FeedWapokomoland
ErdkundeAfrika Hand-Lexikon 1885

Wapokomoland, Landschaft am Tana, in 9 Bezirke (muischo) geteilt: Muina, Ndera, Kinakomba, Ndura, Subaki, Milalulu, Malacote u. Korkoro. Der Bezirk Ndura ist entvölkert, da die Einwohner aus Furcht vor den Somaliihre Wohnsitze verlassen haben. Die von Wapokomo bewohnten, ziemlich grossen Ortschaften liegen der Raubzüge der Somali wegen meist auf dem rechten Ufer, das bebaute Land stets dicht am Flusse. Wo es das Terrain erlaubt, sind Gräben vom Flusse in das Land hinein gezogen, um grössere Flächen zu bewässern, namentlich am Unterlauf des Tana, der ein herrliches Reisland bildet. Am Mittel- und Oberlauf wird, da die Ufer höher und trocken sind, kein Reis, sondern -vorzugsweise Mais und Erbsen gebaut. Bananen sind überall zahlreich, stellenweise auch Zuckerrohr, der Mango- und Melonenbaum vorhanden. Tabak wird in grossen Mengen gebaut und bildet neben Reis und Elfenbein den Haupthandelsartikel. Der W.-Tabak wird von den Mohammedanern sehr geschätzt. Der in Kau am Osiflusse befindliche Gouverneur des Sultans von Sansibar sorgt dafür, dass die Suaheli ungehindert die benachbarten Wapokomo ausbeuten können. Die Suaheli sehen das Wapokomoland gleichsam wie ihr Landgut an, die Wapokomo müssen für sie das Feld bestellen, den eingeernteten Reis nach Kau bringen, und wenn sie nicht gutwillig den Ertrag ihres Ackers hergeben, werden sie ins Gefängnis geschleppt. Nur die am mittlern und obern Tana ansässigen Wapokomo sind unabhängig. — Von einem Wapokomoland kann "man streng genommen nicht sprechen, denn die W. besitzen kein anderes Land als die Flussufer.

Afrika Hand-Lexikon. Ein Nachschlagebuch für JedermannVon Paul Heichen, Leipzig: Gressner & Schramm 1885 · Bd. 3, S. 1318Scan: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen · gemeinfrei

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