Feedägyptischer Stil
BaukunstBau-Lexikon 1881
Fig. 74. Durchschnitt der Pyramide von Sakkarah.
Fig. 74. Durchschnitt der Pyramide von Sakkarah.

ägyptischer Stil, m., frz. architecture égyptienne, engl. egyptian style. Das älteste Volk, dessen Bauweise sich zu einem vollständig geordneten Baustil heranbildete, war das Volk der Agypter. Sie wohnten in dem von Felsenreihen und Wüsten eingeschlossenen Thal, welches der Nil durch Ueberschwemmungen jährlich befruchtet, im heutigen Agypten u. Nubien (früher Athiopien). Ernstes, fleißiges, immer wachsames Entgegenarbeiten gegen die schädlichen Einflüsse der benachbarten Wüste und der Nilüberschwemmungen, weise, umsichtige Regelung und Benutzung der letzteren, beide zur Existenz dieses Volkes nöthig, gaben seiner geistigen Thätigkeit eine eigenthümliche Richtung, die noch schärfer durch Regierungsform, Verfassung u. Religion begrenzt wurde. Strenge Priesterherrschaft, wohlgeregelte Kasteneintheilung, hohe mathematische Kenntnisse befähigten die herrschende Priesterkaste schon früh, das Volk ganz nach Willen zu leiten. Alles dies nun sprach sich natürlich auch in Form und Wesen der ägyptischen Baukunst deutlich und klar aus, die so lange fast stereotyp blieben, als die Religion, getragen von der Priesterschaft, dieselbe war. Die Bauwerke verrathen vor allem die Grundzüge riesenhafter Willenskraft, Ausdauer und Energie, weiser Benutzung des vorgefundenen Materials, klug berechneter Vereinigung des Zweckmäßigen mit dem, dem gemeinen Volk als heilig Geschilderten. Alles ist mit weiser Ordnung, Besonnenheit und Konsequenz behandelt, Alles für ewige Dauer berechnet und ausgeführt. Diese Haupteigenschaften erhielten sich fast durch die ganze Zeit ägyptischer Kunst, von etwa 4000 vor Christo, wo der erste pharaonische König Menes oder Mena die äthiopische Priesterkaste von der nominellen Herrschaft verdrängte, bis zum Jahr 395 nach Christo, wo Theodosius begann, die ägypt. Tempel vom Götzendienst zu säubern und zu zerstören. Dabei muß man jedoch an keinen vollständigen Stillstand denken, vielmehr läßt sich dieser Zeitraum füglich nach der Kunstentwickelung in 8 Perioden theilen. Zunächst müssen wir die Spuren einer vorbereitenden Periode erwähnen, die wir in schwachen Ueberbleibseln finden, welche vielleicht aus dem sechsten Jahrtausend vor Christus stammen. Noch erkennt man quadratische Außenwälle und Mauerreste von Substruktionen. Oberbauten und etwaige Hallen etc. mögen in dieser Zeit von Holz errichtet gewesen sein, wie aus manchen, dem Holzbau entnommenen Formen auch der ältesten erhaltenen steinernen Bauten zu schließen ist, und zwar einem schon künstlerisch entwickelten Holzbau, ein Umstand, der auf Jahrtausende vorhergehender Kultur schließen läßt. Die erste Periode nun historisch nachweisbarer Kunstthätigkeit umfaßt die Zeiten der 1. bis 12. Dynastie (etwa von 4000 bis 2380 vor Christus). Von den ersten Bauten in Memphis (Stadt des Menes), welche unter der ersten Dynastie errichtet wurden, scheint nichts mehr erhalten zu sein. Die Bergwerke aus der Zeit des Snefru in Wadi Maghära auf der Sinaihalbinsel gehören nicht eigentlich hierher. Die ältesten erhaltenen Bauten außer dürftigen Resten in This (Abydos) sind der sogenannte Mastabat el Pharaoun, südlich von Sakkarah, u. die Beamtengräber an der Pyramide des Chufu (Cheops) bei Gizeh, länglichviereckige, ziemlich niedrige Quaderbauten mit schrägen Wänden, erstere mit dem feinen Kalk von Mokattem letztere ganz ohne Mörtel versetzt. Der Mastabat besteht aus einem von geböschten Mauern umgebenen Hof, dessen Peristyl von 12 viereckigen Pfeilern getragen ward. In der nordöstlichen Seite ist der Eingang und in der S.⸗W.⸗ Ecke des Hofs führt eine Thüre zu einem kleinen Gemach mit Statue und Räucheraltar. Von da gelangt man in den eigentlichen Grabraum, unter welchem der Sarkophagraum liegt. Die hier erhaltenen Thüren sowie in mehreren der Beamtengräber die an der Ostseite angebrachte Thüre zu dem Gemach der Todtenfeier zeigen in ihrem runden Deckbalken bereits die Nachahmung der Holzbauformen in Stein. Die Westseite öffnet sich in einen zu dem Sarkophagraum führenden Schacht. Selbst wenn uns nicht die Chroniken Agyptens erzählten, daß unter dem der ersten Dynastie angehörenden König Atothes, Erbauer der Königsburg von Memphis, Säge, Hausteinmauerung und Schrift erfunden worden seien, würden wir an der in der dritten Dynastie, etwa um 3500 v. Chr., erbauten Pyramide von Sakkarah allein schon die damals gewonnenen Fortschritte der Technik erkennen. Die genannte Pyramide (Fig. 74) und die ähnliche, aber nur in drei Hauptstufen aufsteigende, auch mit zwei thurm-Aufbauten auf dem Gipfel bekrönte Pyramide Meydun (fünfte Dynastie) zeigen deutlich, daß die Pyramiden, ähnlich denen der Olmeken, in geböschten Stufen errichtet wurden und zwar derinnen nach außen fortschreitend, daß die Pyramide für vollendet gelten konnte, wenn der Tod den be-König, der sie für sich als Grab baute, während des Baues überraschte. Dies geschah offenbar bei beiden erwähnten, von denen namentlich die zu Meydun mit ihren großen, sehr steilen Stufen auffällige Ahnlichkeit mit'der Moschee zu Timbuktu hat. Nachdem die Hauptmasse zu erwünschter Ausdehnung aufgeführt war, fing man dann von oben herab an, die großen Stufen zunächst durch kleinere und endlich schräg auszufüllen. In diesem Stadium wurde die Erbauung der Steinpyramide von Daschuhr (fünfte Dynastie) unterbrochen, daher ist dieselbe in ihrem oberen