FeedGorilla
TierreichBrockhaus 1882

Gorilla (Troglodytes gorilla) heißt die größte und furchtbarste Art der menschenähnlichen Affen, die wahrscheinlich schon dem karthaginens. Admiral Hanno bekannt war, aber erst 1847 von dem Missionar Savage in den Wäldern am Gabunflusse wieder entdeckt wurde. Das erwachsene Männchen erreicht die volle Höhe eines Mannes, ist aber ungleich breiter in den Schultern (bis Im), und namentlich sind seine Arme ungemein kräftig und muskulös. Der männliche G. ist mit seinem kammartig gewölbten Nacken, der sich in einem hohen Rist auf dem Schädel fortsetzt, den von hohen Knochenbogen umgebenen Augen, der platten, in der Mitte mit einer tiefen Längsfurche versehenen Nase und der vorspringenden Schnauze, aus welcher ein furchtbares Gebiß mit scharfen Eckzähnen hervorfletscht, den gewaltigen, mit dicken Daumen versehenen Händen und der schwarzen Behaarung, die auf dem Nacken fast zu einer sträubenden Mähne sich verlängert, eins der scheußlichsten Geschöpfe, das man sich vorstellen kann. Dem Weibchen fehlen der Scheitelkamm und die vorspringenden Eckzähne; die Schnauze steht weniger vor, die Knochenringe der Augen treten zurück, es sieht außerordentlich menschenähnlich aus. Der G. lebt in den dichten Wäldern seiner Heimat in Familien, aus Männchen, Weibchen und ein bis zwei Jungen bestehend, nährt sich von Früchten, Eiern und jungen ögeln und gilt den Eingeborenen als der furchtbarste Gegner. Er klettert zwar auf Bäume, auf denen er auch in einer Art von aus Zweigen gebildetem Neste schläft, geht aber meist an der Erde, und zwar auf allen Vieren, selten aufrecht. Er wehrt sich mit Händen und n Die genauere, durch Owen, Duvernoy, Huxley und andere Anatomen angestellte Unterfuchung hat nachgewiesen, daß der G. durch den Bau seiner Gliedmaßen, besonders in Hände und Füße, sowie des Beckens der menschenähnlichste Affe ist, während der Orang durch den Bau des 11 der Schimpanse durch denjenigen des Schädels und der Zähne dem Menschen näher steht. Die unterscheidenden Merkmale an Ohren, Länge der Arme, Ausbildung der Hände u. s. w., welche man früher für unbedingt sicher hielt, unterliegen indessen vielfachen Schwankungen. In neuester Zeit ist ein junger weiblicher G. nach Europa gebracht worden, wo er im berliner Aquarium Aufnahme fand, aber nach einiger Zeit an Darmkatarrh starb. Alle Berichte stimmen darin überein, daß die jungen G. in ihrem Wesen, ja selbst in Außern sehr menschenähnlich, aber weit ernsthafter seien als die jungen ausgelassenen Schimpansen. Die im dresdener zoolog. Garten 1875 gestorbene Mafuka, welche man für einen Bastard von G. und Schimpanse hielt, war nach J. B. Meyer ein echter Schimpanse. (S. Tafel: Affen der Alten Welt 1, Fig. 7.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 202Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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