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Handwerk & GewerbeAfrika Hand-Lexikon 1885

Sucei, Giovanni, ein italienischer Kaufmann, unternahm 1850 u. 1881 mehrere Handelsreisen nach Madagaskar und den Komoren. Süd-Afrika, der südlich von der Cunene- und Sambesi-Mündung gelegene Teil des Kontinents, welcher vorwiegend Hochebenegestalt besitzt. Die mittlere Höhe der Hochebene ist 800 bis 1200 m, und im Süden und Osten begegnen wir auf ihnen Gebirgsketten, deren höchste Gipfel 2600 m (Kompassberg) und 8160 m (Chathlins Peak) erreichen. Nach Osten sind diese Gebirge in den Drakenbergen, welche sich von der Algoa-Bai bis zum Wendekreise des Steinbocks hinziehen, am meisten entwickelt und dachen sich hügelförmig nach dem Meere zu ab. Der Südrand des Tafellandes zeigt einen durch zwei hintereinander liegende Gebirge erzeugten stufenförmigen Abfall. Das Land erhebt sich steil vom Meere aus zu der durchschnittlich bis 1600 und 1800 m und in einzel-" nen Gipfeln bis 2200 m ansteigenden Bergkette der Zwarteberge, von welcher es auf die 10)O m hohe Hochebene der Karu absteigt, einer Hoch. fläche aus mit Sand semischtem Thon, der in der regenarmen Zeit sehr hart und steinartig trocken wird, wonach die Hochebene selbst ihren Namen erhielt, denn Karru heisst in der Hottentottensprache hart. Jenseit dieser welligen Ebene, welche wie ein grosses Längsthal sich über 1500 M. Oberfläche ausbreitet, erhebt sich ein anderes Gebirge, das in seinem westlichen Teile den Namen Roggeveld führt und im östlichen erst Nieuweveld und dann Schneeberge heisst, Den letzteren gehört nebst dem obengenannten Kompassberge eine ganze Anzahl von über 2000 m hohen Gipfeln an, und diese rechtfertigen, wenigstens den grössern Teil des Jahres hindurch, durch bleibende Schneedecke den Namen Schneeberge. Innerhalb dieses grossen Gebirgsbogens liegt nun die Hochebene des Kaplandes, welche von 1800 m Höhe allmählich zum Oranjefluss herabsinkt, der nebst seinen Nebenflüssen in schmalen, stellenweise bis 300 m tiefen Thälern (Kloofs, Klüfte) die durehschnittlich 1000 m hohe Hochebene durchfliesst. In gleicher und an einigen Stellen beträchtlicherer Höhe setzt sich im Norden des Öranje diese Hochebene in der Kalahariwüste, die einen Raum von circa 10000 Q.-M. umfasst, fort. Kleine Höhenzüge und tafelförmige Berge sind spärlich über diese Fläche zerstreut und erheben sich nur an der Westküste zu beträchtlicher Höhe (Omatoko, 21° s. Br., 2700 m), ohne indessen Gebirgsnatur anzunehmen. Bine bestimmte Grenze lässt sich dieser Hochfläche im Norden nicht ziehen. Der Ngami-See und seine nördlichen Zuflüsse liegen noch über 1000 m hoch, und aus allem, was wir über die weiter nördlich am Sambesi und über diesen hinaus gelegenen Landschaften wissen, geht die Richtigkeit der Auffassung K. Ritters hervor, dass dieses südafrikanische Hochland ein Teil des Plateaus von Afrika selbst ist.“ (Ratzel, Naturkunde, I.) An Flüssen ist Süd. afrika im Vergleich zu seiner Ausdehnung arm. Die von den Gebirgen des Kaplandes nach dem Innern fliessenden Gewässer sammeln sich im ÖOranjestrom, dessen Zuflüsse jedoch, je weiter er fliesst, desto unbedeutender werden, weil er aus den regenreicheren in die regenärmeren Gegenden gelangt. Nach der Einmündung des Vaal, seines grössten Nebenflusses, nimmt er keinen dauernd Wasser führenden Zufluss und überhaupt nur noch Bäche auf. Der Limpopo dagegen ist fast in seinem ganzen Laufe Gebirgsfluss, und erst in der Nähe seiner Mündung wird sein Lauf langsamer. Er ist der wasserreichste und regelmässigste unter den grösseren Flüssen Südafrikas. An der Ostküste münden zwischen dem Limpopo und Sambesi viele Flüsse, welche zwar nur einen kurzen Lauf haben, aber doch wasserreich sind, an der Westküste dagegen finden wir nördlich vom Oranje keinen eigentlichen Fluss