Theil schon flach (unter 427) abgeschrägt, während unten noch die steilere Böschung (55 sichtbar ist. Die andere Pyramide bei Daschuhr ist nur von Lehmziegeln erbaut und mit Quadern bekleidet gewesen. Sie enthält an der Nordseite einen Vorbau mit dem Gemach für die Leichenfeier, welches durch übergekragte Steinschichten im Spitzbogen geschlossen ist. Die drei Pyramiden von Abusir sind aus Bruchsteinen mit Nilschlamm als Mörtel erbaut und mit Kalksteinquadern verkleidet. Sie messen 50—70 m. Der 4. Dynastie gehören die drei großen Pyvon Gizeh an, deren älteste und größte von (Cheops) 3095 ff., die zweite von Chafra (Chephren) die dritte von Menkera, Menkeres (Ramenke Mykerinos) 2966 ff. erbaut ward. Pyramide des Cheops, von der wir in Fig. 75 einen Durchschnitt geben, hat nach Thevenot's Messung 227 m Basislänge, 137 m. Höhe und 208 Stufen, die vormals V der des Menkera, ist eben Architektonische Theile sind leider nicht er-Doch sind uns für die Beurtheilung ihrer Fornicht alle Spuren verloren gegangen. Unter Phiops, welcher der 6. Dynastie angehörte, etwas Chr. lebte und die ersten Obelisken errichtet sind auch die Grottengräber in Zauiet el Meitin Benihassan entstanden, deren Wandbilder, zusammenmit jenen kümmerlichen Tempelresten an der Ostseite der Chafrapyramide, mit der alten Cella des übrigens neuen Tempels Tothmes' III. in Theben, mit den blinden Thüren und den, Palmenstämme nachahmenden, Decken der genannten Felsengräber, endlich mit dem Sarkophag des Königs Menkera (Fig. 76), uns in den Stand setzen, einen Schluß auf die Tempelformen dieser ersten Periode zu thun. Danach bestanden diese Tempel sämtlich, den von Mena (um 4000 v. Chr.) dem Phtah zu Ehren errichteten vermuthlich nicht ausgenommen, im wesentlichen aus einer langgestreckten Cella mit oder ohne geschlossene Vorhalle, umgeben von einer Pfeilerhalle, deren Pfeiler aber erst auf hohen Brüstungsmauern begannen. Ursprünglich waren diese Pfeiler viereckig, allmählich wurden zunächst blos die den Eingang flankirenden, dann auch die anderen durch Verbrechung der Ecken zu achteckigen, dann sechzehnseitigen, endlich runden Säulen. Die Eckpfeiler mußten nun um der Festigkeit willen stärker, besonders breiter gemacht werden; dann wurden die Zwischensäulen bis zum Fußboden herabgeführt, und nun stand die Brüstung zwischen ihnen. Man hatte gelernt, Brüstung von Gründung, ausfüllende, schließende Theile von stützenden zu unterscheiden, sah aber auch in den Stützen nicht mehr bloße Gestellträger, sondern zugleich Begrenzung der Offnung. So wurde der Eckpfeiler aus einer verstärkten Stütze zum Mauerstück, die Halle war nicht mehr ein um den eigentlich baulichen Kern gestelltes Gerüst, sondern zeigte sich als Fensterreihe in der Mauerumfassung. Infolge dessen gab man nun auch ihr die geböschte Gestalt, welche schon längst die aus Lehm aufgeführten Wände der Wohnhäuser, die Wände der Cella und die Stufenwände jener ältesten Pyramiden gehabt hatten. Das Dach war wohl schon bei den vorhergehenden Holzbauten ziemlich, von Beginn des Steinbaues aber ganz flach. Die Hohlkehle des Simses scheint ebenfalls nicht zu den ursprünglichen Formen zu gehören. An dem Sarkophag des Menkera tritt sie zuerst auf. Gerade dieser aber zeigt gleich jenen blinden Thüren Formen, welche auf einen früheren Holzbaustil deuten, der jedenfalls auch auf die erwähnten Bildungen Einfluß hatte, die den Schluß dieser Periode bezeichnen. Zweite Periode. Die hervorragendste Stelle unter den betr. Bauten gebührt den Werken der 12. Dynastie (nach Lepsius 2380—2171 v. Chr.). Die von Usẽurtesen IILerrichteten Burgen zu Semneh u. Kumnée, der von ihm erbaute, von Thotmes III. reparirte Tempel zu Kumnse mit seiner gestreckten Cella, der Tempel des Amenemeha III.“ zu Sarbut el Chadem, das Allerheiligste in Karnak, von Usurtesen III gebaut, ein großer Theil der Gräber bei Benihassan und viele andere Werke dieser Zeit zeigen die dem Steinbau direkt angehörige protodorische Säule in! ihrer ersten, einfachsten Form, zeigen aber namentlich auch zum Theil das entschieden auf vorhergehenden Holzbaustil deutende Gebälk mit Tropfen. Wir geben in Fig. 77, 78,1 „9 und 80 eine Außenansicht, einen Durchschnitt und das Pfeilerdetail eines der Gräber von Benihassan. Amene-1 meha III., genannt Möris, war es auch, der die Wunder-I werke in Fayum, den künstlichen See und das Labyrinth, f schuf. Die Pyramide an der vierten Seite des an drei l Seiten von Regierungsgebäuden umzogenen Labyrinthhofes und die beiden Pyramiden im See bestanden aus Lehmziegeln und sind verschwunden. Sie zeigten nach der Beschreibung des Strabon und Herodot bereits die ausgebildetste Pyramidenform, der wir in Agypten überhaupt begegnen, mit Vorterrasse, pylonenbekrönter Vorhalle u. Bekrönung durch eine Statue oder ein Tempelgebäudchen, ähnlich den später in Meros errichteten. In dieser Zeit lommen zwei Formen von aufrecht stehenden Monolithen vor: neben den allbekannten Obelisken, quadratischen l! Spitzpfeilern, erscheinen noch Standplatten von recht-I eckigem Querschnitt, etwas verjüngt und oben bogenförmig abgeschnitten. Das sind weltliche Erinnerungszeichen, während die Obelisken, deren ursprünglicher Name Menu lautete (55694906, Spießchen, ist ein griechischer Spottname), dem Sonnengott Ra geweiht sind, dessen Verherrlichung auch oft ihre Inschriften gelten. Der älteste bekannte Obelisk, der von Heliopolis, ist von Usẽurtesen er-Fig. 76. Sarkophag des Königs Ramenka (Menkera). richtet. So