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ErdkundeBrockhaus 1882

Malabar, auch die Pfeffer küste und bei den Eingeborenen Malayala oder Malayawara, d. i. Bergland, genannt, der südlichste Teil der Westküste der Vorderindischen Halbinsel, vom Südende derselben, dem Kap Komorin, bis zum Fort und Flusse Tschandragiri, unter 12 27 nördl. Br., begreift den Küstenstrich zwischen den Westlichen Ghats und dem Arabischen Meere mit einem Flächenraume von etwa 33000 akm. Das Land ist meistens gebirgig und wird von vielen kleinen Flüssen bewässert. M. besitzt ein angenehmes Klima, eine sehr üppige Vegetation und ist sehr gut gebaut. Seine Fauna und Flora stimmen mit denen des übrigen tropischen Indien überein. Ein Haupterzeugnis ist der Pfeffer. Aus dem Mineralreiche liefert es hauptsächlich Salz. In den Gebirgen findet man noch große Wälder, namentlich auch von Teakbäumen. Die Bewohner sind größtenteils Hindu, ferner Mapilla oder Mopla (engl. Moplays), d. i. Mohammedaner, die von eingewanderten Arabern abstammen. Letztere bildeten bis in die Mitte des 18. Jahrh. einen blühenden Staat, waren früher wegen ihrer Seeräuherei berüchtigt und beherrschten bis vor kurzem die Lakediven (s. d.). Gegenwärtig stehen sie unter einem von den Engländern abhängigen Vasallenfürsten, der in Kananur residiert. Außerdem leben im Lande die sog. Schwarzen und Weißen Juden (in der Stadt Cochin), von denen die erstern noch vor Christi Geburt aus Judäa ausgewandert sein wollen, syrische oder St. Thomaschristen und Europäer. Der Landesadel, Naier oder Nairen genannt, gehört im allgemeinen zur vierten Kaste der Hindu; ein großer Teil aber, namentlich die Fürsten, werden zur zweiten Kaste gezählt und heißen Naiken. Die malabarische Sprache oder das Malayalam (s. Indische Sprachen) gehört zu den wohlklingendsten der Hindusprachen. Ganz M. zerfällt in den brit. Distrikt dieses Namens, zu dem auch das ehemalige Königreich Kalikut gehört, und zwei Vasallenstaaten der Briten, nämlich das Fürstentum Cochin (s. d.) und das Königreich Travancore (s. d.), sämtlich Teile der brit.⸗ind. Präsidenschaft Madras. Der brit. Distrikt Malabär, von Südkanara und Kurg im N., von Mysore und Coimbatur im O., von Cochin im S. begrenzt, zählt auf 15545 qkm 2261 250 E. Hauptstadt ist Kananor (s. d.). Andere wichtige Städte sind Cochin (s. d.), Kalikut (s. d.) und Baipur oder Beipur (auch Baypur oder Beypur geschrieben), eine Seestadt von 5858 E. an der Mündung des Baipur oder Scharapoya, welche durch den von Madras hierher geführten Arm der Madras-Eisenbahn zu erhöhter Wichtigkeit gelangte.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 375Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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