FeedSenegambien
ErdkundeAfrika Hand-Lexikon 1885
Sierre Leone: Krieger aus dem Hinterlande.
Sierre Leone: Krieger aus dem Hinterlande.

Senegambien, die Region zwischen dem Senegal, dem Gambia und der Faleme. Ihrer kommerziell sehr günstigen Lage verdankt diese Geead dies wichtige Rolle, welche sie in der echte des Eardes und des Kolonialwesens spielt, aber obwohl sie eine Menge wertvoller Erzeugnisse auf den Markt liefern könnte, ist sie doch immer noch, wie Alsier, keine wirkliche Kolon. Die eingeborene Bevölkerung wird nur durch und die Franzosen besitzen in demselben nur Forts und Faktoreien, da das heisse, vielfach ungesunde and den Europäer erschlaffende Klima die Ansiedlung von Kolonisten unmöglich macht. Dazu kommt, dass Frankreich zu Kolonisier ungen Kanon Bevölkerungsüberschuss zur Verfügung hat. In ganz Senegambien ren kaum mehr als 200 Europäer ansässig sein. Nach den heute vorliegenden Angaben, welche allerdings zum Teil nur Aut beiläufiger Schätzung beruhen, kann man Ai Bevölkerung der Frankreich unterworfenen Gabiste auf 1500000 Seelen schätzen. Davon entfallen auf Saint-Louis 15980, auf den Bezirk von Saint-Louis 22 138, Walo 10976, Richard Toll 335, Dagana 2009, Dimar 5864, Podor 1361, Toro (nach Jacquemart) 32 700, Tao 20 170, Irelabe 10 550, ds übrige Futa 81450, Matam und Umgebung 508, Damga (nach Jacquemart) 32050, Bakel und Umgebung 2302, Goy (nach Jacquemart) 7500, Medine 487, Kamera etwa 12400, Khasso (nach Derrien) 10 000, Logo 5000, Natiaga 3000, das Bachoy-Thal zwischen Bafulabe und Baoul& 3200, Fuladugu 10.000, Kita 10.000, Gangaran etwa 10000, - Beledugu (nach Gallieni) #5 000, Manding (nach Bayol) 20 000, Bondu (nach J. Duval) etwa 10.000. Über die Bevölkerung von Bambuk fehlen nähere Angaben. Die Bevölkerung von Cayor schätzt Duval auf 300 000 Seelen. Dakar und Kap Vert haben eine Bevölkerung von 6887, Goree von 3243, Rufisque und Umgebung von 7794, Diander von 20108, die Bezirke Portudal und Joal von 5000 Seelen. Aus Baol, Sin und Salum fehlen Schätzungen. Rechnet man zu obigen noch Sedhiou mit 1827 und Carabane mit 547 Einwohnern, sowie die französischen Besitzungen an der Casamance, in Futah-Dschalon (nach Bayol 600 000),. am Rio Nunez, Rio Pongo (etwa 30.000) und in Mellacorse, so dürfte die Bevölkerung dieses ganzen grossen Länderkomplexes mit 1!/, Millionen eher zu niedrig als zu hoch geschätzt sein. Frankreich betrachtet sich ausserdem als den natürlichen Herrn der ganzen Küste von der Mündung des Senegal bis zu jener des Scarcies, aber es hat doch nicht zu verhindern vermocht, dass sich mitten zwischen den französischen Faktoreien Engländer am Gambia und Portugiesen am Rio Grande und auf den Bissagos festgesetzt haben, und eine nicht unbedeutende Küstenstrecke steht noch unter der Herrschaft völlig unabhängiger Häuptlinge. Von der deutschen Nachbarschaft im Dubreka-Gebiet ist dagegen Frankreich durch das mit Deutschland in bezug auf die beiderseitigen Besitzungen in Westafrika getroffene Übereinkommen kurzem befreit worden. — Die Franzosen sind schon frühzeitig am Senegal erschienen. Kaufleute aus Jahrhunderts an die Mündung des Flusses, der von dem portugiesischen Seefahrer Liancerota (1447) nach den am rechten Ufer bei der Mündung wohnenden Senega-Berbern den Namen Senegal erhielt. Die Portugiesen kümmerten sich wenig um den Senegal, während die Franzosen schon um 1626 dort Faktoreien besassen. Der Handel befand sich in den Händen privilegierter Handelskompagnieen, deren von 1626 bis 1798 nicht weniger als $ am Senegal ihr Glück versuchten, aber alle entweder Bankrott machten oder sich auflösten. Im Siebenjährigen Kriege nahmen die Engländer Saint - Louis und Gorse weg; das erstere erhielt Frankreich 1763, das letztere erst 1779 zurück Im Jahre 1784 wurde der „Guyana-Compagnie“ das ausschliessliche Privilegium des Handels mit Gummi verliehen, und als auch sie keine Geschäfte machte, wurden 1791 alle Privilegien abgeschafft und es begann eine Zeit unfruchtbaren Experimentierens, wobei man sich unablässig in falschen Bahnen bewegte, So misslang auch der Versuch, grossartige „Kulturen“ von Baumwolle und Indigo anzulegen, trotz der hohen