Kano, Stadt im Kaiserreich Sokoto (zentraler Sudan), etwa 500 km südwestlich von Kuka, 475 km südöstlich von Sokoto, 650 km nordöstlich von Lokoja (nach Barths Itinerar); in 10059' n. Br. und 8042' östl. L. v. Gr. (nach Clapperton); ihre Bevölkerung schätzte Barth auf mindestens 30040 Seelen (Clapperton bedeutend höher), Kano behauptet nicht allein die erste Stelle im Sudan bezüglich der Industrie, sondern besitzt ausserdem das Handelsmonopol in diesem ganzen Striche Zentralafrikas. Nach den von Barth eingezogenen Erkundigungen scheint es, als ob K. in der zweiten Hälfte des 16. Jahrh. noch nicht existierte und an seiner Stelle nur der Dala-Felsen sich befand, eine Art natürlicher Festung, die den Anstrengungen Edris Alorma’s, des Königs von Bornu, Widerstand leistete. Später verjagte der König von Kororofa (einer am rechten Ufer des Benuö gelegenen Landschaft) aus Kano den ersten Gouverneur, welchen der König von Bornu dorthin gesetzt hatte, und ersetzte ihn durch seinen eignen Leutnant. Diese Lage scheint bis zur Eroberung des Landes durch die Fulah angedäuert zu haber. Durch die Fulah erhielt der Islamismus Boden unter den Kanaua, Die Eroberung Haussa’s durch die Fulah wurde für die Stadt Kano vorzugsweise von der höchsten Wichtigkeit. Nach dem Falle von Katsena wanderten alle grossen Kaufleute nach Kano aus, welches auf diese Weise das grosse Handelszentrum für die nördlich vom Äquator gelegeneu zentralen Länder Nigritiens wurde. Die jetzige Stadt ist mit einer Mauer umgeben, deren Umkreis nicht weniger als 30 km beträgt und ein merkwürdiges, sehr gut unterhaltenes Bauwerk darstellt. Der ungeheure Raum, welchen diese Mauer einschliesst, scheint zweifellos niemals ganz von Häusern, bezw. Hütten bestanden gewesen zu sein. Zur Zeit besteht der bewohnte Teil nur aus demsüdwestlichen TeilderUmwallung, zwischen dieser und dem Dala-Felsen. An dieser Stelle stösst die Mauer an die Häuser, während sie überall anderswo durch grosse Felder von denselben geschieden ist. Im Norden und Westen kann die Entfernung ungefähr eine Meile betragen, während sie im Osten weniger bedeutend ist. Die Stadt wird von Osten nach Westen durch den Djakara-Sumpf in zwei Hälften geschieden, deren grössere die südliche ist. Die nördliche wird durch die von den Haussa unterjocht» Rasse bewohnt, während die andere die Araber und die Leute vom herrschenden Stamme der Fulah (deren Zahl unaufhörlieh wächst) beherbergt. Wenn man Kano das London des zentralen Sudan nennt, kann der die Stadt scheidende Djakara nicht mit Unrecht der'Themse verglichen werden, obgleich er nur eine stagnierende Wassermasse bildet. Die ganze Stadt ist höchst schmutzig und wird für der ungesundesten Örtlichkei Die Lehmhütten und Leh in architektonischer Hinsicht Agades und Timbuktu weit Gleichwie in allen grossen - ten eine stehen im ganzen Kano bunt durchten sein. einander, doch überwiegen die ersteren ımhäuser im südlichen Stadtviertel. Kano bleibt, Strasse am Kongo. t, hinter zentralen, ist die Bevölkerung auch zurück in K. sehr gemischt. Die Hauptbe-Handels- standteile bilden die Haussas, die Kadie Fulah und die Nyffaw: 'Tagwa; es befinden sich hi sehr wenige Wangarawa, w die Araber in einer ziemlichen vorhanden sind; ihr Handel u Industrie tragen in einem sehr Masse zum Wohlstande der St: Die Bewegung der Fremden