FeedGorilla
TierreichAfrika Hand-Lexikon 1885
Junger Gorilla.
Junger Gorilla.

Gorilla, afrikanische Affen-Art aus der Orang-Utang-Gattung; 1547 durch den protestantischen Missionär Savage entdeckt, aber besonders durch Du Chaillu’s Berichte seit der Mitte der fünfziger Jahre bekannt geworden und seitdem oft (durch St. Hilaire, Owen, Wyman, Duvernoy, Koppenfels, Hartmann etc., (dessen Arbeiten | Leipz. 1884] über den G. die lange zu den dunklen !Punkten Afrikas gehörende Gorilla- Frage abgethan haben), beschrieben. Er lebt hauptsächlich an der westlichen Küste des tropischen Afrika (im Gabon- und Ogowe-Gebiet, an der Loangoküste etc.) und zwar setzt man die Grenzen seiner Verbreitung vom 1.° n. Br. bis zum 6. südl. Br. Am fleissigsten wurde der G. (ausser von Du Chaillu) von dem deutschen Nimrod Hugo von Koppenfels (f 28. Jan. 1884 zu Berlin) gejagt, der 1873—76 am Muni-Fluss, N Balingi und Tampuni sich aufhielt. Nach dieses Jägers Schilderung ist die gesamte Muskulatur des überaus massigen Körpers bis auf die allen Affen fehlenden Waden zur Unförmlichkeit ausgebildet. Seine zwar unbeholfen erscheinende, in der That aber grosse Gewandtheit mit im Anschlag gezogen, meint Koppenfels, dass en G. es mit einem starken Bären gut aufnehmen könne Ein erwachsenes Tier soll 200 Kilo wiegen, seine Länge 1,90 m, seine Breite 1 m betragen. Seine Nahrung besteht aus Vegetation; indessen schliesst man daraus, dass gefangene Tiere eine besondere Vorliebe für animalische Kost zeigen, wohl nicht mit Unrecht darauf, dass der@. auch in der Wildnis Fleisch und Eier nicht verschmäht. Der G. lebt bis auf die alten hypochondrischen Männchen im engern Familienkreise und treibt sich des grossen Verbrauchs an Nahrung wegen nomadisierend herum, indem er da nächtigt, wo er sich kurz vor der Dunkelheit gerade befindet. Er baut also jeden Abend ein neues Nest und errichtet dies auf gesunden, schlankgewachsenen, nicht viel über 0,350 m starken Bäumen in einer Höhe von 5—6 m. Dasselbe ist storchartig in der ersten Abzweigung stärkerer Äste aus grünen Reisern angelest. Die Jungen und, wenn dieselben noch der Wärme bedürfen, auch die Mutter pflegt darauf der nächtlichen Ruhe, wogegen der Vater zusammengekauert am Fusse desStamnes, mit dem Rücken daran gelehnt, die N.cht verbringt und so die Seinigen vor dem Überfall des Leoparden schützt. Sofern er unbehelligt bleibt, greift der @. den Menschen nicht an, vermeidet vielmehr dessen Begegnung. Wird er jedoch überrascht, so richtet er sich auf, stösst aus tiefer Brust ein nicht wiederzugebendes kurz gebrochenes, bald rollendes, bald grunzendes Gebrüll aus und bearbeitet mit seinen Riesenfäusten die gigantischeBrust, wobeiunterZähnefletschen und einem unsäglich boshaften Ausdrucke des Gesichts sich seine Haare auf Kopf und Nacken vibrierend sträuben. Nach Europa sind Gorillas mehrfach gebracht worden: der erste durch Du Chaillu 1857; im Januar 1883 brachte Pechu&l-Loesche vom Kuilu ein lebenskräftiges Tiernach dem Berliner Aquarium.

Afrika Hand-Lexikon. Ein Nachschlagebuch für JedermannVon Paul Heichen, Leipzig: Gressner & Schramm 1885 · Bd. 2, S. 500Scan: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen · gemeinfrei

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