FeedTheben
ErdkundeBrockhaus 1882

Theben, Thebe, häufiger im Plural Thebä, war der Name mehrerer Städte im Altertum, unter denen die berühmteste die Hauptstadt Oberägyptens. Der Name ist unerklärt; ägyptisch hieß die Stadt Ueset, ihr Tempelbezirk (das heutige Karnak) hieß Opet. T. war ursprünglich eine unbedeutende Provinzialstadt und auf den ältern Denkmälern wird sie und ihr Gott Ammon kaum erwähnt. Eine Bedeutung erhielt sie erst seit der elften Dynastie (etwa 2300 v. Chr.), die von hier stammte, und ganz besonders seit der Vertreibung der Hyksos (etwa um 1550 v. Chr.). Von dieser Zeit an war es die unbestrittene Hauptstadt Agyptens und sein Gott Ammon ward zum König der Götterv. Die meisten seiner Tempel und Gräber gehören in diese Epoche. Seit dem 1. Jahrtausend etwa trat T. mehr und mehr hinter unterägyptischen Städten zurück, den Todesstoß versetzte ihm wohl Kambyses' Eroberung. Zu Strabos Zeit war es schon in Dörfer zerfallen, doch sind seine Heiligtümer noch bis ins zweite Jahrhundert n. Chr. restauriert und erweitert worden. Die Stadt T. lag auf dem Ostufer, beim heutigen Dorfe Karnak, um den großen Tempel des Ammon und die beiden kleinern der Mut und des Chons herum. Eine halbe Stunde südlich, am Flusse, beim heutigen Luksor, lag die Hafenstadt, ebenfalls mit einem großen Heiligtum des Ammon. Das Westufer diente ursprünglich nur als Begräbnisplatz (die Königsgräber liegen abgesondert im Gebirgsthale Biban-el-moluk); auch die Tempel auf diesem Ufer waren alle zum Kultus der verstorbenen Könige bestimmt. Nur der Tempel beim heutigen Medinet-Habu war dem Ammon gewidmet; er gehörte einer besondern Ortschaft an, in der Ramses III. auch einen noch vorhandenen Palast erbaut hat. Das Westufer ward von den Griechen die Memnoniens genannt, heute heißt es Gurnah. Einen großen, sorgfältig gearbeiteten Situationsplan der thebanischen Ebene publizierte Wilkinson. Ein anderer findet sich in dem Werke der preuß. Expedition „Denkmäler aus Agypten und Athiopien» (Berl. 1849—59), welches auch die genauen Pläne aller einzelnen Tempel enthält.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 607Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 4

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6