ı Die Handelsbeziehungen de: erstrecken sich nordwärts b Mursuk, Rhat und sogar Tri Westen nicht allein bis Ti sondern bis an das Gestade lantischen Ozeans; im Ost schliessen sie ganz Bornu I Baghirmi, obgleich sie in dieser Ländern gegen die einheimisc kurrenz anzukämpfen haben. V diese grosse Ausdehnung des. Bornu), nomadischen oder zeitweiligen Eina oder wohner ist eine sehr beträchtliche. jer nur K. ist die erste Handels- sowohl vährend als Industrie-Stadt des zentralen Suı Stärke dan nördlich vom Äquator. Der ınd ihre grosse Vorteil K,s beruht in dem Umgrossen stande, dass Handel und Industrie adt bei. hier Hand in Hand gehen und fast und der jeder Familie Beschäftigung geben. ‚borene von Vivi (Kongo). r Stadt einer Stadt des zentralen Afrika mit is nach Recht unsere Verwunderung wachzupoli; im rufen vermag, bietet ihre Ausdehnung mbuktu, nach Westen bis Timbuktu ein um des At- so grösseres geschichtliches Interesse, en um- als dieser Umstand vor Barths Reise bis nach vollständig unbekannt war, Alle n beiden schönenKleiderstoffe, welche in dieser she Kon- letztgenannten Stadt getragen werden, Während kommen aus Kano, Den Preis, wel-Handels chen Kano’scheKattunstoffehierhaben, wird Hinlänglich durch den bedeutenden Umweg erklärt, welchen man diese Waren machen lassen muss, um sie vor den Gefahren zu bewahren, welche die die beiden Städte scheidende direkte Strasse bietet. Dieser Umweg besteht darin, dass die Waren zuerst nach Norden, durch Rhat, Ghadames, Tuat, geführt werden und dass sie erst von dort wieder südwärts über Arauan nach Timbuktu gelangen. Dieser Handel ist im höchsten Grade bedeutend, insofern als er die noch unerforschten Gebiete Zentralafrikas und Länder, in welchen ehemals reiche und mächtige Staatswesen bestanden, d.h. dieim obern Gebiete des Niger gelegenen Länder, miteinander in Beziehung setzt. Ausser gewebten und gefärbten Zeugstoffen besitzt Kano noch einen ziemlich beträchtlichen Handel mit Hemden oder schwarzen, in Nupe erzeugten Gewändern. Ein weiteres wichtiges Erzeugnis der heimischen Industrie K.s stellen die Sandalen dar, welche hier mit sehr grossem Geschick gefertigt werden. Grosse Quantitäten dieser Fussbekleidung werden durch die arabischen Handwerker Kano’s nach dem Norden Afrika’s ausgeführt. Die Zubereitung der Häute (Leder) ist ein weiterer Zweig der industriellen Thätigkeit Kano’s; wirklich gegerbte Ochsenhäute (koulabou), sowie Hammelfelle, die mittels des aus den Stengeln des Sorgho gezogenen Saftes rotgefärbt werden, kommen bis nach Tripoli hinauf. Es bestehen noch viele andere Gewerbszweige in K.: die Fabrikation kleiner Schachteln und Beutel aus Leder oder Dattelkernen ete. Die Kurz- und Stahlwaren-Fabrikation steht auf einer ziemlich hohen Stufe; Lanzen, Dolche, Messer, Pflugwerkzeuge etc. werden in Menge erzeugt. Das Eisen K.s kommt demjenigen anderer Teile Zentralafrika’s bei weitem nicht gleich. Auch Kupfer und Silber werden hier verarbeitet; die Schmiede erzeugen aus dem letzteren Metall mit ziemlichem Geschick Ringe und Spangen für Arme und Beine, Von Naturprodukten bilden der Buchweizen und die Gurunuss Grossoartikel des Handels. Der Buchweizen wird gegen das von den Tuareg eingeführte Salz umgetauscht. Die Guru-. nuss (Frucht von Stereulia acuminata) nimmt ihren Weg weit nach der Küste hin. Die Zahl der