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ErdkundeAfrika Hand-Lexikon 1885

Theben, alte ägyptische Stadt, von welcher unterhalb Esneh noch grosse Ruinen vorhanden sind. Die ganze, etwa 4 Q-Ml. grosse Ebene war einst von dem hundertthorigen Theben bedeekt, das mit seinen Palästen und Tempeln sich massenhaft aus ‚der Ebene hob, während die Menge der Kolosse und Obelisken einem steinernen Walde gleich war. Auf seiner Ruinenstätte liegen die Dörfer Karnak und Luxor auf dem rechten, Gurnah und Medinet Abu auf dem linken Ufer des Nil. Die Ruinen von Theben gehören zu den schönsten Denkmälern ägyptischer Baukunst. „Mir war,“ schreibt ein Reisender, „als ob ich in eine Stadt träte, die ehemals von Riesen bewohnt gewesen, welche nach einem langen Kampfe alle aufgerieben worden, so dass die Ruinen ihrer verschiedenen Tempel als die einzigen Beweise ihres ehemaligen Daseins übrig blieben.“ Die hervorragendsten Bauten des 'Trümmerfeldes sind: bei Karnack der von Thotmosis I. erbaute Palast, auf einer Terrasse _von ?/, Ml. Umfang sich erhebend, mit dem herrlichsten Überrest ägyptischer Baukunst, einem Saal von 47000 Q-Fuss Flächeninhalt und so hoch, dass z. B. die Notre-Dame-Kirche in Paris darin Platz fände; die Sphinxen-Allee, welche von hier nach dem !/, MI. entfernten Bauten von Luxor führt, wo Amenophis um 1500 n. Chr. viele Tempel und Paläste aufführte der von Ramses dem Grossen oder Sesostris bei Gurnah und Medinet Abu erbaute Palast, in dessen Säulen- ‚hofe die sitzenden Kolosse des Königs und der Königin aus rotem Granit von Syene aufgeführt waren, das Postament 18, die Statue von den Hüften aufwärts 54 Fuss hoch. Die ganze weite Ebene ist voll Trümmer. Tempel, Kolonaden, Ob elisken, K.olosse. Mauern voll Gemälde und Ornamente aller Art sind chaotisch und wild durcheinander gestürzt, ruhen majestätisch durch eigenes Gewicht auf alter Basis oder dienen wieder als Grundlage für die schwächlichen Bauten jüngerer Jahrtausende. In der Iybischen Bergkette liegen die Katakomben von Theben, ein über 2 MI. langes Totenlabyrint, zuerst durch Belzonie. erforscht. „Wie in einem Bilderbuche ist in diesen Totenkammern das ganze Leben der alten Ägypter noch aufgeschlagen. Oft sind den Mumien ausser ihren „Reisepässen“, den Papyrusrollen mit dem Ausspruch des Totengerichtes, auch allerhand Geräte, Samen u. s. w. beigegeben. Weizenkörner aus Mumiensärgen sind vielfach zu kräftigen, reichliche und vielfache Frucht tragenden Ähren gezogen.“

Afrika Hand-Lexikon. Ein Nachschlagebuch für JedermannVon Paul Heichen, Leipzig: Gressner & Schramm 1885 · Bd. 3, S. 1266Scan: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen · gemeinfrei

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