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ErdkundeAfrika Hand-Lexikon 1885

Madagaskar (früher Lorenzo, auch Isle Dauphine, Dauphins-Insel, Mond-Insel, bei den Eingeborenen Nossindambo, dh. Insel der wilden Schweine genannt), liegt zwischen 1202‘ und 25° 40' südl. Br. längs der Ostküste Süd-Afvika’s, durch den Kanal von Mozambique vom Festlande getrennt. Bei einem Flächen-Gehalt von 10500 QM. ist M. nächst Borneo die grösste Insel der Erde. Ihre Oberfläche erscheint fast durchaus gebirgig und steigt, übereinstimmend mit der Oberflächen-Gestaltung des Festlandes von Afrika, terrassenförmig von der Küste -auf, langsamer auf der Westseite, viel rascher dagegen, fast mauerförmig, im Osten bis zu den 4000 Fuss hohen ausgedehnten Hochebenen des Innern, über denen sich fast in der ganzen Länge der Insel das 8—12 00V Fuss hohe Ambohitsmena- (Rote) Gebirge erhebt. Die höchsten Punkte des Gebirges sind im N. der Vigaruraberg, im mittleren Teile die Vidindamba-Berge, ferner die Andringitra-, Angavo-, Ankaratra- und Ambohimiangara-Berge, welche das Hochland der Howas umgeben. Nur vereinzelte Zweige des Gebirges treten in das Küstenland hinab, im übrigen wird die ganze Peripherie, der Insel durch eine 10-15 Meilen breite, sehr niedrige, häufig sumpfige Küstenzone gebildet. Die Verbindung. der Ost- und Westküste wird durch die bedeutenden Terrain-Erhebungen sehr erschwert und findet nur auf, wenigen Pässen statt. Der nördliche Teil der Insel ist der bei weitem schönere, indem hier dichte Bewaldung des Gebirges, zahlreiche Flüsse und viele schöne Baien und Häfen eine grosse Mannigfaltigkeit in den Verhältnissen hervorrufen. Die Küstenentwickelung ist im 8. eiförmig, da sie daselbst nur wenig Baien und noch weniger gute Hüfen bietet; im N. dagegen finden sich eine grosse Zahl trefflicher Häfen, so auf der Ostseite die Bai von Antombony-(Diego-Suarez-Hafen), die Baien von Antongil und Feneriffa, der Hafen von Tintingue und die weite Bai von Marofototra, auf der Westseite die Häfen von Passandava, Narinda, Maschambo, Matzambo, Bombetos, Cajembi und Bali. Dagegen bietet die Südhälfte nur im 0. die Bai St. Lucie, im W. die Bai St. Augustin. Vorgebirge hat M. wenige; Kap St. Ambra bildet den nördlichsten, Kap Sta. Maria den südlichsten Punkt der Insel, am Westrande treten die Kaps St. Andre und St. Vincent, am Ostrande die Kaps Bona und Nonofi hervor. ‘Die geognostische "Beschaffenheit der Insel ist sehr mannigfaltig, jedoch noch wenig erforscht; man kennt das Auftreten grosser Granitmassen mit riesigen Exemplaren des reinsten Berekrystalls, häufigen Turmalinen und Rosenquarz, Syenit, Thonschiefer, Marmor, ausgedehnte Eisenerz- und Kohlenlager; vielfach finden sich vulkanische Gebilde, doch kennt man keinen thätigen Vulkan, obgleich häufig Erdbeben vorkommen, sowie auch kalte und warme Mineralquellen. Das Klima der Insel ist gemässigt und gesund, in: der Küstenzone dagegen drückend heiss und, besonders auch an der Ostseite, doch auch an der Nordwest-Küste, den Europäern durch Erzeugung der unter dem Namen des Madagasischen Fiebers bekannten Gallenkrankheiten so verderblich, dass die oft wiederholten Niederlassungs - Versuche der Europäer auf der Insel immer scheiterten. Verhältnismässig von gesunderem Klima ist der Westrand und noch mehr der Nordrand. Die Höhe des Binnenlandes veranlasst sehr häufige und starke Regenbildungen; daher kommt der grosse Reichtum der Insel an fliessenden Gewässern, von denen einige sehr gross sind, aber trotzdem nur wenige Katarakten bilden; zudem ist das Einlaufen in die Flüsse meist durch Sandbänke er1d Bai mündende Betsibouka, dann der af Ambongo, Mananghare, Ongulahg, n- Manguru und Mananguru u. a. Von 0, den zahlreichen Seeen sind die been: deutendsten der Nossiye, Nossi-Vola, ie Ihotry, der Ima; älle diese Seeen sind Be reich an Fischen und, wie die Flüsse, 6; ME an Krokodilen. Die Vegetation der h- " Insel ist überaus reich und mannigen Bi faltig, an der Küste eine rein troon Me pische, im Binnenlande teilweise dait, BE gegen eine alpinische. Die Flora ist de m reich an den besten Schiffsbauhölzern, e Me Arzneigewächsen und Farbehölzern o- | ganze Wälder bildet der Ebenholzt; baum und das rote Sandelholz, dann er das Rosen-, Benzoin- und Adlerholz en es finden sich viele Ölpflanzen, naen mentlich Ricinus-, Elemi- und Kopalit, \ 5 Harzbäume, viele Gewürz-Pflanzen, te BE darunter wilder Pfeffer, Indigo, vorh. 9% trefflicher Reis, Baumwolle, Bananen, h ME Bataten, Maniok, Tabak, schönste un Me baumartige Farrn, Lianen und Orn- A chideen, ferner die eingeführten Gehe. BE, wächse: Granaten, Orangen, Citronen, hel Feigen, Wein, Kaffee und Zuackerrohr; er M ganz eigentümliche Gewächse sind ss der Tanguinbaum (Tanghinia venenie, flua), dessen giftige Früchte bei den e, hier noch üblichen Ordalien gebraucht er werden, der Baum Tonse (Urania en Speciosa), von welchem fast: Jeder en Teil nutzbar ist, der Harzbaum Har- rame, der Gummibaum Vintang, der er Baum Sandraha, dessen Holz an al Schwärze das Ebenholz noch über-D- trifft, u. a m. Nicht minder reich nd ist die Tierwelt; es gibt zahllose he Affen verschiedener Arten in den u- Wäldern, ausgezeichnetes Rindvieh, a- darunter Buckelochsen, Schafe mit er Fettschwänzen, wilde Büffel und on Schweine, zahlreiche Vögel mit prächer tigem Gefieder, namentlich auch Ko1 m libris; Kochenille, Seidenraupen, präch- : lie N üige Schmetterlinge , phosphoreszie- : und Fische ete.; in den letzten Jahrzehnten hat man auch Pferde eingeführt. Zahl auf A, 5 Millionen Seelen. Sie selbst nennen sich Malegasy, woraus die Europäer den Namen

Afrika Hand-Lexikon. Ein Nachschlagebuch für JedermannVon Paul Heichen, Leipzig: Gressner & Schramm 1885 · Bd. 2, S. 850Scan: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen · gemeinfrei

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