Mauritius, bei den Franzosen Isle-de-France, eine englische, zu den Mascarenhas gehörige Insel, 800 kmeöstlich von Madagaskar und 184 km nordöstlich von Réunion (s. d.), unter 755 östl. L. und 20 südl. Br. gelegen, hat ein Areal von 1914 qkm und durchaus vulkanische Natur. Von ihren meist schroffen Küstenrändern steigt die Insel höchst malerisch überall nach dem Innern auf, wo sich nebst ausgedehnten Tafelflächen vier bewaldete, durchschnittlich 650 m hohe und nur auf den Gipfeln nackte Gebirgsketten erheben, die einen uralten, völlig erloschenen und mit Wald bedeckten Krater, einen der größten der Erde, umschließen. Die höchsten Bergspitzen sind die Montagne de la Rivière noire von 826, der pittoreske Pieter-Botte oder Pittre-Booth von 815,6 und der Piton du Pouce von 808 m Höhe. Außer dem festen Basalt, der Hauptmasse der Insel, erscheint häufig poröse Lava. Die Küstenränder bestehen zum Teil aus Korallenkalk, der dieselben auch in 2 km Entfernung in Gestalt eines Kranzes von Korallenbänken umgibt. M. ist außerordentlich wasserreich, indem aus dem Innern, wo sich mehrere ziemlich große Seen befinden, nicht weniger als 100 Bäche dem Meere zufließen, die freilich größtenteils im Sommer austrocknen. Am längsten ist die 16 km lange Grande-Riviere. Das Klima ist zwar tropisch, aber sehr mild und meist gesund. Nur die furchtbaren Wirbelwinde, von denen die Insel zu Zeiten heimgesucht wird, sind eine Plage. Der rote, eisenhaltige Boden ist ungemein fruchtbar. Fast die ganze Insel ist Zuckerplantage, auch gedeihen Zimt, Gewürznelken, Muskatbäume, Indigo, Baumwolle, Bananen, Pfeffer, Brotbäume, Manioc und Ananas. Die Zahl der Bevölkerung belief sich 1851 auf 183506, 1882 auf 359322, darunter gegen 250000 Kuli. Letztere bearbeiten ausschließlich die Zuckerfelder, die freigelassenen Neger betreiben meist Kleinhandel. Die ansässigen Weißen sind fast durchweg franz. Abkunft, lebhaft, thätig und intelligent. Die Hauptindustrie von M. besteht in der Bodenkultur und dem Handel, welcher durch die günstige Lage und gute Häfen sehr gefördert wird. In dem Zeitraume 1847—78 ist die Zuckerausfuhr von 1622493 auf 3408 020 Pfd. St. gestiegen, die Gesamtausfuhr belief sich 1882 auf 4019000, die Einfuhr auf 2842000 Pfd. St. M. unterhält außer mit England Handelsverbindungen mit den wichtigsten Häfen des Indischen Oceans und steht in regelmäßigem Dampfbootverkehr mit Reunion, Kapstadt, Aden und über Point de Galle (Ceylon) mit Madras. Die Seefischerei beschäftigt bei M. wie 125 den Sechelen viele Schiffe. Die Eisenbahnen hatten 1882 eine Länge von 148 kEm; es gibt hier 34 Postämter. Maße und Gewichte sind auf M. die metrischen. Die Religion auf M. ist vorherrschend katholisch, mit einem Bischof; die franz. Sprache ist die ausschließliche in der Administration und Justiz; auch steht das franz. Civilgesetzbuch in Kraft. Für den Unterricht und die Wissenschaft ist hinlänglich gesorgt; 1880 zählte man in den 92 Schulen 9393 Schüler und 178 Lehrer. Die Jahreseinnahme betrug (1882) 955000, die Ausgabe 828 000, die Schuld 698000 Pfd. St. Unter dem Gouverneur von M., dem noch ein legislativer Conseil zur Seite, stehen die etwa 570 Km östlich gelegene, sehr fruchtbare und gesunde Insel Rodriguez, 110 akm mit 2309 E., die Sechellen (s. d.) nebst den Amiranten (s. d.), die Chagos-Inseln (s. d.) im Nordosten; Agalegas mit 276 E., Coétivy mit 68 E., Inseln im Norden von Madagaskar mit 62 E. und Cargados Garajos oder Nazarethinseln mit 9 C., sodaß (1879) auf diese Dependenzen von M. 741 alem mit 13391 E. kommen. M. hat zwölf Distrikte und zwei Städte. Die Hauptstadt Port-Louis, in schöner Lage auf der Nordwestseite, an einer großen, von Basaltbergen umschlossenen Bai gelegen und wohlgebaut, Sitz des Gouverneurs, des anglikan. und kath. Bischofs, der Handelskammer und des Appellations2966 hat 70000 E., zwei starke Citadellen, ein Theater, eine kath. und eine prot. Kathedrale, ein sehr gutes Gymnasium (Collége-Royal), mehrere Missionsschulen, eine Tierarzneischule, einen botan. Garten, eine Sternwarte, eine öffentliche Bibliothek, eine Buchhandlung, zwei Buchdruckereien und zwei gelehrte Gesellschaften. Die Stadt ist mit ihrem Freihafen Hauptsitz des Handels und wichtiger Stapelplatz zwischen Ostindien und Ostafrika. Nur 11,5 km entfernt liegt der botan. Garten von Pompelmousses. Die Stadt Mahébourg mit 9000 E. liegt auf der Südostseite, an der durch ein Korallenriff gesicherten Bucht Grand-Port. Die Insel M. wurde nebst den übrigen Mascarenhas-Inseln im J. 1505 durch den Portugiesen Pet. Mascarenhas entdeckt und gehörte bis 1598 den Portugiesen, von da an den Holländern, die sie nach dem Prinzen Maurits benannten. Nachdem die Holländer die Insel 1710 verlassen, wurde sie 1715 von den Franzosen besetzt und Isle-de-France genannt. Im J. 1810 eroberten sie die Engländer, die ihr den alten Namen wiedergaben und sie im Wiener Vertrage von 1815 behaupteten. Auf Isle-de-France spielt «Paul und Virginien von Bernardin de St.⸗Pierre, und noch jetzt knüpfen sich hieran mancherlei Lokalsagen. Vgl. Flemyng, (M. or the Isle de France (Lond. 1862).