Madegassen oder Malegaschen ge-. macht haben. Die ersten Bewohner der Insel waren Afrikaner; später wanderten Malayen ein und erhielten das Übergewicht; daher ist der herrschende Typus des Volkes malayisch, ebenso die Sprache desselben; endlich wanderten auch Araber u. Hindus ein. Der Abstammung nach bestehen also die Madegassen aus einem Völkergemisch. Früher soll die Bevölkerung in etwa 50 grössere und kleinere Stämme zerfallen Sein, welche Sich gegenwärtig in vier Hauptstämme vereinigt haben: die Howas, das gegenwärtig‘ fast die ganze Insel beherrschende Volk, in Sprache, Körperbildung und Hautfarbe ganz malayisch, klein und zierlich gebaut, mit olivenfarbiger Haut und schwar. zem schlichtem Haar; sie leben im. Innern der Insel, haben feste Wohn-Sitze, treiben Landbau und Viehzucht und sind geschickte Handarbeiter, verstehen sich auf Weberei, fertigen Metallarbeiten, selbst Bijouterieen. Die Sakalawas, schwarz von Ansehen, sind zum grossen Teile Nomaden und treiben bisweilen auch Seeräuberei; sie bewohnen hauptsächlich den nordwestlichen Teil der Insel; die Betanimenas an der Ostküste und die Betsileos im hohen zentralen Teile der Insel. Der Religion nach sind die Madegassen Heiden, obwohl es noch viele Christen unter ihnen giebt, aus der Zeit, wo unter König Radama das Christentum eingeführt wurde, Der Handel der Insel M. ist nicht unbedeutend; der Sklavenhandel, ehemals sehr lebhaft betrieben, hat seit 1817 aufgehört; ausgeführt werden bes, Reis, indisches Korn, Schlachtvieh ete., eingeführt dagegen Waffen und Munition, eiserne Töpfe, Fayence, Uhren, Hüte, Salz, Seife, baumwollene Zeuge, Rum und Branntwein u. a m. Der Verkehr im Innern ist sehr geringfügig. Durch die Eroberungen der Howas ist auf M. ein sehr kompliziertes, für die unterworfenen Stämme drückendes Regierungs - System eingeführt, dessen Aufrechterhaltung in der ganzen Insel durch befestigte Posten und Besatzungen durchgeführt wird, wozu eine Streitmacht von 40 bis 50000 Mann, welche teilweise europäisch organisiert ist, die Mittel bietet. Nur die Sakalawas haben in der letzten Zeit sich mit Glück zu befreien gesucht. Von den Howas wurde M. in mehr als 20 (wenig bekannte) Provinzen geteilt, von denen jede unter einem Oberkommandanten steht; die Abgaben werden in Naturalien, namentlich in Reis, geliefert. Von den Provinzen sind die wichtigsten: a) im Norden: Vohimarina, sehr gebirgig, wenig fruchtbar und dünn von Antankars bevölkert; b) im Westen: 'Iboina oder Bueni, südlich von der vorhergehenden, flach, sumpfig und ungesund, aber fruchtbar, bewohntvon Sakalawas; Ambongo, ebenfalls niedrig u. sumpfig, aber fruchtbarer als irgend ein Teil, bewohnt von Sakalawas; Menabe, niedrig und ungesund, reich namentlich an Holz, Wachs, Indigo, Eisenerzen, bewohnt von Sakalawas; Fiarenana, ausserordentlich fruchtbar, aber sehr wenig bekannt; Mahafaly, die südwestlichste Provinz; ec) im Süden: Androy, waldig und reich an Schafen mit Fettschwänzen; d) im Osten: Anosy, die südöstlichste Provinz, mithohen Ufern und sehr fruchtbar, namentlich an Reis, Zucker, Kaffee, Maniok; Betaninana, d. h. das Rote Land, wegen seines roten, sehr eisenreichen Thonbodens so benannt, besitzt. grossen Reichtum an Herden; Mahavelona, einer der ungesundesten Küstenstriche; Ivongo, gebirgig, aber fruchtbar und holzreich, erzeugt viel Reis und Schlachtvieh. Bei dem Orte Iba-Batsi ist der Fundort grosser Bergkrystalle; Maroa, sehr gebirgig und waldreich, aber auch sehr fruchtbar, bringt die vorzüglichsten Bananen; e) im Innern: Antsianaka, 4. h. dasLand der Freien, mit grossen Viehherden, viel Seide und der besten Baumwolle auf M.; Ankova, eine ungeheure, fast im Herzen der Insel gelegene, waldlose Hochebene, welche die Heimat der Howas ist, die auch hier ihre Hauptstadt Antananarivo haben. Das Klima der Landschaft ist gesund, der Boden aber wenig produktiv, jedoch reich an Eisenerzen; Betsil&o, durch das Ankaratragebirge von der vorigen Provinz getrennt, ebenfalls Hochebene, zum Teil unfruchtbar, doch grasreich; Ibara, südlich von der vorhergehenden, bewaldet, dünn bevölkert; Ankay, im 