Prämien, da man zum Anbau völlig ungeeignete Gegenden wählte. Auch während der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts versuchte man es mit einem verkehrten System nach dem andern. Der französische Kaufmann war am Senegal immer noch recht-u.schutzlos. Die Regierung suchte sorgfältig Verwickelungen mit den Königen und Häuptlingen zu vermeiden, und zahlte sogar einigen Tribut, so z. B. dem Häuptling des kleinen Dorfes Sor, zu dessen Gebiet die Insel gehörte, auf welcher Saint-Louis erbaut worden. Ausserdem zahlte sie jährlich Tribut an die Fürsten der auf dem rechten Senegalufer wohnenden Maurenstämme, der Trarsas, Braknas u. Duaisch, an den König von Cayor, Gandiaga, die Almamys von u. Ss. w. Wie die Kau: Verträgen, durch welche französischen Regierung Tribut festgestellt wur Dimar die@unst der Dienerschaft der Fürsten Futa, durch. Geschenke sich zu sichern leute suchten, so wurde dieselbe auch in der nicht vergessen. In einem zwischen zu dem Roi de France und dem Brak de, von Walo geschlossenen Vertrag hiess es: „Die Regierung wird dem Brak von Walo zehn Flaschen Branntwein entrichten u. s. w. .... seinem Diener zwei Flaschen Branntwein und eine Stange Eisen; der Prinzessin Gimbotte einen kleinen Koffer, ein Stück Musselin, 4 Flaschen Branntwein, 10 Rollen Tabak und 500 Gramm Gewürznelken; ferner zu ihrem Lebensunterhalt (pour sa ration de vivres) eine dame-jeanne (50 — 60 Liter) Branntwein.“ Solche Tributzahlungenr, in welchen die Einheimischen nur ein Zeichen’ von Schwäche sahen, diskreditierten den französischen Namen, und der Umstand, dass bei blutigen Zusammenstössen mit den Eingeborenen die Überlegenheit europäischer Truppen den Franzosen keineswegs stets den Sieg sicherte, trug auch nicht dazu bei, die Häuptlinge mit Respekt zu erfüllen. Die Furcht, in einen langwierigen Krieg verwickelt zu werden, dessen Ende nicht abzusehen war, hielt die Gouverneure von Saint-Louis von strengen Massregeln zurück und liess sie immer wieder zu Unterhandlungen ihre Zuflucht nehmen. Höchstens sandten sie, wenn die Schwarzen: es zu toll trieben, ein Kanonenboot aus, um irgend ein am Ufer gelegenes "Dorf zu bombardieren, wodurch jedoch, da die Einwohner sich rechtzeitig flüchteten, und die Strohhütten leicht wieder aufgebaut werden konnten, niemals grosser Schaden verursacht wurde. Der gefürchtetste Nachbar der Niederlassung war der mächtige Fürst der Trarsas. Durch seine Habsucht und Willkür hatten die Kaufleute am meisten zu leiden. Er erhob Zölle in Guet N’dar, einem Saint-Louis gegenüber auf dem Festlande gelegenen Dorfe, und die Kaufleute mussten ihm überdies für die Erlaubnis, in seinem Gebiet Handel zu treiben, hohe Abgaben zahlen. Für je 1000 kg gekauften Gummi zahlte ihm der Kr zwei Guineen; dazu kamen eine‘ Menge Abgaben unter den verschiedenartigsten Vorwänden, die willkürlich auferlegt und erhöht wurden, so z. B. zwei Stück Guineen für das Abendessen des Fürsten und verschiedene kleine Ausgaben desselben, 11/, Stück für seine Gemahlin, für das Abendessen des Ministers 2 Stück, ausser welchen dem letztern noch allabendlich eine Schüssel Reis geliefert werden musste. Wenn der Kaufmann die Entrichtung dieser Abgabe versäumte, musste er 31, m Guinee Strafe zahlen. Verweigerung dieser Abgabe hatte sofort das Verbot des Handels zur Folge. Erst unter dem zweiten Kaiserreich trat ein Umschwung zum Besseren ein. Der Gouverneur Protet fuhr im ‚März 1854 mit 1500 Mann stromaufwärts, schlug eine sich ihm entgegenstellende Peulhs-Armee, erstürmte das wichtige Dorf Podor und errichtete bei demselben ein starkes Fort. Dann wandte er sich gegen die Bewohner von Dimar, um sie dafür zu züchtigen, dass sie die Expedition auf dem Zuge gegen Podor verräterisch überfallen hatten. Das von 5000 Mann verteidigte, für unüberwindlich geltende grosse Dorf Dialmat wurde von 800 Franzosen mit Sturm genommen, und der moralische Eindruck dieses Sieges war so gross, dass die Bevölkerungen des linken Ufers ohne ferneren Widerstand die französische Oberherrschaft anerkannten, und nicht zu widersprechen wagten, als der &ouverneur die Coutumes und alle anderen Handelsbeschränkungen ein für allemal für