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ErdkundeAfrika Hand-Lexikon 1885

Sennar, 1) kleine Stadt im Ostsudan, am Blauen Nil, weiter stromauf als Chartum gelegen. Nordöstlich von ihm erstreckt sich das Dar el Schukurie (s.d.). Früher war Sennar die Hauptstadt des Fungi - Reiches und Mittelpunkt des Handels von Süd-Nubien; seit dem Aufschwung Chartums hat es an Bedeutung verloren, und seine Einwohnerzahl sank auf 7000. Die krummen, von Lehmhütten eingeschlossenen Strassen sind unsauber, die an allem möglichen Ungeziefer reiche Stadt im höchsten Grade ungesund; perniziöse Fieber, Wechselfieber, Skorbut, Eingeweidewürmer, Blutschwären u. s. w. sind hier sehr häufig auftretende Krankheiten. Im Basar sind viele europäische Fabrikate vorhanden. A. Hartmann fand dort (1860): weisse englische Baumwollenzeuge, geblümte Kattune, amerikanische Leinwand, fertige türkische Kleider, Filzmützen aus Tunis, rote Schnabelschuhe, Sandalen, Patrontaschen, Wasserschläuche, allerlei Spezereien,abessinischenKaffee, Reis und Rohzucker. Vor der Stadt wird wöchentlich zweimal ein Markt (Suk) abgehalten. In letzter Zeit hatte aber Sennaar nur noch Leben, weil sich die Mudirieh dort befand. — Früher bestand zwischen Sennaar und Famaka eine Telegraphenleitung, die durch die Mahditen zerstört wurde. 2) Landschaft am rechten Ufer des untern Weissen Nils und zu beiden Seiten des Blauen Nils, soweit derselbe durch ägyptisches Gebiet strömt, Dschesireh el Dschesireh, d. i. Insel der Inseln genannt, grenzt an Taka, Chartum, Kordofan, Bahr el Abiad und Abessinien. ' Sennaar ist die „Insel Mero&“ der Alten. Das Land ist teils dicht bewaldet, besitzt aber auch gras- und buschreiche Steppen, 3 und gegen Süden (Fassogl) ist es gebirgig. Die alte Hauptstadt Sennar ist von dem am linken Ufer des Blauen Nils gelegenen Woled Medinah überflügelt worden. Letz- 3 teres ist heute mit mehr als 16 000 Einw. der bedeutendste Handelsplatz der Provinz. Ihm gegenüber. liegt an der Mündung des Rahad in den Blauen Nil der Marktflecken Abu-Harras, der Ausgangspunkt der Karawanenstrasse nach Abessinien. Der nördliche Teil des Landes istnoch von mehreren Karawanenstrassen durchzogen, und an einigen Stellen hat man Fähren über den Blauen Nil. Das weiter stromaufwärts gelegene S Roseres ist ein unbedeutender Ort; IE unterhalb desselben liest das Dorf Hedebät, von wo Karawanen in das Land der Fungi ziehen. Zu Wasser wird der Verkehr bis nach Roseres hinauf und flussabwärts bis Chartum durch plumpe Barken, sog. Kajassen oder. Kandschen, vermittelt.

Afrika Hand-Lexikon. Ein Nachschlagebuch für JedermannVon Paul Heichen, Leipzig: Gressner & Schramm 1885 · Bd. 3, S. 1188Scan: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen · gemeinfrei

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