wurden in dieser zweiten Periode bereits alle Grundzüge zu dem ägyptischen Stil gegeben. Dritte Periode, cirea 2170—1680 v. Chr.; die 13. bis 17. Dynastie. In dieser Zeit schwerer Kämpfe mit den eingedrungenen Hirtenvölkern Asiens, den Hyksos, kam das Land nicht zur Ruhe; kein Wunder also, daß wir aus dieser Periode weder von großen Bauten noch von Fortschritten in der Kunst melden können. Ganz ruhte die bauliche Thätigkeit allerdings nicht. Einzelne kleine Tempel, Festungen 26., entschieden auch Statuen etc. wurden errichtet, wie wir denn die Statue eines Flußgottes zu Tanis aus dieser Zeit besitzen. Zwei wichtige Veränderungen auch vollzogen sich unter dem Einfluß der Hyksosherrschaft. Erstens verdrängten die Koilanaglyphen die bis dahin vorherrschend üblichen Flachreliefs, und zweitens nahm der Ziegelbau noch mehr als früher überhand, weil der Krieg den Vierte Periode, cirea 1680—729 v. Durchschnitt eines Grabes bei Benihassan. Chr., 18. bis 23. Dynastie. Dem Heldenkönig Thotmes III. war das von seinem Vorgänger begonnene Befreiungswerk gelungen. Die Hyksos waren vertrieben; das Land athmete wieder auf, Macht u. Wohlstand Agyptens blühten empor und die Glanzperiode ägyptischer Kunst brach an. Der Reichstempel zu Karnak wurde von jedem bibliothek Heidelberg Könige vergrößert. Tempel u. Paläste und bei so unausgesetzter Gelegenheit machten Kunst und Technik rasche Fort-Bauten knüpfen an die Formen des die sich auch noch lange erhalten. Der von Thotmes III. erbaute Tempel zu Amada, mit seiner fast an das Etruskische erinnernden Anlage dreier Zellen neben einander, zeigt jene vieleckigen protodorischen Säulen, die wir in einem von demselben König erbauten Nebensal des hinteren Palastes in Karnak wiederfinden, die uns auch an dem von Amenophis ILerrichteten Tempel des Hor Amun zu Wadi Halfa und an zwei Bauten Amenophis' III. wiederum begegnen. In Karnak zeigen sie sich in gesunder Weise weitergebildet Fig. 81), an dem Tempel bei El Kab und in Sedinga aber tragen die 16seitigen Pfeiler bereits Hathormasken. Selbst der unter Rhamses II. erbaute Höhlentempel zu Kalabsche zeigt noch die gestreifte Säule von 32 Seiten, von denen vier glatt, die anderen hohl, als Kanälirung gestaltet sind. Aber es treten nun auch andere Formen als tonangebend auf, welche bald jene einfachen verdrängen. Wir meinen die schon beim Labyrinth und in Benihassan vorkommenden Bündelsäulen, eine Nachbildung der aus mehreren zusammengeschnürten Stämmen bestehenden Holzpfeiler, die runden Säulen, als Vertreter des gereiften Steinbaues, die viereckigen Pfeiler mit daran gestellten Statuen nebst den diesen Schaftbildungen entsprechenden Kelchkapitälen, Knospenkapitälen etc. Andeutungen dieser Form finden sich zwar schon auf Wandmalereien aus dem alten Reich, aber wirkliche Säu-Gestalt sind uns erst an den Bauten der in Periode erhalten. Namentl. unter Sethos J. Rhamses II. (Sesostris) entstanden Osiristempel in Abydos u. das Memferner unter Rhamses III., 20. Dynastie aus Karnak. Fig. 82. Vom Rhamesseion. Rhamesseion. Das hundertthorige Theben, jetzt die Orte Karnak, Luxor, Medinetstehen, ferner die Tempel von Wadi Hossayn, Abu Simbel (Ipsambul), der Kalabsche, die Memnonssäulen und Ehr) zuerst t Wenen Wahtid . Fig. 83. Auch die hypostilen Säle mit erhöhtem, oben von der Seite beleuchtetem Mittelschiff traten jetzt auf. Fig. 84 3 ein Beispiel vom Südtempel zu Karnak, Fig. 85 der Grundriß, in welchem A B die Linie des obigen Durchschnitts bezeichnet. Einen A der schönsten dergl. Säle enthält das Rhamesseion Fig. 87. Der stetig steigende Einfluß der Priester zeigt sich in immer riesenhafteren Umfang, * II den immer komplizirter werdenden Dispositionen der Tempel, von denen Fig. 85 freilich nur Fig. 83. ein sehr einfaches Beispiel ist, Grabtammerwölbung. in der Anlegung der Todtenstädte, in dem Aufhören der Pyramidenbauten, an deren Stelle gebaute oder in den Felsen eingegrabene Königsgräber treten. Fünfte Periode, 729 —525 v. Chr. Der minder gebildete Bewohner AÄthiopiens haat über die verweichlichten Insassen von Agypten. Die äthiopischen Könige bauten, aleich den früheren Herrschern, Kanäle und Straßen, nahmen Restaurationen in Luxor vor; auch nahmen sie den Pyramidenbau wieder auf. Auf der Insel Meros sindüber 170, am Berge Barkal ebenfalls sehr viele solcher Pyramiden, von Ziegeln errichtet u. abgeputzt, erhalten, von denen viele im Spitzbogen gewölbte Vorhallen haselben Zeit stammen der Temben (s. Fig. 86, 88). Aus der1 des Phtha und der große östliche Tempel am Berge Varkal, der Tempel zu Mauri etc. Die Kapitäle sind mit Isisköpfen und sogenannten Typhongestalten verziert, doch kommt auch das Knospenkapitäl vor. Unnter der Dynastie von Sals nahm die ägyytische Kunst nochmals einen Aufschwung. Die damals begonnenen Bauten von Philä, die Mauern und das Südthor des Phtahtempels zu Memphis etc. zeigen sehr feine, zierliche Verhältnisse u. Formen. Das Palmenblätterkapitäl wird in dieser Zeit vielfach angewendet, kommt aber schon unter der 19. Dynastie in Tanis vor. Amasis gab einen Beitrag zum Tempelbau von Delphi und stand auch sonst in regem Verkehr mit den Griechen. Sechste Periode, 525—331 v. Chr. Die altehrwürdige ägyptische Kunst drohte unter der eisernen Faust der Perserherrschaft zu ersterben. Aber noch einmal gelang die Befreiung um 404 v. Chr., und wenn auch bis um 380 n Reparaturen der T Tempel. E werden konnte 5 —16 des — SISIIOTHEE HEIDELBERG waren im Stande, die zierlichen Anbauten an