aufgehoben erklärte. Bei der Anlage des Forts Podor war zum ersten Male der Name eines mit den Befestigungsarbeiten betrauten talentvollen jungen Genieoffiziers genannt worden, der vom Geschick ausersehen war, eine grosse segensreiche Rolle in der ferneren Geschichte der französischen Kolonie am Senegal zu spielen: Louis Leon Cäsar Faidherbe. Als der Gouverneur Protet, dessen Gesundheit zerrüttet war, bald nachher nach Frankreich zurückkehrte, wurde er sein Nachfolger, und mit seinem Amtsantritt begann für die Kolonie eine Ära des Aufschwungs, welche noch vor kurzem niemand für möglich gehalten hatte. Zu seiner ersten Aufgabe stellte sich der neue Gouverneur die Sicherung des linken Ufers gegen die unaufhörlichen Raubzüge der Mauren, und er führte sein Vorhaben mit eiserner Energie durch, obwohl es jahrelanger Kümpfe bedurfte, bevor die Macht der Mauren gebrochen war. Da der Fürst der Trarsas seinen und der Prinzessin Gimbotte Sohn Ely zum König von Walo zu machen suchte, organisierte Faidherbe mit Hilfe des populären Häuptlings Fara-Penda eine allgemeine Volkserhebung zur Befreiung Walos von den Mauren und unternahm auch wiederholt Streifzüge in das Maurengebiet. Der Feind Aoh zwar beim Anrücken der Truppen schleunigst in die Wüste, wohin man ihm nicht folgen konnte, aber am 13. Mai 1857 gelang es Faidherbe doch, ihn in einer befestigten Stellung am See Cayor zu überfallen und mit grossem Verlust in die Flucht zu treiben. Nachdem ein Versuch, Saint-Louis durch einen kühnen Zug auf das linke Ufer zu überrumpeln, an dem heldenmütigen Widerstand gescheitert war, den ein französischer Korporal mit 7 schwarzen Soldaten in dem verfallenen Blockhaus zu Ndar den Angreifern entgegensetzte, gab der Trarsas-Fürst Mohamed-el-Habib den aussichtslosen Widerstand auf und bat um Frieden. Er musste auf. alle Ansprüche auf das linke Ufer verzichten, und da bald darauf auch der Fürst der Braknas die französischen Ansprüche anerkannte, war die Befreiung der so lange von den Mauren bedrängten Länder vollzogen. Auch die Maurenfürsten mussten ihre Einwilligung zur Aufhebung aller Handelsbeschränkungen erklären und den bisher an die Escales gebundenen Gummihandel freigeben, während es den Mauren strengstens untersagt wurde, bewaffnet das linke - Ufer zu betreten. So war durch die Ausdauer eines energischen Mannes im Verein mit der nötigen Unterstützung seitens des Mutterlandes in wenigen Jahren erreicht, was man vorher jahrhundertelang vergebens angestrebt hatte. Im Dezember 1858 wurde Walo für eine französische Provinz erklärt, und damit war endlich eine feste Basis für fernere Operationen gewonnen. Faidherbe widmete sich nun mit Eifer der Organisation der Verwaltung, sah sich aber in seiner Friedensarbeit plötzlich gestört. In Senegambien war einer jener Propheten erstanden, deren der religiöse Fanatismus in den Ländern des Islam schon so viele hervorgebracht. Omar — oder wie er nach seiner Pilgerfahrt nach Mekka hiess: El Hadschi Omar (der Pilger) — stammte aus einem Dorfe in Futa, unweit von Podor, und hatte sich frühzeitig durch strenge Religiosität bei seinen Landsleuten orosses Ansehen zu verschaffen gewusst, welches Sich nach seiner Mekkafahrt noch steigerte. Bald umgab ihn der Ruf der Heiligkeit, zahlreiche Schüler strömten ihm zu, und er wurde allmählich das Haupt einer mächtigen Partei, welche blindlings seinen Befehlen gehorchte. Verstand er doch vortrefllich, sie durch seine Weltverbesserungsideen an sich zu fesseln! Die Zeit sei nahe, verkündete er, in welcher es keine Herren und Knechte mehr geben und volle Freiheit unter den Menschen herrschen würde. Alser endlich seine Glaubensgenossen zum Kampf gegen die Ungläubigen aufrief, fand er massenhaften Zulauf, und nach den ersten Erfolgen schwoll sein Heer lawinenartig an. In raschem Siegeslauf durchzog er Futah-Djallon und das reiche Bambuk. Die Landschaft Futa am Senegal wagte, eingeschüchtert durch seine Erfolge, gar keinen Widerstand und unterwarf sich ihm sofort, als er sie zur Unterwerfung aufforderte. In zwei Jahren war er Herr des ganzen linken Ufers des obern Senegal. Auf einem Zuge gegen die Bambarras von Kaarta verliess ihn aber sein