Theben (arch. Thebä, neugriech. Thiva), die bedeutendste Stadt der Landschaft Böotien (s. d.), lag auf und zwischen mehrern Hügeln der Kette, die die Ebene des Kopais von dem Thale des Asopos scheidet. Der ans ehnlichste dieser Hügel lim südwestlichen Teile der Stadt gelegen) trug die Burg Kadmeia, die nach der Annahme der Alten von Kadmos (s. d.) und seinen phöniz. Begleitern gegründet worden sein sollte, eine Sage, als deren histor. Kern doch wohl die Ansiedelung eingewanderter phönizischer Semiten, der Kadmeer oder Kadmeionen, an dieser Stätte zu betrachten ist. T.s älteste Geschichte ist reich an Sagen: von Herakles und Dionysos, von Laios und seinem Sohne Odipus, von dessen Söhnen, den feindlichen Brüdern Eteokles und Polyneikes, von dem unglücklichen Heerzuge der sieben Fürsten und von dem spätern Rachezuge der Nachkommen dieser (der sog. Epigonen), der mit der Croberung der Stadt geendet haben soll. Nach der Einwanderung der 0 Böoter aus Thessalien schloß sich an die Kadmeia eine Unterstadt an, deren mit sieben Thoren versehene Ringmauer einen Umfang von etwas über 8 km hatte. Vor mehrern dieser Thore breiteten sich Vorstädte aus, sodaß der Gesamtumfang Tis zur Zeit seiner höchsten Blüte 13 km (70 Stadien) betrug. T. erstrebte frühzeitig eine dominierende Stellung den übrigen boot. Städten gegenüber als Vorort des Böotischen Bundes und mißbrauchte dieselbe mehrfach zur gewaltsamen Unterdrückung schwächerer Bundesglieder. Die Verfassung war eine streng aristokratische. Sehr nachteilig wirkte die antinationale Politik T.s während der Perserkriege, wo T. auf der Seite der Perser stand und als Verbündeter dieser bei Platäã gegen Athener und Spartaner kämpfte. Nach den Perserkriegen wurde T.s auswärtige Politik durchaus bestimmt durch die Feindschaft gegen Athen, mit dem es fast ein Jahrhundert lang in bitterm Hader und oft in Fehde lag. Der übermut der Spartaner nach dem Peloponnesischen Kriege entfremdete diesen aber auch die Thebaner, die sich mit Leidenschaft 395 dem Bunde gegen Sparta anschlossen. Der Friede des Antalkidas (387 v. Chr.) machte zwar den Feindseligkeiten in Griechenland ein Ende, aber die Erbitterung der demokratischen Thebaner gegen Sparta erreichte den höchsten Grad, als 383 der Spartiat Phöbidas im Einverständnis mit der Oligarchie die Kadmeia besetzte. Die Vertreibung der spartan. Besatzung durch eine kleine Schar demokratischer Patrioten 379 war das Signal zum Ausbruch eines Kriegs zwischen T. und parta, durch welchen ersteres sich nach der Schlacht bei Leuktra 4371) zu der Stellung der Hauptmacht Griechenlands aufschwang, eine Stellung, die es freilich nur bis zum Tode des Epaminondas (s. d. und Grie chenland) behaupten konnte. Wie früher der Haß gegen Athen, so war es zuletzt der Haß gegen Phokis, der die Thebaner zu einer unglückseligen Politik verleitete. Sie entzundeten den furchtbaren Phokischen oder Heiligen Krieg (356—346), riefen endlich 347—346 König Philipp II. von Macedonien zur Hilfe gegen die Phoker herbei und gaben diesem dadurch die bequemste Gelegenheit zur Einmischung in die innern Angelegenheiten Griechenlands. Zwar erkannten sie später ihren Fehler und schlossen, durch Demosthenes bewogen, ein Bündnis mit den Athenern gegen Philipp; aber sie wurden nebst diesen bei Chäronea nach tapferm Kampfe von Philipp geschlagen (338) und mußten eine macedon. Besatzung aufnehmen. Als sie dann nach Philipps Tode dieses Joch abzuschütteln suchten, zog Alexander mit Heeresmacht herbei, eroberte die Stadt und zerstörte sie gänzlich (335 v. Chr.). Zwar wurde sie 316 durch Kassandros mit Hilfe einiger griech. Staaten, besonders Athens, in ihrem frühern Umfange wiederhergestellt, gelangte aber nie wieder zur Blüte. Sulla nahm ihr 86 v. Chr. die Hälfte ihres Gebietes, und um den Beginn unserer Zeitrechnung erschien T. als ein bloßes Dorf und war im 2. Jahrh. n. Chr. auf den Raum der alten Kadmeia beschränkt. Denselben Raum nimmt auch das heutige Thiva ein, ein Landstädtchen von (1879) 3509 E., das in der neuesten Zeit mehrfach durch heftige Erdbeben gelitten hat und Hauptort einer Eparchie in der Nomarchie Attika und Böotien, wie auch Sitz eines Bischofs ist.