FeedGasa-Land
GeschichteAfrika Hand-Lexikon 1885

Gasa-Land, das Reich des Königs Umzila im südöstlichen Afrika, er-, streckt sich im Norden bis zum Sambesi ; seine Südgrenze bildet der Unterlauf’ des St. George-River (Umkomati), wenig südlich von der Mündung des Limpopo; nach Westen dehnt es sich bis an den Transvaal-Staat und das Matebele-Reich, nach Osten bis an die portugiesischen Küstengebiete des Indischen Ozeans und die Gebiete der Mindongwe (von den Zulus „Tschobe‘ genannt). Es zerfällt in zwei völlig voneinander verschiedene Teile: das Gebirgsland im Westen und die bis zur Küste sich dehnende Ebene. Von Natal aus zieht längs der Küste nach Nord eine aus Sand- und Kalkmassen bestehende, unfruchtbare und an den höchsten Punkten nur wenige hundert Fuss sich erhebende‘ Hügelkette, welche schroff zum Meere abfällt; an einzelnen Punkten der Küste, wo das Festland in Buchten weiter zurücktritt, setzt sich die Kette auf den vorliegenden Inseln fort. In Natal und im Zululande schliesst sich an diese Küstenkette unmittelbar das Gebirgsland an, welches nach dem Innern terrassenförmig schnell zu bedeutenden Höhen ansteigt; höchste Bergspitzen sind: der Urobi und Sulindi (1220 m), der Schimanimani und Gundi-Inyanga (1370 m). Je weiter nach Norden, destomehr tritt das Gebirge von der Küste zurück, am Limpopo und Sabifluss beträgt der Zwischenraum 120—150 engl. Meilen. Diese Fläche bildet eine einzige grosse Ebene ohne jegliche Terrain-Unterschiede, die in der Nähe der Küste meistens mit sterilem weissem Sande, im Innern mit fruchtbarem rotem Sande bedeckt ist, aber doch eine üppige Vegetation nicht gedeihen lässt. Die Ebene ist meistens mit dichtem Busch und dornigem Gestrüpp bestanden und schliesst grosse Weideflächen ein, aus welchen vereinzelte Baumgruppen hervorragen; nur selten findet sich ‚höherer Baumschlag in Waldungen. Die Ursache dieser Erscheinung liest in dem Wassermangel, welchem diese Gegend unterworfen ist. — Ganz anders stellt sich das Gebirge dar; je mehr mau zu demselben ansteigt, desto üppiger wird die Vegetation infolge der reichlicheren Niederschläge, denn die Wasserdünste, welche als Wolken durch den Südostpassat vom Indischen Ozean dem Lande zugeführt werden, ziehen über die Ebene hin und gewähren dieser nur Schatten, während sie im Berglande zu Niederschlägen sich sammeln und hier zahlreiche Flüsse speisen. Der bedeutendste derselben ist der Sabi (1871 von Karl Mauch erforscht). Die Bevölkerung des Gasalandes besteht aus zahllosen kleinen Stänmen, die mit dem Kollektivnamen Tongas bezeichnet werden, obgleich sie wahrscheinlich verschiedenen Zweigen der afrikanischen Bevölkerung angehören. Unterworfen sind sie den Zulus, welche vor ca. 60 Jahren unter Führung eines Häuptlings Cnaba aus dem eigentlichen Zululande auswanderten, um der tyrannischen Herrschaft des Königs Tschaka zu entgehen, und hier ein eigenes Reich gründeten. Die Einwohner (Tongas) gehören zu den Bantu- oder Kafferstimmen, welche sich mit Viehzucht und Ackerbau beschäftigen. Sie zerfallen in mehrere Teilstäimme: Umlenga; Mindongwe oder Tschobe; Basiga oder Tonga; Makwaka; Malongwe oder Marongwi; Manhlin und Mandanda. Hauptstadt ist: Tschamatschama (oder Nodwengu), nahe der Quelle des Bosi, in 1039 m Meereshöhe (20° 23° s. Br., 30° 10° östl. L.). Das G. ist reich an Jagdgetier: die Ebene wimmelt von Antilopen, Elefanten, Wasservögeln, Guineahühnern etc., die Flüsse von Nilpferden und Krokodilen, im Gebirge hausen zahlreiche Büftelherden. Von Raubtieren gibt es Löwen, Leoparden, Hyänen.. Die roten und weissen Termiten sindeine schreckliche Lan dplage. Erforscht wurde das G. 1872—75 auf drei Reisen durch den bekannten Forscher und Jäger St. Vincent Erskine (s. d.); Ende 1879 versuchten jesuitische Missionäre von Gubuluwayo im Matebelereich aus im 6, Fuss zu fassen, doch vergeblich; im Juli 1820 bereiste Kapitän Phipson-Wybrants von Chiluana aus den Sabifluss, wurde aber, kaum vier Tagereisennoch von Umsilas Kraal entfernt, durch eine Krankheit hingerafft. Im Juni 1881 sandte die Bostoner Mis-Sionsgesellschaft eine Expedition nach dem Innern des Gasalandes.

Afrika Hand-Lexikon. Ein Nachschlagebuch für JedermannVon Paul Heichen, Leipzig: Gressner & Schramm 1885 · Bd. 1, S. 469Scan: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen · gemeinfrei

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