das Rhamesseion in Medinet-Abu, den eben sofeinen Hathortempel auf der Insel Philä In der siebenten Periode, 331 —30 v. Chr., unter den Ptolemäern, wurde trotz der eindringenden griechischen Kultur doch noch ziemlich im alten Stile fortgeschaffen. Aus dieser Zeit stammen die Tempel von Denderah, Fig. 90, Edfu, Esneh, sowie ein Theil der Bauten auf Philä. Der griechische Einfluß gab sich namentlich in zwei neuen, dabei aber den ältesten wieder sich nähernden Bauformen kund. Die Mamme-isis, die Geburtsstätten der Gottheit, Tempel zu Denderah. welche lange Zeit für Typhonien, Heiligthümer des zerstörenden Gottes des Reichthums, Typhon, gehalten wurden, bestanden aus einer Zelle mit Vorhalle und hinterem Raum (Opisthodomos), rings von einer Säulenhalle umzogen: ihr Unterbau enthielt Archive und Schatzkammern; die zu Auferziehung heiliger Thiere bestimmten Gebäude bildeten blos ein offenes Säulengehege mit hohen Brüstungen zwischen den Säulen, wie ein solches in Fig. 89 links klein, in Fig. 91 größer dargestellt ist. Selbst in der achten Periode, 30 v. bis 560 n. Chr., die eigentlich den Verfall der ägyptischen Kunst infolge der römischen Herrschaft bezeichnet, erhielt sich doch die heigebaut ist. angedeutete Entwickelungsgang vollständig übersehen, auch zeigt durch alle diese Perioden hindurch und bei allen Fortschritten und Modifikationen dennoch der eigentliche Stil keine totale Umwandlung, bis endlich unter der Römerherrschaft durch das Eindringen der Christenheit der alte Glaube und mit ihm auch die ihm dienende Baukunst zu Grunde geht, die unbedingt diejenige ist unter den sogenannten vorklassischen Bauweisen, die am ungestörtesten aus sich u. aus dem Boden herausgewachsen ist, auf dem sie wurzelte, ehe sie (um 1600 v. Chr., s. oben bei der vierten Periode) von der Hierarchie fixirt wurde u. demgemäß zu einem starren System sich gestaltete, welches sich am deutlichsten im der Sekos, der Käfig des Allerheiligsten wurde, umgeben Prozessionen und Peri-Wallfahrer; s. Fig. 85 (vom 87 vom Rhamesseion. der Jungfrau und des Widder zusammengesetzt, geheimnisvoller Weisheit. Eine Allee solcher Sphingen, auch wohl mit sitzenden Kolossen oder Widdern abwechselnd, genannt Dromos, oft 32 m. breit und 120 m. lang, führt von einem isolirten Portalbau zu dem Eingang des eigentlichen —484 Tempelbaues; s. Fig. 85 und 92. Die vor dem Eingang des Vorhofs stehenden Pylonen (Fig. 93) sind 2 der Isis und Nephtys geweihte breite Thürme, die das Heiligthum wahren, und werden bei festlichen Gelegenheiten mit Fahnen re. geschmückt. Durch die Konstruktion aus trocken über einander gelegten Steinen u. das jährlich sich wiederholende Andrängen des Nilwassers war es bedingt, daß die Mauern nach oben zu anliefen. Um das Ueberstäuben des Wüstensandes, der vom Sturm an diesen schrägen Mauern in die Höhe getrieben wurde, in das Innere der dahinterliegenden Höfe zu verhindern, sowie um die Mauern und die darauf angebrachten Malereien bis zum Fuß vor dem Regen zu schützen, bekrönte man sie mit einer weit ausladenden schattigen Hohlkehle, siehe Fig. 94, welche durch einen Rundstab von der Mauer getrennt ist, an deren Ecken, um dieselben vor dem Bestoßen durch die „Flut zu schützen, sich ein ähnlicher zieht. Zwischen steht das Portal, meist nach oben verengt, mit scheitrechtem Sturz überdeckt u. mit einer großen Hohlkehle bekrönt. Als Verzierung dieser Hohlkehle über dem Portal findet sehr häufig eine rothe, geflgelte Kugel mit zwe Uräusschlangenhälsen u.⸗Köpfen, das Symbol des Horus 3. Pylonen vom Tempel zu Edfu. als Sieger über Typhon, indem er im Kampf gegen das Böse die Gestalt einer geflügelten Sonnenscheibe annahm. Zu den Seiten dieses Portals standen Fahnen in senkrechten Einschnitten der Mauerfläche, meist auch Bildsäulen (s. Fig. 93) oder Obelisken, welche, sowie die Mauerfläche der Pylonen, mit Basrelief-Darstellungen oder mit Hieroglyphenschriften bedeckt sind. Durch das Portal gelangt man in den Vorhof, s. Fig. 95 (vom Tempel zu Philä), der von Säulengängen umgeben ist. Bei größeren Tempeln folgen mehrere Vorhöfe hinter einander, deren Eingänge wohl auch nochmals mit kleineren Pylonen besetzt ind. Das Rhamesseion Fig. 87 z. B. hat zwei Höfe, deren vorderer vielleicht noch unvollendet ist. Der zweite, als Peristyl gestaltet, ist der eigentliche Tempelvorhof. Auf der dem Eintretenden gegenüberstehenden Seite des Vorhofs nun erhebt sich der vielsäulige Raum ( B in Fig. 85 und 87). Diese Halle ist häufig nur an den Seiten durch Mauern abgeschlossen; die Vorderseite bildet dann, wie in Fig. 90, eine Säulenstellung, die sich im Innern so oft wiederholt, als es die Größe der Vorhalle verlangt, orhof zum Hathortempel von Philä. damit die nöthige Stützung für die Decke erlangt werde. Diese Decken bestanden früher nur aus Steinplatten, später, d. h. eirca von 800 v. Chr. an, hier und da aus bibliothek Heidelberg DFC flachen Ziegelgewölben (indem die Aegypter Holzdecker bei Tempeln verschmähten), konnten also in beiden Fäller nicht weit frei liegen. Die Säulenweiten nach dem Vorho zu sind im untern Drittheil durch eine starke Brüstungsmauer verschlossen, und blos in die Mittelsäulenweite is ein Portal eingebaut (in Fig. 90 fast verschüttet). Diese viel säuligen Hallen waren häufig, um Licht einzulassen, ale Hypostyla, d. h. nach Fig. 84, gestaltet u. gaben das Vorbild zu den ägyptischen Sälen der nömer; das Dach dieses Hypostyls stand dann auch wohl über die Seitenräume empor, wie in Fig. 92. Hinter