Februar 1871 (die Besitznahme von den Forts Elmina, Axim, Dixcove sowie der Punkte Schama und Bautry erfolgte erst im April 1872). Durch diese Abtretungen wurde eine allgemeine Unzufriedenheit an der G. wachgerufen, die 1873 zu dem Kriege der Engländer mit den Aschantis führte. Derselbe erhielt seinen Abschluss durch die Einnahme und Verbrennung Kumassies, der Hauptstadt des Aschanti-Reichs. Die Engländer wurden durch diesen Krieg nicht. allein die Herren über die Küstengebiete, sondern auch über das Innerland bis zum linken Ufer des obern Prah. 1874 wurden alle englischen Besitzungen an den Küsten Guimeas zu einer einzigen Kolonie vereinigt. „Wir erklären,“ heisst es in der königlich britischen Charta, „dass die neue Kolonie »Goldküste«, zuzüglich der Niederlassung in Lagos, alle Orte, Niederlassungen und Territorien des westlichen Afrika für Cape-Coast vom 5. w. L. v. Gr. bis zum 2.° östl. L., und für Lagos vom 9. bis zum 2.° östl. L.) für jetzt, und solange bis durch uns oder unsere Nachfolger nicht anders verfügt werden wird, umfassen soll, welche uns gehören, bezw. gehören werden.“ Das nämliche Schriftstück ordnet die innere Bildung und Verwaltung der Kolonie; dieselbe wird durch einen von der Königin besonders ernannten Gouverneur geleitet, welchem ein legislativer Rat in Cape-Coast und ein ebensolcher in Lagos zur Seite steht. Die Königin behält sich das suspensive Veto vor; im übrigen sind Gouverneur und legislativer Rat autorisiert, Verordnungen und Gesetze zu erlassen, die aber niemals mit den in Grossbritannien bestehenden in Widerspruch treten dürfen. Die engl. Kolonie der G. ist im die folgenden Distrikte geteilt: Apollonia, Axim, Dixcove, Bautry, Secondi, Schama, Elmina, Cape-Coast, Cormantin, Accra, Friedensberg, Adda; zu ihnen tritt noch der Posten Fort William an der Küste von Dahome, und die Provinz Lagos. Diese Besitzungen stellen insgesamt ein Territorium dar von nahezu 45000 qkm und einer Bevölkerung von 580000 Seelen. Frankreich besitzt an der Gold- oder (in diesem Falle richtiger) Guineaküste, die beiden kleinen Niederlassungen: Assinie (an der Goldküste) und Grand-Bassam (an der Zahnküste). Über die Besitzungen, welche Deutschland in Weida und Lagos besitzt, sehe man den Artikel „Sklavenküste*.

Afrika Hand-Lexikon. Ein Nachschlagebuch für JedermannVon Paul Heichen, Leipzig: Gressner & Schramm 1885 · Bd. 2, S. 487Scan: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen · gemeinfrei

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