Kenia, Schneeberg des äquatorialen Afrika, welcher sich wenig südlich vom Äquator (09.102 94 südl: Br, 340 25‘ östl. L.), etwa 400 km nord: westl. von der Suaheli-Küste (an der Einmündung des Tana) und etwa 300 km östlich vom nordöstlichen Gestade des Vietoria-Nyanza erhebt, Seine Höhe ist approximativ auf 5400 —5500 m geschätzt worden. Er bildet einen Teil der von Nord nach Süd streichenden Gebirgskette, dessen mächtiger Ausläufer durch den Kilima Ndjaro gebildet wird. Dieser letztere ist etwa 300 km vom Kenia entfernt. Dr. Krapf ist (nachdem Rebmann am 11. Mai 1848 den Kilimandjaro entdeckt und vom Vorhandensein des Kenia Kunde erhalten hatte) der erste Europäer, welcher 1849 seine „beiden“ schneeigen Gipfel gesehen hat; nächst ihm versuchte v. d. Decken von Mombas aus bis zum K. vorzudringen, gelangte aber nur bis zum Kilimandjaro (dessen Höhe er auf 4300 m bestimmte); dann bereiste der englische Missionär New das Gebiet der Schneeberge Ostafrikas; er soll die Schneegrenze des Kilimandjaro zuerst erreicht haben, konnte aber ebenfalls nicht bis zum K. vordringen, Auch Hildebrandt (1877) suchte von Mombas aus durch das Land der Wakamba zum Kenia vorzudringen, musste aber ebenfalls in seiner Nähe (110 km entfernt) infolge der Feindseligkeiten der Eingeborenen umkehren („Berliner Zeitschrift“ 1879 [14], S..241 ff, 312 1., 321 ff). Der Eng: länder Thomson unternahm 1883, nachdem er das Gebiet der Masai von Naivascha hinter sich gelassen hatte, mit einer aus nur dreissig Mann bestehenden kleineren Expedition eine Reise durch den Lykipia - Distrikt nach dem Berg Kenia. Sein diesbezüglicher Bericht lautet: Am 6. Ok tober wurde der Marsch angetreten und die südliche Thalmulde mit ihren zahlreichen reizenden Seeen verlassen, um das Lykipia-Plateau zu erreichen, das 8400 Fuss hoch liegt und von grossen Scharen von Wa-Kwafi bevölkert ist. Der Reisende fand hier einen wundervollen Koniferenwald, der eigentlich mehr in eine europäische Landschaft als in afrikanische Regionen hineinpasste. Trotzdem die wilden Eingeborenen den Marsch des Reisenden soviel wie möglich zu verhindern und zu erschweren suchten, gelang es ihm doch, dies Gebiet, eines der interessantesten des ganzen inneren Afrika, zu durchwandern. Nachdem Mr. Thomson eine hohe Bergkette, die er nach dem Vorsitzenden der Geographischen Gesellschaft Aberdare-Gebirge nannte und welche in der Richtung von Nord nach Süd verläuft und fast bis zur Höhe von 14000 Fuss ansteigt, überschritten hatte, gelangte er nach den grössten Mühseligkeiten und Entbehrungen, und von dem langen ängstlichen Wachen bei Tag und Nacht völlig erschöpft, endlich am Fusse des Kenia an. Der Berg erhebt sich als ein ungeheurer vulkanischer Kegel, dessen Fuss einen Durchmesser von etwa dreissig englischen Meilen hat. Bis zur Höhe von 15000 Fuss sind die Seiten des Berges nicht sehr steil und verhältnismässig wenig von Schluchten und Spalten zerrissen; dann steigt der Pik plötzlich steil wie ein Zuckerhut empor, mit welchem der Gipfel noch um so mehr ähnlich ist, weil die höchstens 3000 Fuss messenden Spitzen stets mit Schnee bedeckt sind. An manchen Stellen sind die Felswände jedoch so steil, dass der Schnee nicht liegen bleibt, und da ragen schwarze Punkte aus der weissen Fläche hervor. Die Masai nennen den Berg deshalb den Donyio Egani, d. h. den gesprenkelten oder grauen Berg. Am sechsten Tage nach dem Abmarsche vom Kenia-Berge befand Mr. Thomson sich in Baringo, von wo er, aus einer Höhe von 8100 Fuss, einen prachtvollen Blick auf die südliche Thalmulde hatte; vergl. Kilima-N’djaro.