demselben schließt sich meist noch ein kleinerer Säl mit Säulen und dann das eigentliche Heiligthum an, ohne Säulen, niedriger, meist von mehrfachen Mauern umzogen, oder auch als monolithe Kapelle wie in Edfu. Dieses Heiligthum war wohl vielfach zugleich der Stall des geheiligten Thieres, wie man denn auch in solchen Räumen Thiermumien in monolithen Behältern gefunden hat. Das Heiligthum ist entweder von kleineren Räumen umgeben, die sich direkt um dasselbe reihen, wie in Fig. 87, oder steht isolirt in einem Hof, wie in Edfu und im Südtempel von Karnak Fig. 85). Die kleinen Nebenräume, die sich in letzterem Fall um diesen Hof anschließen, enthalten Sakristeien, Ankleidezimmer, auch Fig. 96. Säule aus Luxor. wohl Wohnräume für die Priester, Laboratorien etc. und sind oft in 2 Stockwerken über einander angelegt. Der Tempelbezirk enthielt auch häufig noch Herbergen für die Wallfahrer, Nebentempel etc. Fig. 89 zeigt die Hinteransicht eines Tempels. So weit die Anlage der Tempel; nun noch einige Bemerkungen über die Details, wie solche sich in dem entwickelten ägyptischen Stil darstellen. Mauerflächen, Säulen etc. wurden meist erst nach dem Versetzen Fig. 97. Aus Philä. Fig. 98. Aus Edfu. bearbeitet; ein sehr zweckmäßiges Verfahren, welches alle Völker des Alterthums befolgt zu haben scheinen. Die Dächer sind ganz flach und liegen etwas tiefer als die Oberkante der Umfassungsmauern, so daß diese die Brüstung der Plattform bilden, was durch die Konstruktionsweise bedingt und durch das trockene, regenlose Klima erlaubt war. Durch die Hitze wurden große hohe, luftige BLIOTHIEK IDELBERG O Universitatsbi nRäume und starke Mauern mit kleinen und wenigen Oeffnnungen gegen Süden, größeren gegen Norden hin bedingt. ofDie Säulen bildeten in den ersten 5 Perioden nie die Ecken des Gebäudes, sie waren zwischen Mauerwerkpfeiler gestellt; die Anordnung des Gebälks s. Fig. 90 bis 95, 97 „und 100. Selbst bei schmalen Tempeln ist die Fronte breiter als hoch; dadurch bedingt sich ein kurzes, gedrungenes Verhältnis der Hauptsäulen, die zwis Durchmesser hoch sind, während die Säulen der Portiken im Vorhof re. oft viel schlanker sind. Säulenfüße fehlen entweder oder sind nach Fig. 80, 81, 96, 98 u. 99 gestaltet. Der Schaft hat etwas Verjüngung, aber ohne Entasis, Fig. 99. Aus Denderah. Fig. 100. Aus Medinet-Abu. auch wohl unmittelbar am Sockel eine kurze Einziehung, 96. Das Kapitäl hat ungefähr (an pedantische Regeln banden sich die Alten niemals) anderthalben Durchmesser Höhe und ist auf sehr verschiedene Weise gestaltet. Die hauptsächlichsten vorkommenden Formen sind folgende: 1. Knospenkapitäl. Ein abgestutzter Kegel, oben etwa so stark wie der obere Säulendurchmesser, unten am stärkeren Ende mittels einer kurzen Einziehung mit dem Säulenschaft verbunden. Fig. 96 (aus Luxor) zeigt diese Form sowie die Methode ihrer Verzierung, Fig. 101 und 102 eine andere Modifikation derselben Hauptform, zugleich auch die oben erwähnte Form des Schafts in Nachbildung von 4 zusammengebundenen Holzstämmen, also auf die frühere Holzkonstruktion zurückdeutend. Manche erklären die Stengel als Papyrusstäbe. — 2. glockenförmiger oder tulpenähnlicher Rumpf mit Lotosblättern und Blüten, Muscheln etc. besetzt; siehe Fig. 82 (aus Theben), 9⁷ (aus Philä); der obere Umschlag ist häufig mit einer Reihe, die einzelnen Blattüberschläge andeutender, Einkerbungen, etwa gleich einem Eierstab, verziert. — 3. steile Hohlkehle mit stehenden, überhängenden Palmenblättern; s. Fig. 98 (aus Edfu). — 4. umgekehrter, abgestutzter Kegel mit Götter-Fig. 101. Vierstengelige Fig. 102. kleiner Glieder verziert, oder auch durch große Sphinxköpfe, Isismasken oder dergleichen ersetzt; siehe Fig. 99 (aus Denderah). Die Deckplatte des Kapitäls ist eine glatte, blos durch Farben verzierte, quadratische Platte, deren Breite ungeführ die des oberen Säulendurchmessers ist, offenbar damit der in gleicher Breite sich darauf legende steinerne Fig. 105. Grundriß und Längendurchschnitt des Tempels von Ip Tragbalken die ausladenden, oft sehr schwach und zart gearbeiteten Kapitälverzierungen nicht beschädige. Oft sind auch die Säulen durch Osirispfeiler, d. h. glatte viereckige Pfeiler mit daraus hervorstehenden karyatidenähnlichen, aber nicht tragenden Statuen, ersetzt; siehe Fig. 100 (aus Medinet Abu). Eigentliche Fenster kommen nicht vor, wohl aber kleine schießschartenartig gestaltete Luken; durch größere Fenster wäre der Sand zu leicht eingedrungen. Die größeren „Lichtöffnungen in den Mittelschiffen der hypostylen Säle sind mit steinernen Fensterkreuzen versehen und so in kleinere Offnungen eingetheilt. Das Material zu den Tempeln war meist Sandstein. Die Obelisken, Sphingen etc. waren in der Regel von Granit, und zwar Monolithen. Die großen Flächen der Wände bedeckten die Agypter )durch Eintheilung in Streifen oder Felder, reich mit Bildnereien, Bilderchroniken, Inschriften etc. besetzt. AUnter den verzicrungen kehren besonders folgende häufig wieder: Die Lotosblume, als Attribut der Isis und „Symbol der Fruchtbarkeit, der erzeugenden Kraft. Die psambul. (Mäßstab 1 : 600.) Hemispeos zu Dschirscheh. „Sparsamkeit und regen Ausdauer im mühsamen Arbeiten und der Fähigkeit Gottes, aus unscheinba rem selbst verachtetem Stoff glänzende Erzeugnisse hervorzubringen. Reihen solcher Mistkäfer wurden zur perlstabartigen Verzierung der Rundstäbe unter den Hohlkehlen benutzt, auch kommen Ketten davon als Behänge evor. Reihen von aufrechtstehenden