Glück und er erlitt eine so schwere Niederlage, dass er zur Wiederherstellung seines erschütterten Ansehens eines raschen grossen Erfolges bedurfte. Einen solchen glaubte er gegenüber den Franzosen erringen zu können, und er brach sofort gegen dieselben auf. General Faidherbe hatte das Entstehen eines grossen Reiches an der Grenze der französischen Besitzungen mit Besorgnis beobachtet, wollte jedoch vorerst trotz offenbarer Feind- ‚seligkeiten, welche Omar gegen französische Kaufleute sich zu schulden kommen liess, nichts gegen denselben unternehmen, weil der noch nicht entschiedene Krieg wider die Mauren seine Kräfte band. Er beschränkte sich darauf, die eingeborenen Häuptlinge zum Widerstand gegen den Propheten aufzumuntern, und errichtete als Stützpunkt für dieselben im September 1855 am Fusse der Felu-Katarakte das Fort Medine, zu dessen Kommandanten er einen sehr energischen Mann ernannte: Paul Holle, den Sohn eines Franzosen und einer Negerin. Gegen dieses neue Fort rückte Omar im April 1857 mit 15000 fanatisierten Streitern heran. Die Garnison, welche Paul Holle befehligte, bestand nur aus 64 Mann, darunter 8 Europäer, und neben dem Fort hatte der den Franzosen treu ergebene Sambala, König von Khasso, den sein von Omar unterstützter Bruder aus seinem Reiche vertrieben, ein verschanztes Lager errichtet, welches er mit dem Rest seiner Anhänger und Flüchtlingen aus der Umgegend besetzt hielt. Am 20. April begann der Sturm auf Medine. Die Scharen des Propheten drangen zwar ungestüm vorwärts, da ihnen derselbe erklärt hatte, dass die Geschosse der Belagerten sie nicht töten würden, aber da diese Prophezeiung nicht in Erfüllung ging, wurden sie schliesslich mit grossem Verlust zurückgeworten, Als Hadschi Omar sich überzeugte, dass er den Platz durch Sturm nicht nehmen könne, beschloss er, ihn auszuhungern. Monatelang widerstand die tapfere Besatzung, durch Paul Holle angefeuert, aber trotzdem sah sie endlich alle Aussicht auf Rettung schwinden. Die Lebensmittel gingen zur Neige, die Pulvervorräte waren erschöpft, und hätten die Belagerer den letztern Umstand, den Paul Holle auch seinen Gefährten sorgfältig verheimlichte, gekannt, dann würde sie wohl ein letzter Sturm zu Herren des Platzes gemacht haben. Als die Not am höchsten war, nahte die Rettung. Faidherbe erschien mit Truppen aus Saint-Louis, und nach kurzem Kampfe ergriffen die von den Belagerten gleichzeitig.im Rücken angegriffenen Scharen Omars die Flucht. Medine war gerettet. Die heldenmütige Verteidigung des Forts durch Paul Holle und die Niederlage, welche Hadschi Omar vor demselben erlitt, bezeichnen einen neuen Abschnitt in der Geschichte der Kolonie am Senegal. Wie die Niederwerfung der Mauren die Franzosen zu Herren des untern Senegal machte, so wurden sie durch den Sieg bei Medine Herren des obern Laufes des Flusses. Es bedurfte zwar noch zweijähriger Kämpfe und Anstrengungen, bevor die Landschaften Futa, Khasso, Bamıbuk und Bondu von den Anhängern des Propheten völlig gesäubert und beruhigt waren, aber das Prestige Frankreichs war durch den einen Erfolg so gestiegen, dass seine Macht ein für allemal am obern Senegal begründet war. In Sambala und Bubakar-Saada, den neu eingesetzten Fürsten von Khasso und Bondu, gewann Frankreich treu ergebene Anhänger an der äussersten Ostgrenze seiner Besitzungen und erhielt von denselben ausserdem wertvolle Gebiete abgetreten. Ausser dem goldreichen Gebiet von Kenisba kam das ganze linke Senegalufer von Fort Bakel bis zur Faleme unter französische Herrschaft, und Faidherbe sorgte sofort durch Errichtung des Forts Matam für die Sicherung der neuen Erwerbungen. Nachdem im Jahre 1859 noch Dimar, das östliche Grenzland Walos, annektiert worden, erstreckte sich das französische Gebiet in ununterbrochenem Zusammenhang auf dem linken Ufer des Flusses über 1000 Kilometer ins Innere, Nun war auch der Augenblick gekommen, in dem Faidherbe daran denken konnte, die alten französischen Besitzungen an der Südküste mit dem neuen grossen Länderkomplex zu verbinden. Mit einer Handvoll europäischer Truppen und mit Freiwilligen aus Saint-Louis landete er am grünen Vorgebirge beim Fischerdorfe