0. von Antsianaka und Ankova, reich an Herden, fruchtbar u. stark bevölkeıt. Die Alten kannten M. nicht, doch glauben Einige, dass es die von den alten Geographen im Südosten von Äthiopien gelegene Insel Menuthias sei. Erst Marco Polo führt sie im 13. Jahrhundert als Magestra an, und die Portugiesen unter Lorenzo von Almeida fanden sie 1492 (nach And. 1506) wieder auf und nannten sie nach dem Heiligen des Entdeckungstages Insel St. Laurentii. Die Holländer, welcheden Portugiesen folgten, scheuten sich vor dem dortigen ungesunden Klima und legten deshalb erst später eine Kolonie an, Die Franzosen, deren Indische Kompagnie sie dem König Ludwig XIH. 1649 überlassen hatte, und welche sie eine sich auf der Südküste, später auf der SF Ostküste fest, erzürnten aber die Einwohner durch ihre Ausschweifungn © dergestalt, dass dieselben sie durch WE drei Blutbäder, das erste zu Maner ghesia 1652, das zweite auf dem neu el erbauten Fort Dauphin 1670 und das te letzte auf der Insel Sta. Maria 1754, er zu verjagen suchten. 1768 u. 1774 ig machten die Franzosen wieder vert- gebliche Versuche, sich hier niedera- zulassen; die letzte Expedition leitete ka, Benjowsky. Sie behaupteten sich nur en mit Mühe auf Fort Dauphin, Tama- )e- tava und Foulepointe. 1810 nahmen ne die Briten M., nachdem sie schon el früher die Kolonie in der Bai St, he Augustin auf der Westküste aufgech geben hatten, traten sie aber 1814 a- ee an Frankreich ab. 1821 legten ist die Franzosen ‘eine Kolonie auf in; '0- Maria an, aber die Kolonisten starben bn; fast alle. Viel für die Kultur seines ge Stammes that der Howasfürst Radant, ma durch englische Missionäre, indem n- er Schulen gründete, eine Buchd- druckerei anlegte, sich auch eine Real- sidenz Antananarivo baute, Er starb 0. 1825, wie man sagt vergiftet von an seiner Gemahlin Ranawala, die ihm rt. nun folste. 1829 baten die Franch zosen die Königin um die Erlaubnis. len in ihrem Bands eine Niederlassung on zu gründen. Da aber dies abge18 schlagen wurde, so eröffnete der Kaim pitän Gourbeyre, nachdem er inzwind schen die Halbinsel Tintingue befon festist hatte, die Feindseligkeiten und nd. elle: das Fort Tamatava, wurde aber sie ME bei Foulepointe geschlagen. Zwar gs MW rüchte er bald darauf diese Niedero- BE lage, aber die Besatzung, welche en, er m dem Fort Tintingue zurückn- liess, wurde in dem folgenden Winab © ter Hast ganz aufgerieben, und der Die @E Regierungswechsel] 1830 in Firänkereich nie We machte der französischen 49 BE sungaufM. ein baldiges Ende. 1835 ine verbot die Königin ha en ihren Unterthanen die fernere Aner SE nahme des Christentums, die Überin :9°° getretenen wurden heftig“ verfolst u. gn WE aller Verkehr mit den Weissen berch #2 harlichst abgewiesen. Ihre Beziehpl SE ungen zu den Franzosen und Engländern wurden dadurch immer ge-Spannter, so dass es endlich 1845 zum offenen Kampfe mit denselben kam, Es erschienen ein englisches ‚und zwei französische Schiffe vor dem Hafen von Tamatava u. schossen die Stadt in Brand, wurden aber bei einem Sturme auf das Fort gänzlich geschlagen, so dass sie mit Zurücklassung einer Anzahl Gefangener, deren Schädel nach Landesbrauch auf Pfähle gesteckt wurden, die Insel verlassen mussten. Durch diesen Angriff nur noch erbitterter, verbot nun die Königin auch die Ausfuhr von Vieh und Reis, wodurch die Inseln Bourbon und Mauritius in harte Bedrängnis gerieten. Ausserdem wurden nun auch die Christen-Verfolgungen blutiger als je; aber während sie in vollem Schwunge waren, nahm der Königin eigner Sohn und andere Prinzen offen das christliche Glaubens-Bekenntnis an, auch gestattete die Königin einzelnen Fremden, namentlich Deutschen aus Nord - Amerika, Handel zu treiben, behielt auch einige. Europäer an ihrem Hofe, doch war bis. 1853. die Insel den Ruropäern so. gut wie verschlossen. Dann bemühten sich englische Missionäre abermals um Einlassung und gelangten auch, allerdings erst nach manchen fehlgeschlagenen Versuchen, nach der Hauptstadt Antananarivo, wo sie freundliche Aufnahme fanden. Neuerdings versuchen die Franzosen wiederum auf M. Fuss zu fassen.