Federn, überkreuzende Bänder, Zickzacks, übereckstehende Vierecke etc. finden sich in mannigfachen Modifikationen. Eine große Rolle in der Verzierung spielt auch der Thierkreis. Unter den eigentlichen pflanzlichen Ornamenten spielen die hervorragendste Rolle die aus der Sumpfpflanzenwelt entnom-Fig. 108. Pavillon zu haften, aber nichtschreienden Farben, Medinet-Abu. ohne viel Schatten u. Lichteffekt, eben nur als Anstrich behandelt ist, so daß er dem Eindruck des Ganzen als solchen nicht nachtheilig wird. Die Verzierungen an Kapitälen, Hohlkehlen, Säulen etc. erheben sich alle wenig über die Flächen der Hauptform, sind aber durch den Hauptfläche in einer Ebene liegen und so die Ruhe des Ganzen nicht stören. Im Innern sieht man auch blos gemalte, aber reliefartig geordnete Wandbilder, deren Contouren mit scharfen Strichen angedeutet, die Theile zwar bunt, aber ohne Modellirung gefärbt sind. Die Darstellungen im Innern betreffen Gegenstände der Religion und des Kultus, die am Aeußern der Tempel Thaten der Herrscher, Schlachten, Triumphzüge re. Im eigentlichen Agypten sind die Tempel alle gebaut, in Nubien vielfach ganz (dann Speos genannt), oder wenigstens zum Theil in den Felsen gehauen (dann Hemispeos genannt), dadurch natürlich noch massiger,‚ finsterer und geheimnisvoller. Fig. 105 giebt den Grundriß, 106 den Durchschnitt eines Speos, Fig. 107 den Grundriß eines Hemispeos. Paläste waren vielleicht in ihrer äußern vielfach den Tempeln ähnlich, da ja die Könige Götter betrachtet wurden. Der Hauptbestand nach den erhaltenen Abbildungen da-Säle in den Palästen größer waren, und daß der Zelle im hintern Theil des Tempels bewohnbarer Gemächer trat. Ferner waren. größer, bes. sehr breit; über den Hauptsimsen Reihe Zinnen. Die Gesamtverhältnisse wa- auch waren sie bis zu drei Stock hoch. Erhal-Theile, z. B. der Pavillon in Medinet-Abu — Holz zu Bedeckung der 11 . Paläste ni hr-Lehmziegeln errichteten Wände waren wohl eine so schwere Steindecke zu tragen, als Tempeln gefunden worden; die Wölbungen ungebrannten Ziegeln durften dem Wetter nicht werden. Grabmonumente der Agypter zerfallen hauptsächlich Pyramiden sind schon oben genügend beworden; meist sind sie ohne Bindemittel aufge8 kleinen Plattform, wobei auch wohl die Stufen nach oben zu an Höhe Ides Hinaufschaffens erleichterte, s zweitens aber auch der Perspektive naachhilft u. so die Pyramiden noch höhererscheinen läßt, alssiesind. Bei aanderen sind die Seitenflächen schräg bekleidet gewesen und noch Spuren —5 dieser Bekleidung erhalten, z. B. bei der Pyramidedes Chafra, Fig. 110; tet und nur mit Stein bekleidet gewesen. Nur selten findet man einen bituminösen Cement od. auch einen SMüörtel von Kalk oder Gips und Sand als Bindemittel angewendet. —5 Die innere Einrichtung der Pyramaiden besteht meist nur in einem 8 genden Gang, an dessen Ende sich des eine Grabkammer mit einem Sar⸗ (Srndri. kophag, ungefähr in der Mitte der befindet. Den Eingang aber zu diesem Gang in die äußere Verkleidung passender und schwer zu findender Stein. S. Fig. 74 u. 75. Pyramiden der 4. Periode, s. Fig. 86 u. vorspringenden Stäben an den Ecken, meist von ausgeführt, zeigen deutlich das Bestreben, die Pyramide architektonisch fortzubilden, sie einer architektonisch gestalteten Gruppe 2. Hypogäen oder Syringen. Diese unterirdischen Grabanlagen liegen am Nil entlang, an der Libyschen Bergkette und unter den angrenzenden Sandfeldern. Die ansehnlichsten haben einen vorgebauten Hof unter freiem Himmel oder eine in den Felsen eingehauene Vorhalle, ähnlich den Felsentempeln, s. Fig. 77, 105, 107 sowie Fig. 141 und 112, Grab Rhamses III.; an diese schließt sich ein oft vielfach gegliedertes System von Gängen, Kammern und Sälen, die meist reich verziert, mit Reliefs und Statuen geschmückt sind. Den Schluß der ganzen Anlage macht eine Nische mit der sitzenden Statue eines Gottes. Seitengänge führen zu der eigentlichen, nochmals durch eine kleine querliegende Vorhalle mit zwei Thüren hinter einander vertheidigten Grabkammer mit dem Sarkophag, s. Fig. 76, worin, noch mehrfach eingehüllt durch in einander gestellte Särge, die Mumie ruht. Die Gefäße und Geräthe, die man hier gefunden, tragen das Gepräge des Kultus und haben also denselben Stil mit den Bauformen und Skulpturen; sie sind zum Theil aus gebranntem Thon mit buntem, glasartigem Schmelz. Auch fand man kleine Statuetten aus diesem Stoff, sowie aus Bronze, Sykomorenu. anderem kostbaren Holz. Größere Figuren sind aus Holz, Alabaster, Serpentin, Hämait, Basanit, Porphyr u. Gra-t nit gefertigt; größere Metallfiguren hat man gar nicht gefunden; wahrscheinlich war das Metall dazu zu kostbar. 3. Die Todten aus dem niedern Volk wurden gemeinschaftlich in großen Gräbern, Nekropolen, beerdigt, die unweit der Städte meist unterirdisch angelegt waren und ähnliche Disposition zeigen, wie die Hypogäen, nur größer und einfacher. In flacher Gegend grub man Schachte und unten Stollen, in denen die Leichname aufgehäuft wurden; wo dies wegen des Wassers nicht anging, baute man die Nekropole in mehreren Geschossen aus Ziegeln u. überschüttete sie hügelförmig mit Erde, damit ja kein Verwesungsgeruch hervordringe, obgleich die Leichname durch Harz und Natron etc. vor dem Verfaulen geschützt wurden. Von den Kanalbauten, Wasserreservoirs und anderen Nothwendigkeitsbauten der Agypter ist leider außer dem künstlichen, durch einen Damm von 10 m. Breite vertheidigten See von Möris und einigen Bauten bei Bahr el Jusuff so