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PflanzenreichAfrika Hand-Lexikon 1885

Usambara, Landschaft in Ostafrika, Besitz der deutschen ostafrikanischen Gesellschaft, erworben von Dr. Jühlke und Leutnant Weiss durch Vertrag vom 19. Juni 1885. Usambara ist eine der schönsten Landschaften Ostafrikas. Alle Reisenden sprechen mit Begeisterung von dem Lande und seinen herrlichen Wäldern. „Es war,“ schreibt Thomson, „in der That ein wundervoller Wald (auf dem südlichen Ende des Berges Magila). Jeder Baum ein wahrhafter Riese, den blossen Stamm bis zu einer Höhe von 70—100 Fuss emporgerichtet, um die frische Himmelsluft zu gewinnen, alsdann erst sich verzweigend und eine fallschirmförmige Krone bildend, welche die Sonnenstrahlen vergeblich zu durchdringen suchten. Kaum weniger gigantisch als die Bäume erschienen die unvermeidlichen Kriechpflanzen; keine dünnen Windengewächse oder Passionsblumen oder Epheu, sondern massive Burschen, dick wie eines Mannes Schenkel und 3800-400 Fuss in der Länge, von Baum zu Baum hängend oder gekrümmt und verflochten um die Stämme geschlungen. Alles erschien seltsam, grossartig und riesig. In solcher erstaunlicher Entwickelung des Pflanzenlebens suchte man vergeblich einen Gegenstand von einfacher Schönheit, irgend eine Blume oder einen hübschen Vogel oder ein Insekt. Was für eine lichtfreundliche Schönheit konnte man in den feuchten und dunklen Vertiefungen dieses mächtigen Waldes zu finden erwarten? Auch die Natur, als ob sie durch Aufrichtung dieser Baumriesen erschöpft wäre, bot nichts dar, um das Dunkel zu beleben; kein Zeichen von tierischem Leben war sichtbar, nur dass man das ferne heissere Geschrei eines Hornschnabels oder gelegentlich das Quaken eines Frosches vernahm.* Die Wälder enthalten Bäume von 100—200 Fuss Höhe und entsprechender Dicke. In einer Höhe von 10 Fuss über dem Boden nimmt der Baum plötzlich an Breite ab, und die Krone mancher Bäume besteht aus wenigstens 1 Fuss breiten und 3 Fuss langen Blättern. Trotz aller Ergiebigkeit des Bodens ist die Bevölkerung arm, weil sie stets von den Königen mit hohen Abgaben belastet wurde. Den Missionär Krapf erinnerten die Zustände in U. lebhaft an Schoa, wo auch der König der alleinige Herr des Landes war. Die Hauptstadt ist Fuga, welche auf einem der dem Lande eigentümlichen Kuppelberge liest. „Sie sind dem Dotter eines zerbrochenen Eies oder der Kuppel eines "Turmes sehr ähnlich.“ Vor Zeiten war U. viel grösser als jetzt. Der König gebot noch über viele angrenzende Gebiete, aber die mit neuen Feuerwaffen ausgerüsteten Wasegua befreiten sich eines Tages von seiner Herrschaft, auch die Küstenbewohner machten sich unabhängig, so dass Usambaras Grenzen allmählich zu dem Umfang zusammenschrumpften, den sie heute haben.

Afrika Hand-Lexikon. Ein Nachschlagebuch für JedermannVon Paul Heichen, Leipzig: Gressner & Schramm 1885 · Bd. 3, S. 1306Scan: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen · gemeinfrei

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