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ReligionAfrika Hand-Lexikon 1885

Roscher, Albert, berühmter Afrikareisender, geboren am 27. August 1836 zu Hamburg. Schon. als Gymnasiast erklärte er mit grosser Entschiedenheit, dass er einst Forschungsreisen in Afrika unternehmen wolle, und leich seinem berühmten Landsmann und Geistesverwandten Heinrich Barth liess er es nicht an eiserner Ausdauer fehlen, um sich auf das schwierige Unternehmen vorzubereiten, das ‚ihm nur in weiten Umrissen vorschwebte, dessen teste Gestaltung jedoch erst während seiner Studien in Leipzig und München in seinem feurigen Geiste Platz griff. Mit einer gelehrten Schrift: „Claudius Ptolemäus und die Handelsstrassen in Zentral-Afrika* trat er bereits 1557, als 21-jähriger Jüngling, vor das Publikum, lenkte die Aufmerksamkeit auf sich und gewann einen Förderer in König Max II. von Baiern, der durch Geldmittel sein Vorhaben unterstützte. Im Herbst 1858 traf R. mit einem Hamburger Segelschiff in San- 'sibar ein, wo er sich sofort mit Bifer dem Studium der Sprachen widmete, welche die Stämme an der Küste reden. Seine erste Reise führte ihn von Sansibar längs der Küste nach Kiloa. Dort erhielt er nähere Nachvichten über den Nyassa-See, der nun das Ziel seines Strebens wurde. Um sich die nötigen Geldmittel zu verschaffen, ging er nach Sansibar zurück, wo er bei den deutschen Handelshäusern werkthätige Unterstützung fand, aber die Reise an der Küste und am Lufidschi hatte seine Gesundheit erschüttert und ein Fieberanfall schien seiner Forscherlaufbahn ein frühes Ende setzen zu sollen. Noch nicht völlig genesen, fuhr R. Mitte Juni nach Kiloa, wo er sich einer arabischen Handelskarawane anschloss, mit welcher er nach einer mühevollen Reise trotz Fieber, Hunger 2 und Beraubung am 19. Oktober den 3 Nyassa erreichte — einen Monat 2 später als der von Siiden an den See gekommene Livingstone. Dort ereilte ihn, erst 24 Jahre alt, der Tod durch.die Hand raubsüchtiger Eingeborenen. Einer seiner Diener, nanens Raschid, der ihm von Sansibar 4 ins Innere gefolgt war und der 3 Metzelei, in welcher R. den Tod fand, entrann, hat über seine Ermordung 3 Yolgendes berichtet: „Am 17. März 1860 verliess mein Herr Nussewa in der Absicht, nach dem Flusse . 2 Rufuma zu gehen, wo er Güter beim 3 Sultan Rukumbo auf seiner Reise von Kiloa gelassen hatte. Wir verliessen Nussewa Morgens früh, mein Herr, ich, mein Bruder Omar und zwei Träger; ausserdem begleiteten uns zwei Leute des Sultans bis zur - Grenze seiner Besitzungen. Alle waren 2 gesund und reisten zu Fuss. Am dritten Tage, am 19. März, Nachmittags um 2 Uhr, erreichten wir das Dorf Hisonguni, dort hielten wir an und setzten uns unter einen Baum. Die Einwohner kamen zu uns heran, und ein Mann namens Makokota lud meinen Herrn ein, seinen Aufenthalt in seinem Hause zu nehmen, was er auch that. Ich und Omar bereiteten das Essen für unsern Herrn, der sich dann schlafen legte. Dann ruhten auch wir vor der Thüre. Ich hatte bemerkt, dass der Eigentümer des Hauses in der Richtung nach einem andern Dorfe gelaufen war, und bald darauf sah ich vier Männer auf Händen und Füssen an das Haus herankriechen. Ich ging sofort hinein, weckte meinen Herrn und sagte ihm, dass, wenn diese Männer sich einem Hause. auf solche Weise nähern, ein Zeichen ist, dass sie keine guten Absichten haben. Mein Gebieter sagte inir, es habe nichts ‚zu bedeuten, und ich brauche mich nicht zu fürchten, sondern ich solle nach einem etwas entfernten Flusse gehen und Wasser bringen. Bei meiner Rückkehr hörte ich den andern Diener, meinen Bruder Omar, mir zurufen, schnell zu kommen, da sie angegriffen wären. Als ich dem Dorfe näher kam, sah ich eine Schar von Eingeborenen, an deren Spitze der Eigentümer des Hauses stand, in welchem mein Herr ausruhte. Ich sah dann den Diener Omar, .von einem Pfeil getroffen, niederfallen. Gleich darauf näherte sich der Hausbesitzer der Thür; mein Gebieter erschien in derselben und wurde sofort von Makokota mit einem ‚Pfeil in die Brust geschossen, während ein zweiter Pfeil, von deinselben Manne abgeschossen, ihn in den Hals traf, Mein Herr fiel gleich bei der Thüre nieder und gab sofort seinen Geist auf. Die Leute plünderten das Haus, und wie sie mich sahen, schossen sie einen Pfeil nach mir, worauf ich sofort in ein Kassavafeld flüchtete. Nachdem es dunkel geworden und die Leute fort waren, ging ich nach dem Hause zurück, wo die Leichen noch so lagen, wie sie gefallen waren, mein Herr noch vollständig bekleidet. Gegen Mitternacht "kamen einige Männer; ich versteckte mich in der Nähe und sah, dass die Leute die beiden Leichen nahmen und forttrugen.*

Afrika Hand-Lexikon. Ein Nachschlagebuch für JedermannVon Paul Heichen, Leipzig: Gressner & Schramm 1885 · Bd. 3, S. 1098Scan: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen · gemeinfrei

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