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GeschichteAfrika Hand-Lexikon 1885

Decken, Karl Klaus, Freiherr von der, Sohn eines hannöverschen Kammerherrn und der Fürstin Adelheid von Pless, auf Kotzen (Mark Brandenburg am 4, Aug. 1833 geboren, unternahm schon, während er 1350 60 in der hannöverschen Armee diente, grössere Reisen nach Algier und Tunis und widmete sich 1860, nachdem er den Dienst quittiert hatte, ausschliesslich der Erdkunde, für welche er schon in früher Jugend ein lebhaftes Interesse gezeigt hatte. 1860 schiffte er sich in Hamburg ein nach Sansibar, um sich hier, Barths Rate gemäss, mit dem unbemittelten Albrecht Roscher zu ver- ‚einigen, der aber schon am 19. März desselben Jahres im Dorfe Hisonguny von den Eingeborenen erschlagen worden war. Trotzdem wählte D. die Route Roschers, um von Quiloe aus nach dem Nyassa-See zu ziehen, wurde aber bei Messule durch die Verräterei seines arabischen Führers zur Umkehr genötigt. Im folgenden Jahre unternahm er von Mombas aus in Gesellschaft mit Thornton, Livingstones öfterem Begleiter, eine Expedition nach dem vulkanischen Schneeberg Kilima Ndjaro, dessen Höhe er bestimmte, wie er auch den Ipe-See aufnahm und den denselben durchströmenden Daffetta als den Oberlauf des Rufu oder Pangani nachwies. Im Oktober 1862 unternahm D., in Begleitung des Altenburgers Kersten, eine dritte Expedition, erstieg den Ugano und die Djagga-Berge, besuchte die Königreiche Uru und Mossi und erstieg mit Kersten den Kilima Ndjaro bis zu einer Höhe von 4200 Meter. 1863 reiste Decken und Kersten zur See nach Ibo, Kap Delgado und Lamu, wollte über Reunion nach Madagaskar gehen, sah sich aber durch die politischen Wirren, welche auf dieser Insel damals herrschten, zur Umkehr nach Sansibar genötigt. Von dort aus kehrte er nach Europa zurück, rüstete aber alsbald eine grosse Expedition zur Erforschung der afrikanischen Flüsse aus. Im Oktober 1864 ging er über Ägypten, Aden und die Seychellen nach Sansibar. Nachdem dort die in Hamburg :gebauten zerlegbaren Dampfer eingetroffen waren, brach er im Frühjahr 1865 in Begleitung von Brenner, Hitzmann, Link, Kersten und fünf anderen Europäern, nach den Flüssen Dana und Osi, deren Befahrung aber vergeblich erstrebt wurde, dann nach dem Djuba-Flusse auf, an dessen Mündung leider Hitzmann ertrank und der kleinere von D.s Dampfern unterging. Auf dem grösseren Dampfer wurde am 15. Septl br. Bardera erreicht; als aber am 25. Sept. die Fahrt fortgesetzt werden sollte, erhielt der Dampfer einen derartigen Leck, dass die Bagage ans Land geschafit werden musste. D. eilte mit Link nach Bardera zurück, um Hilfe zu holen; während seiner Abwesenheit wurde die Expedition von den Somal überfallen und grossenteils niedergehauen; D. selbst wurde mit Link in Bardera ermordet, und nur fünf Europäern und sechs Negern gelang es, nach Sansibar zurückzukommen. Von der Familie D.s wurde, um völlige Gewissheit seiner Ermordung zu erhalten, sein Begleiter Richard Brenner nach Ost-Afrika entsendet, der 1366 bis 1567 von Brawa ausin das Somal-Land zog, aber nicht wieder bis Berdera zu dringen vermochte. Das von D. gesammelte Material gab Dr. Kersten in dem vierbändigen Werke: in Ostafrika 1859—1865* heraus.

Afrika Hand-Lexikon. Ein Nachschlagebuch für JedermannVon Paul Heichen, Leipzig: Gressner & Schramm 1885 · Bd. 1, S. 327Scan: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen · gemeinfrei

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