FeedSennär
ErdkundeBrockhaus 1882

Sennär, auch Djesirat (Insel) Sennäàr, ist im engern Sinn das zwischen dem Weißen und Blauen Nil von Chartum bis Fazogl sich erstreckende Land, in weiterm Sinn aber als Dar Sennär eine von einem Mudir verwaltete Provinz des bis zum Aufstand des Mahdi ägypt. Sudan, südlich bis zum Fluß Sobat reichend. Meist Savannenebene, wie Kordofan, zeigt es, vom 14 nördl. Br. südwärts, vereinzelte Granitberge, und wird weiter nach SO. bergiger, zu einer Art Vorstufe des abess. Alpenlandes. In derselben Weise geht der sporadische Gras- und Staudenwuchs des Nordens südwärts allmählich in üppigere, von dichtem Gras und Gebüsch besetzte Steppen und schließlich im SO. in Hochwald, durchbrochen von blühenden Thallandschaften, über. In der Bodenbeschaffenheit kommt das Land fast ganz mit Kordofan (s. d.) überein. Die Ebene besteht aus einem an Geschieben reichen, eisenhaltigen Schwemmlande, welches von den abessin. Alpen bis zum Weißen Nil Gold führt. Goldwäschereien betreibt man an vielen Stellen. Das Gold (Tibr) gelangt, in Ringe umgeschmolzen, nach Chartum. Raseneisenstein vom Djebel-Tabi, südlich von Roséres, liefert vortreffliches Roheisen. Im Pflanzenreiche zeichnen sich die Adansonien aus, die ersten, die man, von Norden kommend, am Nil trifft; ferner Mimosenarten, Tamarinden, baumartige Euphorbien, südlich von 12 nördl. Br. am Blauen Nil die stolze Delebpalme u. s. w. Im Tierreich finden sich Meerkatzen, Stachelmäuse, Springhasen, Viverren, Ichneumonen, Stinktiere, Löwen, Geparden, riesenhafte Affen, Gazellen, Büffel, Giraffen, Flußpferde und Elefanten, sowie eine Menge der interessantesten Sumpf-und Wasservögel. Der Blaue und Weiße Nil sind sehr fischreich, namentlich an Welsarten. Am Weißen Nil leben ganze Stämme fast ausschließlich vom Fischfange. Die Bewohner zerfallen in hellerfarbige (Schukurieh, Hasanieh u. a.) und dunklere. Zu den letztern gehören namentlich die Fundj (Funghi), ein Negerstamm, welcher nach dem Jahre 1500 von SW. her vordrang, die Steppennomaden unterwarf und das Reich S. gründete, dessen Selbständigkeit im J. 1820 der Pascha von Agypten ein Ende machte. Die alte Hauptstadt Sennär, mit etwa 10000 E., ist seit dem Aufblühen Chartums gesunken; etwas größer sind Wold Medina und Mesalamia. Der Religion nach sind die Einwohner Mohammedaner. Die Ausfuhrartikel von S. sind Elfenbein, Gummi, Tamarinden, Straußfedern und Häute. Eingeführt werden hauptsächlich europ. und ägypt. Manufakturen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 701Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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