Dakar, versammelte die Einwohner und verkündete ihnen, dass Frankreich auf Grund eines im Jahre 1679 von Ducasse mit einheimischen Häuptlingen geschlossenen Vertrages die Oberhoheit über die ganze Küste in Anspruch nehme. „Unter den ehrwürdigen Baobabs der Halbinsel predigte er den heiligen Krieg, den Krieg der Zivilisation gegen die Barbarei* und es gelang ihm, die Eingeborenen so zu begeistern, dass zahlreiche Freiwillige sein kleines Heer verstärkten. Dann zog Faidherbe die Küste .entlang, rückte ohne Widerstand zu finden in Rufisque, Portudal und Joal ein und liess überall in rasch er-Yichteten Blockhäusern kleine Garnisonen zurück. Ein glänzender Sieg über den König von Sin öffnete den Weg in das Innere des Landes, und die bedrohten Fürsten beeilten sich, mit dem Sieger Unterhandlungen anzuknüpfen.. Die Könige von Baol, Sin und Salum erkannten die französische Oberhoheit über alles Land vom Kap Vert bis zur Mündung des Flusses Salum an. Als zwei Jahre später die Könige von Salum und Sin den geschlossenen Vertrag brachen, drang der Kommandant von Goree Pinet-Laprade siegreich in ihr Land ein, besetzte die Hauptstädte Kahone und Diakhao und zwang die Könige zur Annahme des französischen Protektorats. Nun lag zwischen Gorde und Saint-Louis nur noch das Königreich Oayor, allerdings das mächtigste unter den Reichen am untern Senegal, Der König hatte sich zwar bisher keine Feindseligkeiten gegen Frankreich zu schulden kommen lassen, aber er bedrückte die Kaufleute und hinderte den Verkehr durch sein Land, so dass die Boten, welche der Gouverneur von Saint-Louis nach Gore sandte, zu grossen Umwegen gezwungen waren und alle bewohnten Gegenden vermeiden mussten. Ein solcher Zustand wurde unerträglich, als durch die Vergrösserung der Enklave von Goree deren Bedeutung gestiegen war. Eine Veranlassung, die französische Macht auch in Cayor zur Geltung zu bringen, sollte sich bald finden. Faidherbe beabsichtigte Saint-Louis mit Goree durch eine Telegraphenleitung zu verbinden und hatte, da diese durch den noch unabhängigen Staat Cayor geführt werden musste, mit dem Damel (dem Fürsten dieses Landes) einen Vertrag geschlossen, durch welchen dieser seine Zustimmung zum Bau der Linie erteilte. Als aber der Damel plötzlich starb und sein Nachfolger den Vertrag für null und nichtig erklärte, drang Faidherbe rasch in sein Land ein und zwang ihn zur schleunigsten Nachgiebigkeit. Ein neuer Versuch des Damel, sich von den Franzosen zu befreien, endete mit der völligen Niederlage seiner Truppen vor den Thoren seiner Hauptstadt. Nun wurden rasch längs der Telegraphenlinie Forts errichtet, und der. Verkehr blieb, so lange Faidherbe Gouverneur war, ungestört. Nach seiner Abberufung kam es zu fast ununterbrochenen Ruhestörungen, denen gegenüber die Nachgiebigkeit des neuen Gouverneurs Jauröguiberry nicht am Platze war. Erst als Faidherbe abermals an den Senegal gesandt wurde, fanden die Unruhen ein rasches Ende. Der von Faidherbe als König eingesetzte Madiodio unterzeichnete einen Vertrag, durch welchen er sich und sein Land unter französisches Protektorat stellte, vier Provinzen an Frankreich abtrat und die Errichtung eines Forts in seiner Hauptstadt gestattete. Da Madiodio sich aber bald als unfähig erwies, die Ruhe im Lande zu erhalten, und die Franzosen sich zu einem neuen Zuge nach Cayor gezwungen sahen, wurde er abgesetzt und das Land durch ein einfaches Dekret für annektiert erklärt. Wohl hatte Frankreich noch mehrmals während der nächsten Jahre Aufstände in Cayor niederzuschlagen, aber ‚dies gelang leicht, denn seine Stellung war unter Faidherbes Verwaltung eine andere geworden als in den fünfziger Jahren. Die Franzosen, die damals nur geduldete, geringgeschätzte Gäste gewesen, waren ‚heute die mächtigen Beschützer der. Eingeborenen, die sich stets um ihre Fahnen scharten, wenn der Ruhe und dem Frieden von irgend einer Seite Gefahr drohte. Das Streben der Franzosen ist jetzt ‘darauf gerichtet, ein senegambisches Reich zu gründen, das sich bis an den Niger erstreckt, um auch den Nigerhandel in ihre Hände zu bekommen. An der Küste haben sie schon 1866 ihre Besitzungen bis südlich vom 10. nördl. Br. erweitert, indem