Tiryns (Tirynth), eine der ältesten griechischen, ursprünglich vielleicht phöniz. Städte, schon in der Ilias wegen ihrer mächtigen, der Sage nach von den lycischen Cyklopen für den König Prötos erbauten Mauern als die awohlummauertes bezeichnet, lag in Argolis, 3 Em nördlich von Nauplia an der Straße nach Argos auf einer niedrigen, kaum 16 m über der Ebene hohen, von Nord nach Süd ungefähr 300 mlangen, 65—80 mebreiten Felshöhe, welche die Akropolis bildete, unterhalb der sich in der Ebene noch eine Unterstadt ausdehnte. Die Stadt, deren Bedeutung durchaus der mythischen Zeit angehört (namentlich spielt sie in den Sagen vom Herakles, der hier geboren sein sollte, eine bedeutende Rolle), wurde um 468 v. Chr. von den Argivern zerstört; doch wurde, wie noch erhaltene Münzen beweisen, einige Ram später eine neue Ansiedelung unter dem alten Namen gegründet, die aber nur in der Ebene gelegen zu haben scheint, ohne Bedeutung war und vielleicht nicht sehr lange existiert hat. Bis auf die Gegenwart sind ansehnliche Ruinen von der alten Burgstadt erhalten: Mauern von gewaltiger Dicke aus kolossalen, ganz unbearbeiteten Steinblöcken gefügt (sog. cyklopische Mauern), mit oben spitzbogig abschließenden Thoren und innern Gängen oder Galerien von gleicher Konstruktion. Erst von Schliemann (s. d.) in den J. 1884 und 1885 unter der Mitwirkung von W. Dörpfeld unternommene Ausgrabungen haben auf der nördlichen höhern Hälfte des Hügels den Grundriß eines großartigen, durch Baukunst und Technik gleich merkwürdigen Palastes bloßgelegt, mit Säulenportalen, Männer- und Frauensaale, mit überraschenden Wandmalereien und anscheinend uralten Gefäßen und Idolen in Thon. ugleich zeigte sich, daß die Mauern Kasematten in der Weise enthielten, wie sie aus phöniz. Befestigung bekannt sind. Vgl. Schliemann, „Tirynso (mit Vorwort von F. Adler und Beiträgen von W. Dörpfeld, pz- 1886; engl., Lond. u. Neuvork 1886; franz., Par. 1886). (Vgl. auch die Tafel: Ausgrabungen von Mykenä, Orchomenos, Tiryns und Troja, Fig. 12—15 zu Artikel Schliemann, Bd. XIV, S. 408.)