Junker, Wilhelm, Dr., zu Moskau 1540 von deutschen Eltern geboren, verbrachte seine ersten Jugendjahre in Göttingen, besuchte dann das deutsche Gymnasium in Petersburg und studierte in Göttingen, Berlin und Prag (Naturwissenschaften, Medizin, Zoologie). Nachdem er zuerst Island und darauf 1873 und 19574 Tunrisien und Algerien in verschiedenen Richtungen bereist hatte, fasste er, durch den Besuch des Pariser Geographen - Kongresses 1875 angeregt, den Entschluss, in Afrika grössere Forschungsreisen zu unternehmen. Nach einer vorbereitenden Wanderung von Alexandrien durch das Natronthal in der nordöstlichen Libyschen Wüste nach Fajum im November bis Dezember 1875, begab er sich, immer auf eigene Kosten reisend, im März 1876 über Djedda und Suakim nach dem Chor Baraka und in die angrenzenden Gebiete der Beni- Amer und Hadendoa mit der Absicht, von dort aus nach Darforsich zuwenden. Diesen Plan gab er aber auf, als er über Kassala nach Chartum kam und nach einer Fahrt auf dem Blauen Nil bis Sennar und auf dem Sobat bis Nasr, von Gordon Pascha zu einer Bereisung der ägyptischen Äquatorialprovinzen veranlasst wurde. Ende Oktober 1876 verliess er Chartum und begab sich zunächst anf dem Weissen Nil nach Lado und durch das Gebiet der Bari und Miambara nach dem Lande der Makaraka, wo er in der Elfenbein- und Sklavenstation Kabajendi (4 28° nördl. Br. und 300 15‘ östl. L. v. Gr.) vom Februar 1877 bis März 1878 sein Standquartier nahm. Von hier aus durchforschte er in drei grösseren Reisen gegen Norden und Westen das Gebiet der Flüsse Rohl, Djau, Tondj und Djur bis. 71/50 nördl. Br. und 270 östl. L. und drang gegen Süden im Flussgebiet des Uälle nach dem Kalikoland bis gegen 2° 40' nördl. Br. und 31" östl. L. vor. Ende März 1878 trat J. seine Rückreise von Kabajendi nach Lado und Chartum an und gelangte durch die Bajudasteppe nach Dongola und Wadi Halfa und drang auf dem Nil nach Kairo. Nach einjährigem Aufenthalt in Europa unternahm J. Ende Januar 1880 von Kairo aus seinen letzten Forschungszug, auf dem er bis jetzt verschollen ist. Er traf im März 1-80 mit dem Damplier an der Meschera-el-Rek ein und durchzog Dar-Fertit in südwestlicher Richtung bis Dem-Bekir, der von Schweinfurth besuchten Seriba. Von hier aus drang er in Begleitung von Bohndorf im Mai südwärts, erreichte im Juni unter 5° nördl. Br. und bei 27° 27' östl. L. den Sitz des Niam-Niam - Fürsten Ndoruma. Von hier trat J. im Juli eine Reise nach Süden an, überschritt den U&lle, durchzog das Mangbattu-Land bis gegen 80°20' s. Br. und kehrte in grossem Bogen durch die östl. Niam - Niam-Staaten im Dezember 18°0 zum Fürsten Ndoruma zurück. Noch im Laufe dieses Monats machte J.’sGehilfe, Bohndorf, einen Ausflug nach Westen zum Häuptling Kipa und brach dann mit der Hauptmasse des Gepäcks zum Fürsten Semio auf, wohin die Station verlegt wurde, während J. selbst im Januar 1851 nach Südwesten sich wandte, um zunächst den durch Miani bekannt gewordenen Bakangai stromabwärts am U@lle aufzusuchen. Nachdem er den Fluss überschritt, wurde er mehrere Monate durch .die A-Barambo zurückgehalten, bis er endlich mit Hilfe des Niam - Niam - Fürsten Sassa im Mai seinen Rückzug über den Uölle zu den A-Madi bewerkstelligen konnte. Im September desselben Jahres drang J. abermals in das Mangbattuland ein und bereiste zum Teil mit ägypt. Truppen das Südufer des Uölle, ging im Januar 1882 südlich vom Uölle wieder nach Süden (bis gegen 2° siidl. Br.) zum Nepoko, einem Zuflusse des Kongo, vor und kehrte erst im September 1882 zu seiner Station bei den westlichen Niam-Niam zurück. Über diese Reise berichtet J. in Briefen, welche bis zum 8. November 1882 reichen. Seitdem sind nur zwei Schreiben, eins vom d. Dezember 1882 (6° 30° n. Br. und 25° ö. L.) und vom 1. Oktober 1833, beide aus der Station des Fürsten Serie, nach Europa gelangt.