sie mit Häuptlingen am Rio Nuüez, Rio Pongo und Mellakoreh Verträge abschlossen, denen zufolge sie das Protektorat über das Mündungsgebiet dieser drei Ströme besitzen. Zur Sicherung ihrer Herrschaft haben sie an der Stelle, wo der Rio Nunez schiffbar wird, das Fort Debokeh erbaut. — In der Verwaltung der Kolonie sind durch Faidherbe grosse und tief einschneidende Reformen durchgeführt worden. Saint-Louis entwickelte sich rasch zu einer der schönsten Städte an der Westküste Afrikas und die sanitären Verhältnisse besserten sich bedeutend. Die Stadt besitzt jetzt 11 arabische und 3 französische Schulen, darunter eine protestantische. Die wichtigste Schöpfung Faidherbes auf dem Gebiete des Unterrichtswesens war die in Saint-Louis gegründete Schule der Geiseln. Alle Verträge mit den eingeborenen Häuptlingen legten diesen die Verpflichtung auf, ihre Söhne als Geiseln nach Saint Louis zu schicken, wo sie auf Kosten der, Regierung erzogen wurden. In der zu ihrer Ausbildung bestimmten Schule wurde besonders darauf gesehen, dass in ihnen eine Frankreich freundliche Gesinnung geweckt wurde. Da viele dieser jungen Leute später als Häuptlinge an die Spitze ihrer Stämme traten, wurde durch ihre Erziehung das Band, welches die einzelnen Gebiete mit Frankreich verknüpfte, nur noch fester geschlungen. Auch die anderen Schulen erzielten bei der Bildungsfähigskeit der Eingeborenen solche Erfolge, dass es bald möglich war, siein den verschiedensten Kreisen _ des Verwaltungsdienstes zu verwenden. Die aus Ringeborenen gebildeten Spahi- und Tirailleur - Regimenter stehen unter dem Kommando schwarzer Offiziere, denen schon wiederholt die wichtigsten Aufträge anvertraut und von innen zu oe Zufriedenheit ausgeführt wurden. In den Kontors der Handelshäuser sind viele Eingeborene angestellt, und man trifit solche bereits auch in der Stellung von Ingenieuren, Telegraphen-Ein eingeborener Ingenieur namens Mademba hat mit schwarzen Arbeitern die Telegraphenlinie Medine - Bammako angelegt. General Faidherbe hat: sogar versucht, den Schulunterricht Fr beide Geschlechter obligatorisch zu machen, und wäre er länger Gouverneur geblieben, dann hätte er diesen Plan gewiss auch durchgeführt. Leider fehlte seinen Nachfolgern das Verständnis für die Bedeutung eines hochentwickelten Schulwesens, und als die Kontrolle nicht mehr so streng gehandhabt wurde, verminderte sich auch die Zahl der Schüler immer mehr. Faidherbes Initiative verdankte die Kolonie ferner die Errichtung einer Druckerei in Saint - Louis, = eleher bald die Gründung eines ale Journals, des Mostenr du Senegal, folgte. Alle diese Fortschritte and Verbesserungen werden aber weit an Bedeutung uberirofer durch den Aufschwung des Handels, welcher gleichfalls ein Verdienst des Gouverneurs war. Faidherbes Siege hatten den Handel von einer Menge hemmender Fesseln befreit, m neue Absatzgebiete erschlossen , den Verkehr auf dem Flusse bis weit ins Innere hinein gesichert, doch dabei blieb der unermüdliche (Gouverneur nicht stehen. Auf sein Betreiben 'erfolste 1855 die Gründung der Banque du Senegal, deren sches Gedeihen bewies, wie richtig er die Verhältnisse Daurteilt hate, Der Jahresumsatz der Bank war von 1881—82 bereits auf 1 Million gestiegen, und sie zahlte den Aktie: nären 80), Dividende. Wie ment seit Faidherbes Ankunft der Handelsverkehr stieg, beweisen Zahlen am besten. Im Jahre 1855 betrugen Ein- und Ausfuhr nur 14434758 Frances; vier Jahre später war die Einfuhr schon so gestiegen, dass sie allein der frühern Ein- und Ausfuhr gleichkam. Im Jahre 1863 betrug die Einfuhr 18 643 897, die Ausfuhr. 