in K. verhandelten Sklaven beträgt etwa 5000; sie werden zumeist nach Bornu, andere nach Rhat und Fessan verführt. Eine gewisse Anzahl verbleibt auch im Lande selbst. Wiihrend K. nur einen Teil der eingeführten Gurunüsse wieder zur Ausfuhr bringt, passieren ganz bedeutende Natronmengen von Bornu durch Kano nach Nupe; man darf dieselben auf mindestens 20 000 Ochsen-, Esel- oder Lastpferde-Lasten schätzen. Nur sehr wenig davon bleibt in Kano selbst. Ein anderer Ausfuhrartikel, aber von weit geringerer Bedeutung, ist Elfenbein, von welchem nicht mehr als höchstens hundert Kamelladungen von hier aus verführt werden. Die Einfuhr von Waren nach Kano erfolgt teilweise aus anderen Gegenden Afrika’s, teilweise aus Europa. Hauptartikel aus den ersteren ist das Salz von Air. Auch arabische Kleiderstoffe (Burnusse, Kaftane, Beinkleider, Jacken) werden hierher gebracht; die geschätztesten Artikel dieser letztern Kategorie kommen aus Tunis, ingrösserer Zahlauch ausKairo; vornehmlich die bei den Negern und den Tuaregs so sehr beliebten weiss- und rotberänderten Kopfbedeckungen. Gleicherweise wird Weihrauch (besonders Oliban und Djawe), Gewürz und Rosenöl nach K. gebracht. Ein Artikel, welcher die durch grosse Räume geschiedenen Länder Afrika’s miteinander in Beziehung erhält, ist das Kupfer. Man nimmt viel ‚Altkupfer aus Tripoli, aber die grössten Vorräte dieses wichtigen Metalls werden durch die Djellaba von Nimro (in Wadai) zur Stelle geschafft, welche die im Süden Darfurs (El-Hofra) befindlichen Minen ausbeuten. Was die Edelmetalle betrifft, so führen einige nomadische Händler etwas Silber in das Land ein. Gold kommt nur von Zeit zu Zeit in kleinen Mengen hierher durch die von Timbuktu aus Kano durchziehenden Pilsrime Die kursierende Münze, die „Kourdi* (Oyprea moneta) bildet selbst einen Handels- und Einfuhrartikel an diesem Platze. Sie kommen von den östlichen Küsten des Kontinents nach Badagry, von wo aus sie nach dem Innern geschafft werden; sie haben schon in sehr früher Zeit von Haussa aus ihren Weg nach Bornu genommen. Die wichtigsten der aus Europa nach Kano den Weg findenden Waren sind weisse und bedruckte Kattunstoffe aus Manchester, französische Seidenzeuge; rote Leinwand aus Sachsen und aus Livorno, ungeheure Quantitäten ordinäre Seide und grobe rote Feze (ebenfalls aus Livorno), Glasperlen aus Venedig, ordinäres Papier, Spiegel, Nadeln und Kurzwaren aus Nürnberg; Dolel:klingen aus Solingen, Rasiermesser aus Steiermark und endlich Zucker aus Marseille. Fast sämtliche französische Seidenwaren werden wiederum nach Yoruba und Gudja ausgeführt. Die Provinz Kano enthält in den einen grossen Teil des Landes ausmachenden fruchtbaren Distrikten eine sehr grosse Zahl von wichtigen, stark bevölkerten Ortschaften: ausser der Hauptstadt nicht weniger als 27 ummauerte Städte, unter denen sich auch das durch seine Färbereien berühmte Kura befindet. Die Bevölkerung beziffert sich nach Barth auf etwa 300000 Freie und mindestens ebensoviele Sklaven. Der Gouverneur kann eine bewaffnete Macht von 700 berittenen und 20000 Fusssoldaten aufbieten. Der Boden ist einer der fruchtbarsten auf dem ganzen Erdboden; er hat die üppigsten Weiden und erzeugt Getreide im „Überfluss. Seines Reichtums halber ist K. sehr. oft bedrängt von den Nomaden- und sesshaften Völkern seiner Nachbarschaft.