gut wie gar nichts erhalten; die Kanäle sind versumpft, die Dämme von Wüstensandüberweht, der auch die Tempelruinen immer mehr u. mehr zu überschütten droht. Werfen wir nun noch einen Rückblickauf die Gesamtformation der öffentlichen und heiligen Bauwerke Agyptens, so kündigt sie beim ersten Anblick eine unendliche Großartigkeit an, die den Eintretenden durch kolossale, übermenschlich riesenhafte Massen, durch imposante Portale, Vorhöfe und Hallen, nicht erhebt, denn solche Massen liegen der Fassungsgabe der Menschen zu fern, sondern einschüchtert und fesselt, dann aber weiter hinein immer enger und düsterer sich zusammenzieht und endlich in die Oede eines mystischen, schweigsamen Dunkels übergeht. Darin auch ist die Ursache zu suchen, warum die ägyptische Architektur einer lebendigen Fortbildung nicht fähig war, sondern in allen ihren Formen zwar organisch zusammenhängend sich gestaltete, aber fast stereotyp auf der errungenen Stufe der Ausbildung stehen blieb; die Ursache ferner, warum man überall in dieser Architektur auf Gegensätze stößt, die sich nicht nach innerer Nothwendigkeit lösen, sondern nach den Regeln äußerer kluger Berechnung gegen einander nach Möglichkeit ausgeglichen sind. sahen die Agypter, gleich allen alten Völkern, nur als vorübergehende Herbergen an, die Gräber dagegen als ihre eigentlichen bleibenden Wohnstätten. Deshalb bauten sie die Wohnhäuser nur aus Holz, Ziegeln etc. Obgleich nun infolge dessen fast nur von öffentlichen und gottesdienstlichen Gebäuden, selbst nicht von Königsschlössern, Ruinen auf uns gekommen sind, da sogar die letzteren als Wohnungen u. als Werke Einzelner weniger solid gebaut waren, als öffentliche Gebäude, so sind wir doch nicht ganz ohne Kenntnis von der Einrichtung u. Formgebung ihrer Wohnhäuser. Auf Reliefs sind uns nämlich Pläne und; Ansichten von Wohnhäusern vorgeführt, die, vereinigt mit dem Studium der Städteruinen, Folgendes ergeben haben. Die Straßen waren regelmäßig angelegt, aber sehr eng, so daß die breitesten kaum Raum für einen Wagen boten. Die Häuser bildeten geschlossene Reihen und hatten selten mehr als zwei Geschosse; nur in Theben und Memphis, wo der Grund und Boden theuer war, erhoben sie sich nach Diodor bis zu 4 u. 5 Geschossen. Vor der Eingangsthüre war ein Portikus od. mindestens ein Vordach mit 2 Säulen, über dem Fahnen wehten. Auf dem Sturz der Pforte war der Name des Besitzers eingehauen u. häufig irgend ein gastfreundlicher Wahlspruch. Bäume, mit Gittern. umgeben, standen an der Fagade. Die Pforte führte auf einen Hof. An der Hinterseite dieses Hofes stand ein Pavillon, dessen Dach von Säulen gestützt war, die durch eine Brüstungsmauer verbunden waren. Dieser Pavillon. diente zum Empfang der Fremden. Von diesem Hof führten 3 Thüren, eine große zwischen zwei kleinen, zu einem zweiten Hof, der, mit Bäumen besetzt, gegenüber eine hintere Ausgangsthür hatte. An diesen Hof waren bei kleineren Häusern die Zimmer rechts und links direkt angebaut; bei größeren schlossen sich rechts und links in der Mitte der Grundstückstiefe zwei andere Querhöfe an, an deren Seiten nun erst die Zimmer lagen. Vor diesen Zimmern zogen sich Säulenhallen hin, die die Korridors der obern Etage trugen. Im Parterre waren Magazine und Dienerwohnungen, oben die Wohnung des Herrn u. der Familie. Kleine Häuser hatten blos unten eine Reihe Zimmer, oben einen großen Säl, zu dem man vom Hof oder direkt von der Straße aus auf einer Rampe oder Treppe gelangte. Statt des Dachs hatten die Häuser eine zinnenbewehrte Terrasse; bei Reicheren war diese mit einem auf kurzen Säulchen ruhenden leichten Dach versehen; bei Aermeren. mit einem das Regenwasser nach der Mitte des Gebäudes oder nach dem Hof leitenden Breterdach, womöglich so gelegt, daß es vor dem Nordostwind schützte; manchmalstieg ein Theil der Fagade höher empor und bildete so eine Art von Thurm. Fenster u. Thüren waren zweiflüglig, schlugen nach innen und wurden mittels hölzerner Querriegel verschlossen; s. übrigens Fig. 113 und 114, welche ägyptische Wohnhäuser nach alten Wandmalereien darstellen. Galerien, Brüstungen, die Säulen der Vorhalle, Mauern und Plafonds waren bunt bemalt und mit Linienverschlingungen, laufenden Labyrinthen und Zickzacks verziert. Landhäuser waren ähnlich eingerichtet, aber noch von einer großen Einhegung umgeben, die die Wirthschaftsgebäude einschloß. In der Nähe der Hauptstädte sbibliothek Heidelberg und Hauptstraßen waren sogar die königlichen Villen, die blos als Absteigequartiere dienten, eng u.einfach. Weiter entlegen waren sie ausgedehnter und durch Pylonen vertheidigt, von schönen Gärten, ausgedehnten Wasseranlagen, Gebüschen, Terrassen mit Aussichtsplätzen etc. umgeben. Zelte, Lauben und Baldachine luden in Höfen und Gärten zum Genuß des Schattens ein. Fig. 115 zeigt ein solches Zelt nach einer alten Wandmalerei. Die Speicher waren kegelförmig nach oben verengt und wurden von oben gefüllt, wohin man mittels einer Rampe gelangte. Unten wareine kleine Thüre zum Herausnehmen des Getreides. In der Nähe des oben schon erwähnten Sees baute Möris das Labyrinth, einen Komplex von 3000 Gemächern, in zwei Geschossen, deren Trümmer man vor Kurzem entdeckt und aufzudecken begonnen hat; es war aus Lehmziegeln aufgeführt und mit Kalksteinen bekleidet; zu welchem Zweck es diente, ist bis jetzt unbekannt. Doch vermuthen Einige, daß es ein (um ganz moderne Ausdrücke zu brauchen) Reichstagspalast mit Sitzungssälen, Sektionszimmern für die