14499793 Frances, 1869 war die letztere schon auf 17 209 364 Frances gestiegen, und hat sich auch nach dem Abgang Faidherbes unter den folgenden Gouverneuren auf dieser Höhe erhalten. Im Jahre 1879 betrug der Gesamtkandel von Saint-Louis 15 937 527, der Gesamthandel von Goree 17 205 254 Frances, wovon auf den Handel mit Frankreich und den französischen Kolonieen im erstern Falle 11024534, im letztern Falle 18711166 Frances entfielen. Eine überraschende Erscheinung ist dabei die Thatsache, dass in dieser Periode, in welcher der Senegal einen neuen Aufschwung erlebte, auch der Haupthandelsartikel sich wieder änderte. Zuerst hatte zur Zeit des Sklavenhandels das „Ebenholz* den Markt beherrscht; als es den vereinigten Bemühungen Frankreichs und Englands gelungen war, den überseeischen Sklavenhandel zu unterdrücken, begann die Periode des Gummihandels; nun drängte sich ein neues Produkt in den Vordergrund, welches in einem Sturmiauf die Exporthöhe des Gummi erreichte, diesen rasch überflügelte und in die zweite Reihe zurückdrängte: die Erdnuss (arachide), Diese vor 40 Jahren noch kaum gekannte Frucht gedeiht in ganz Senegambien. Jeder Boden ist ihr recht, obwohl sie den trockenen besonders liebt, der Anbau erfordert nicht viel‘ Arbeit, und zwischen Aussaat und Ernte liest nur ein Zeitraum von ö—4 Monaten. Die Erdnuss ist daher wie geschaffen für eine der Arbeit abholde Bevölkerung, welche durch sie allmählich vom Nomaden- selben haupt leben zum Ackerbau herübergeführt Süden, und werden kann. Daraus erklären sich hafen. Im . die rasch wachsenden Massen dieses Export von Produktes, die auf den Markt kamen, Francs, er sobald die Erdnuss erst einmal auf auf 2245371 demselben eingeführt war. IndenHan- Jahre 1865 delsverhältnissen am Senegal wurde den Gummie: durch sie eine völlige Umwälzung fache überh hervorgebracht. Für den Gummi- und Gummi handel war Saint-Louis der Stapel- bare Boden platz; die Karawanen aber, welche digo, Tabak die Erdnüsse brachten, zogen aus Hirse. Bauı dem Königreich Cayor, welches die- gambien wil wolle, welche, wie auf der ganzen gummi). Hi Westküste Afrikas, kurz und schlecht lich in Fut ist. Indigo wächst hauptsächlich m loffs gepflan der Umgebung von Bakel; man erntet borenen zum auf eine höchst primitive Art jüähr- die Waldun lich zweimal. Tabak wird nur nach Medine Eb: Bedarf von den Eingeborenen ge- Landes Gol pflanzt, und ein Tabakkopf von 6—7 zu Ringen Blättern dient in gewissen Gegenden beitet in d« als Tauscheinheit. Reis wächst wild auch Eisen in den überschwemmten Flussgebieten. in der Kolo Die Gummiwaldungen befinden sich bedeutenden in Sahel, an der Küste, in Dubor, gegen „a li in El Fata und Tagant (s. Senegal- Orten. Straı Gor&e wurde ihr Export-Jahre 1555 betrug der Erdnüssen 1997 216 stieg vier Jahre später 12 Franes und hatte im mit 6778012 Franes xport fast um das Dreiolt. Ausser Erdnüssen liefert der sehr frucht-Senegambiens noch In- ‘, Baumwolle, Reis und mwolle wächst in Sened und ersetzt die Schaf-Früchte. irse wird fast ausschliessta Djallon von den Woızt und dient den Eingen Brot. Ausserdem liefern ‚gen zwischen Bakel und enholz, das Innere des Id, welches meist schon und Armbändern veraren Handel kommt, und und Quecksilber werden pnie gefunden, ersteres in ı Quantitäten, letzteres da- &tat natif“ nur an einigen ussenfedern kommen zwar auch noch in den Handel, doch wirdihre Ausfuhr immer unbedeutender. Oayor ist das Emporium des Handels mit Erdnüssen von Baol und Sin, auch Dakar liefert Erdnüsse zum Export (daneben die im ganzen Senegambien sehr beliebten Tomaten), und viele Erdnüsse kommen von den Handelsplätzen am Salum, unter denen Kaolak der bedeutendste ist. Dagana, welches jedoch mehr Festung als Handelsplatz ist, bildet für Straussenfedern und Gold den Markt der Provinzen Walo und Futa. Von den südlicher gelegenen Gegenden liefern die Faktoreien am Casamance Hirse, Mais, Manioc und Bataten (die Gegend ist auch reich an verschiedenen Holzgattungen), der Rio Nunez Palmöl, Mellacoree Erdnüsse und Palmöl. In der Einfuhr spielen Schiessgewehre und Pulver eine wichtige Rolle. Während man den Eingeborenen Waffen liefert, beklagt man sich über ihre Feindseliekeiten. Ein nicht minder bedeutender, aber auch gleich verwerflicher Einfuhrartikel ist der Branntwein, Eau de vie de traite oder Trade-Rum, von den Eingeborenen Sangara genannt, ein abscheuliches, auf allerlei Weise verfälschtes Gebräu. Einige Tabakblätter, eine Handvoll Pfefferkörner und roter spanischer Pfeffer werden in 8 Liter Wasser aufgeweicht, 2 Liter vom schlechtesten Alkohol hinzugethan, und der Sangara ist fertig. Im Jahre 1863 betrug der Branntweinkonsum 1 800.000 Liter, und 10 Jahre später war er bereits auf mehr