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GeschichteAfrika Hand-Lexikon 1885

Usui, Landstrich im Norden von Uzinza, an das Königreich Karagwe srenzend. Der Herrscher residiert im Uthunguthale. Der landschaftliche Charakter von U. wird von Grant als sehr anziehend bezeichnet. „Während man bis gegen die Provinz Usui hin eine ziemlich triviale, offene Ebene überschritten hatte, welche nur hie und da leichte Hügel und Bodenfaltungen zeigte, betrat man am zweiten Marschtage nach Verlassen von Suwaroras Residenz einen stattlichen Wald und bald stand man vor einem lieblichen Gewässer, welches, umsäumt von üppigem Pflanzenwuchs und hochragendenPandanapalmen,bereitsgen Norden, dem grossen Nilsee entgegen zog. So hatte man nun augenscheinlich die Wasserscheide zwischen den Binnenmeeren Ukerewe und Tanganjika hinter sich. Die Landschaft zierten kühne Felsen und wilde Klippen, belebt von munteren Wasserfällen, deren Schaum üppige Farne und Moose benetzte. Weiter nordwärts lag eine Reihe roter Bergkegel, in welchen Grant vulkanische Formen zu erkennen glaubte, und noch weiter zurück standen die bewaldeten Ketten von Karagwe. Im Urigithale, an der Grenze beider Länder, sah Grant die grösste Anzahl von Tieren, welche ihm bis dahin je vor Augen gekommen war, sowohl den Arten als den Individuen nach. Es waren dort die afrikanischen Charakterformen Hartebeeste, Eland, Zebra sowie die Mehrzahl der in Innerafrika heimischen Antilopenarten anzutreffen, ausserdem Nashorne und Giraften, von bekannteren Vögeln Guineahühner, Florikane und eine neue Spezies des Feldhuhns. Die Wazinza oder Bewohner des Uzinzalandes leben unter Oberhäuptern, die sie „Mteme“ oder’Sultane nennen, und denen sie in unbedingtem Gehorsam ergeben sind; als Zeichen ihrer Würde tragen jene in der Regel ein Stück blauen Baumwollenzeuges, das bis auf die Kniee herabfällt, um die Hüften geschlungen, ein Kollier von Muschelschalen um den Hals, eiserne Ringe um die Knöchel und einen Stab oder Speer in der Hand. Die Landbewohner sind fleissig und gewerbthätig. Sie bebauen den Boden, den sie mit eisernen Hacken auflockern, da sie den Gebrauch des Pfluges und des Zugviehes noch nicht kennen. Mit Hilfe ihrer Weiber heimsen sie die Ernten ein und reinigen das Korn von der Spreu, führen Brennholz aus dem Walde herbei, warten das Vieh und melken die Kühe. Mit Salz, Erdnüssen, Korn, Elfenbein und Sklaven treiben sie Handel sowohl nach den nördlicher gelegenen : Negerstaaten als auch nach der Suaheliküste und nach Sansibar. Die Frauen sind in der Regel besser gekleidet. als die Männer; sie tragen baumwollene Röcke, welche von den Hüften bis zu den Fussknöcheln reichen, während den Männern in der Regel ein von den Schultern herabhängendes Ziegenfell als einzige Bedeckung dient.*

Afrika Hand-Lexikon. Ein Nachschlagebuch für JedermannVon Paul Heichen, Leipzig: Gressner & Schramm 1885 · Bd. 3, S. 1308Scan: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen · gemeinfrei

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