Provinzialstände u. Wohnungen Fig. J15. „Fig. 114. Agypt. Zelt. Agypt. Haus. ein Ensemble von viereckigen breiten Thürmen und durch dieselben begrenzten hohen Mauern mitReihen von Schießscharten in Halbkreisform, so daß sie durch die ebenfalls halbkreisförmigen Schilde der Agypter verschlossen werden konnten. Was nun die Technik der Agypter anbelangt, so waren sie sehr geschickt im Bearbeiten harter Steine, namentlich im Schleifen und Poliren derselben, vorsichtig u. akkurat in der Bearbeitung weichen Steins. Von den Felsmassen lösten sie die Steine theils gleich in regelmäßigen Blöcken dadurch, daß sie nach der vorgeschriebenen Sprenglinie eine Reihe Keile einsetzten u. gleichzeitig antrieben, theils in unregelmäßigen großen Massen dadurch, daß sie Löcher in das Gestein einbohrten, mit hölzernen Bolzen ausfüllten u. diese dann annetzten, wodurch der Stein abgesprengt wurde. Zum Transport der großen Stücke bedienten sie sich theils der untergelegten Walzen, theils niedriger Wagen mit kleinen breiten Rädern, die sich auf einem hölzernen Schienenweg fortbewegten; zu Aufrichtung der Obelisken errichteten sie große Gerüste, auch kannten sie den Gebrauch der Erdwinde, der Steinzange und des Flaschenzugs. EIDELBERG O Universitatsbibl Merkwürdig ist, daß ein Volk, welches den Bogen kannte, welches in der Anfertigung von Töpferwären u. Fayenee, in der Kenntnis der Werkzeuge u. im Gebrauch pon Metall schon so weit war, in anderen Stücken so zurückblieb; sie brannten z. B. ihre Ziegel erst sehr spät, kultivirten die Wölbkonstruktion sehr wenig, ebenso die Dachkonstruktion aus Holz; fast alle ihre Gebäude sind wägerecht mit Stein abgedeckt. Erklären läßt sich dies nur zum Theil durch den Mangel an Holz. Betr. endlich die Anwendung des ägyptischen Stils auf neue Gebäude wäre wohl Folgendes zu bemerken: Unsere Sitten, Gebräuche, unsere Religionen und Staatsverfassungen haben nicht die mindeste Ahnlichkeit mit den ägyptischen, unser Klima ist ein ganz anderes als das Agyptens, folglich würden sich die Formen derägyptischen Tempel, Paläste und Wohnhäuser durchaus nicht zu Anwendung auf unsere Kirchen, Schlösser und Wohnhäuser eignen. Unsere Technik ist unvergleichlich weit fortgeschritten und bietet uns Mittel dar, mit weniger Umständen u. Kosten unsere Ziele zu erreichen, als es den Agyptern möglich war; es würde also gerade Unsinn sein, zu jener Konstruktionsweise zurückzukehren. In unserer Zeit ist das ganze Volk so weit gebildet, daß es lesen kann; wir brauchen also zu Hieroglyphen u. den sie tragenden Obelisken keine Zuflucht zu nehmen, um unseren großen Männern Denkmäler zu setzen, bes. da unsere Bildhauer Statuen mit Porträtähnlichkeit zu schaffen verstehen, und wir im Stande sind, aus denselben Steinmassen und mit denselben Kosten, die ein Obelisk oder eine Pyramide brauchen, belebtere, ausdrucksvollere Denksteine herzustellen. Auch die Verwendung ägyytischer Architekturformen zur inneren Dekoration, z. B. von Freimaurerlogen, ist logisch nicht zu rechtfertigen. Die Mysterien unserer heutigen Freimaurer sind ganz anderer Natur als die der ägyptischen Priester, ihre Zwecke sind ganz andere, und die Mittel, womit sie diese Zwecke verfolgen, sind durchaus nicht so finsterer, mystischer Art, daß der ägyptische Stil die richtige Ausdrucksweise für dieselbe wäre. Doch davon s.d. Art. Freimaurerloge. Dieeinzige logischzu rechtfertigende Anwendung ägyptischer Formen ist daher die bei Dekoration von Räumen zu Aufstellung ägyptischer Alterthümer, wie z. B. das Erdgeschoß des neuen Museums in Berlin; s. darüber d. Art. Museum. s.

Fig. 75. Durchschnitt der Pyramide des C
Fig. 75. Durchschnitt der Pyramide des C
Fig. 76. Sarkophag des Königs Ramenka (Menkera).
Fig. 76. Sarkophag des Königs Ramenka (Menkera).
Fig. 77. Eingang eines Grabes bei Benihassan.
Fig. 77. Eingang eines Grabes bei Benihassan.
Fig. 82. Vom Rhamesseion. nastie in Tanis vor. Amasis
Fig. 82. Vom Rhamesseion. nastie in Tanis vor. Amasis
Fig. 81. Säulenfuß aus Karnak.
Fig. 81. Säulenfuß aus Karnak.
Fig. 85.
Fig. 85.
Fig. 84. Durchschnitt nach A B,
Fig. 84. Durchschnitt nach A B,
Fig. 85. Tempel in Karnak.
Fig. 85. Tempel in Karnak.
Fig. 90. Vom ö Tempel zu Denderah.
Fig. 90. Vom ö Tempel zu Denderah.
Fig. 86. Pyramide bei Meros.
Fig. 86. Pyramide bei Meros.
Fig. 88. Pyramidenvorhalle aus Meros.
Fig. 88. Pyramidenvorhalle aus Meros.
Fig. 89. Hathortempel auf Philä.
Fig. 89. Hathortempel auf Philä.
Fig. 91. Mamme-isis auf Philä
Fig. 91. Mamme-isis auf Philä
ägyptischer Stil
Fig. 94. Hauptsims.
Fig. 94. Hauptsims.
ägyptischer Stil
ägyptischer Stil
Fig. 98. Aus
Fig. 98. Aus
Fig. 97. Aus Philä.
Fig. 97. Aus Philä.
Fig. 100. Aus Medinet-Abu.
Fig. 100. Aus Medinet-Abu.
Fig. 99. Aus Denderah.
Fig. 99. Aus Denderah.
Fig. 105. Grundriß und Längendurchschnitt des Tempels von
Fig. 105. Grundriß und Längendurchschnitt des Tempels von
ägyptischer Stil
Fig. 104. Lotosblume, Knospe und Blatt.
Fig. 104. Lotosblume, Knospe und Blatt.
ägyptischer Stil
Fig. 108. Pavillon zu haften, aber nichtschreienden Farben, Medinet-Abu. ohne viel Schatten u. Lichteffekt, eben
Fig. 108. Pavillon zu haften, aber nichtschreienden Farben, Medinet-Abu. ohne viel Schatten u. Lichteffekt, eben
ägyptischer Stil
ägyptischer Stil
ägyptischer Stil
Fig. 113. Agyptisches Haus.
Fig. 113. Agyptisches Haus.
Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 51Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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