mehr, sondern nur zeitweilig mit Wasser gefüllte Rinnsale. Schiffbar ist keiner der Flüsse Südafrikas. Der Wassermangel, an dem sie alle mehr oder minder leiden, ist eine Folge des Klimas. Das Klima von 8, ist im allgemeinen trocken. Feuchtigkeit bringen hauptsächlich die Ost- und Südostwinde, aber diese gelangen an die Westküste bereits völlig ausgetrocknet. Da an der letzteren überdies eine kalte Meeresströmung, der sog. südafrikanische Küstenstrom entlang zieht, erstreckt sich dort eine fast wüstenhafte Natur in Lüderitzland bis an die Küste, Günstiger sind die Verhältnisse im äussersten Süden. Die Regenmenge derKapstadt (598 mm jährlich) kommt ziemlich jener von Berlin gleich, und in London ist die Kegenmenge nur wenig grösser, aber die Verteilung ist in der Kapstadt eine ungleiche, da die Hälfte der Regenmenge im Winter, etwa !/, im Frühling und Herbst, im Sommer dagegen kaum 1/., fällt. Diese Verhältnisse zwingen den Ackerbauer, zu künstlicher Bewässerung seine Zuflucht zu nehmen, wobei er mit grossen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, da die natürlichen Quellen häufig versiegen. Der Wassermangel beeinflusst die ganze Pflanzenwelt, aber trotzdem ist sie, namentlich südlich vom Oranje, verhältnismässig sehr reich (8000 Arten), allerdings der Nutzen, den sie den Menschen bietet, unbedeutend. Eigentliche Wälder fehlen, die vorherrschenden Gewächse sind Sträucher. Die Proteaceeen, Friaceeen, Pelargonien, Lobelien, Crassulaceeen, Oxaliden und Orchideen gewähren dem Menschsn keinen oder nur wenig Nutzen. Von Früchten, welche man mit unseren Obstarten vergleichen könnte, sind nur die Hottentottenfeige (Mesembryanthemum edule) und die Kafternkastanie (Brabeium stellatum) zu erwähnen. Die Buschmänner leben von den Zwiebeln von Ixias und anderen Lilien, von der Wurzel des Elefantenfusses und dem Mark der Stämme von Zamia. Ein dem Bienenwachs ähnliches Pflanzenwachs liefert die Wachsbeere (Myrica cordifolia). Grösser ist der Tierreichtum. Als die ersten Furopäer das Land betraten, gab es in demselben noch geradezu beispiellose Mengen von Elefanten, Rhinozerossen, Flusspferden, Kaffernbüffeln, Giraffen, Zebras, Quaggas, Springböcken, Antilopenund Straussen. In einem grossen Teil Südafrikas sind diese Tiere heute ganz oder fast ausgerottet. Mit ihnen verschwanden die Löwen, dagegen haben Leoparden, Hyänen, Schakale und Erdwölfe sich vermehrt. Unter den Vögeln finden wir Kraniche, Stare, Perlhühner, mehrere Rebhuhn- und Wachtelarten und eine Menge Raubvögel, welche hier als Aasvertilger von grossem Werte sind. Die Vogelwelt setzt auch der übergrossen Vermehrung der Heuschrecken, Termiten und all der verschiedenen, massenhaft vorhandenen Insekten Schranken, unter denen die Tsetsefliege den nachhaltigsten Einfluss auf die von ihr heimgesuchten Gebiete. ausübt. Schlangen sind in Natal sehr häufig, das Krokodil kommt ausser den gemässigtesten Teilen überall, und schildpattliefernde Schildkröten kommen an den Ufern der Delagoa-Bai vor. Sowohl die Flüsse als die Küsten sind reich an Fischen, aber seltsamerweise wird derFischreichtum der Gewässer von vielen Völkern gar nicht ausgenutzt. Die Betschuanen und die meisten Kaffern haben eine Abneigung gegen den Fischgenuss, Viel unbekannter als Pflanzen- und Tierwelt sind, wie überhaupt in dem weitaus grösseren Teil des Kontinents, die Schätze, welche der Boden birgt. Am Oranje und Vaal sind Diamanten gefunden worden, und der Diamantenreichtum der dortigen Gruben ist trotz der bisherigen grossen Ausbeute noch lange nicht erschöpft.

Afrika Hand-Lexikon. Ein Nachschlagebuch für JedermannVon Paul Heichen, Leipzig: Gressner & Schramm 1885 · Bd. 3, S. 1234Scan: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen · gemeinfrei

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