FeedWapokomo
TierreichAfrika Hand-Lexikon 1885

Wapokomo, Negerstamm am Tana, zählend. Die Wapokomo sind sehr kräftige, wohlgewachsene Neger, ihre Hautfarbe variiert von kaffeebraun bis tiefschwarz. Sie sind ein friedliebender Volksstamm, äusserst gutmütig, phlegmatisch und man kann wohl sagen wie zur Sklaverei geboren. Die Männer haben etwas Weibisches in ihrem Charakter und Mut ist ihre schwache Seite. Früher hatten sie von den Galla viel zu leiden, heute werden sie von am untern Tana ansässigen Suaheli und: Arabern bedrückt, während die Anwohner des obern Tana von den Somali beraubt und in die Sklaverei geschleppt werden. Ackerbau ist die Hauptbeschäfti- ‘ sung der W., ausserdem Fischfang, da der Tana und die nahen Seeen sehr fischreich sind. Viehzuchttreiben die W. nicht. Jäger sind nur die im Bezirk Korkoro wohnenden, welche. Elefanten jagen. Am untern Tana ist das vorzüglichste Jagdobjekt das Flusspferd. Die W. verfertigen von ihren Geräten, Waffen und Schmucksachen fast gar nichts selbst, sondern beziehen sie von den Suaheli oder Galla. Die Kleidung besteht in von den Mohammedanern eingetauschten Baumwollstoffen. Polygamie ist zwar gestattet, doch besitzt der Mann selten mehr als ein Weib. Die Frau wird gekauft, und die Hochzeit findet bald nach dem Kauf statt. Das politische Leben bietet ein trauriges Bild des Partikularismus. Jeder Bezirk bildet gleichsam eine Republik für sich und kümmert sich nicht um die andern. An der Spitze der Ortschaften stehen Älteste (Was6), ältere‘ und wohlhabende Leute, welche dem Mse (Sing. von Wase) des Bezirkes untergeordnet sind. Die W. glauben an ein höheres Wesen, das die Welt geschaffen, den Mungu, bringen ihm aber weder Gebete noch Opfer dar.

Afrika Hand-Lexikon. Ein Nachschlagebuch für JedermannVon Paul Heichen, Leipzig: Gressner & Schramm 1885 · Bd. 3, S. 1317Scan: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen · gemeinfrei

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