als 2500000 Liter gestiegen! „In Walo,* heisst es in einem amtlichen Bericht des Konsuls Pichard, „geben die Bauern ihre ganze Ernte den Händlern und trinken den Branntwein, welchen sie dafür erhalten, in etwa drei Wochen aus; das übrige Jahr hindurch haben sie dann für sich und ihre Familie nur wilde Früchte, Wurzeln, Muscheln und Fische zur Nahrung. Der traurige Zustand, in dem sich die Landschaft Salum befindet, und das Darniederliegen des Handels dorthin ist zum grossen Teil auf Rechnung des Branntweins zu schreiben... Kinder, die noch an der Brust liegen, trinken Branntwein; die Mütter selbst flössen ihnen denselben aus ihrem Munde ein.“ Ausser diesen beiden Hauptartikeln — Waffen und Branntwein — werden in Senegambien noch eingeführt: Eisen, Kupfer, Zink, Gewebe aus Baumwolle, Schafwolle, Kurz- und Modewaren, Glasperlen, Korallen, Glaswaren, Seife, Kerzen, Parfümerien, Farbstoffe, Wein, Bier, Zucker, Früchte, Gemüse, Reis, Kartoffeln, Weizen, Gerste, Käse, Fettstoffe, Öl, Fische, gesalzenes Fleisch u. s. w. Der wichtigste Einfuhrartikel nächst Waffen und Branntwein sind die Guinees, an deren Einfuhr bis in die jüngste Zeit das Ausland (England, Belgien) in hervorragender Weise beteiligt war. Die echten Guindes kommen zumeist aus den französischen Besitzungen in Ostindien, und zwar in vier verschiedenen Arten: Conjons, Filiture, Salem, Oreapoleons. Es sind Baumwollgewebe von blauer Farbe, gewöhnlich etwas über 3 Fuss breit und 50 Fuss oder darüber lang. Früher bildeten sie in Senegambien das alleinige Tauschmittel und liessen durch ihre Billigkeit, Schönheit und Dauerhaftigkeit keine Konkurrenz zu. Infolge von Spekulationen eines „Ringes* von Kaufleuten aus Bordeaux, die fast die alleinigen Besitzer indischer Guindes waren und deren Preise enorm in die Höhe trieben, wurde die europäische Fabrikation veranlasst, diesen Artikel zu erzeugen. Bald war der senegambische Markt von europäischen Guinees überflutet. Die neue Ware war allerdings nicht so schön wie die Bordeaux-indische, aber bedeutend billiger, so dass sie die afrikanischen Eingeborenen der letztern vorzogen. Besonders die englische (Manchester) wurde in grossen Quantitäten eingeführt, während die belgische nur den zweiten Rang einnahm und die schweizerische als englisches Fabrikat eingeführt wurde. Der Umstand, dass die Guinde für den Eingeborenen nur als Werteinheit gilt und deren verschiedene Muster als solche nur einen und denselben Wert haben, bewirkte, dass die ‚nichtindischen“ Guinees, die nur 1 Kilo 100 Gramm wiegen, den „indischen® vorgezogen wurden, deren ein Stück (15 Meter) 1,750—2 Kilo an Gewicht hat. In den letzten Jahren fand aber diesbezüglich eine Umwandlung statt und wird jetzt in einem Teil der Kolonie (Arrondissement Gor&ee) gemünztes Silber, das französische Fünffrankenstück, als Werteinheit von den Eingeborenen angenommen. Der Schaden, der hierdurch dem europäischen Handel zugefügt wurde, ist kein unbedeutender. (Fritz Robert, Afrika als Handelsgebiet.) — Die französische Kolonie Denegambien war bis vor kurzem in 2 Arrondissements eingeteilt: 1) Saint-Louis mit der Stadt gleichen Namens, Dagana, Podor, Walo, Nord-Cayor und den nicht steuerpflichtigen Provinzen Toro, Zentral-Cayor u. Damsga; 2) Gor&e mit der Stadt Gor6e, Dakar, Rufisque, Kap Vert, Mbejen, Kaolak, Sedhiou, Carabance, Rio Nunez, Rio Pongo und Mellacoree. : Jetzt ist die Kolonie dem Mutterlande gleichgestellt und hat auch durch durchgreifende Änderungen in der Administration eine Stellung erlangt, durch welche der Zwitterzustand, in. dem sie sich lange befand, beendet wurde. Die vielen, zum Teil nur lose zusammenhängenden Gebiete, aus denen Frankreichs Besitz am Senegal besteht, liessen sich nicht nach einer und derselben Schablone verwalten. Es war daher ein ‘dankenswerter Entschluss der Regierung, als dieselbe eine andere administrative Teilung der Kolonie anordnete. Am 12. Oktober 1883 wurden die französischen Besitzungen am Senegal (offizieller Titel: Senegal et dependances) in 3 Teile geteilt, deren jeder einem eigenen Gouverneur unterstellt wurde. Die Besitzungen am obern Senegal nebst den gegen den Sudan vorgeschobenen Posten kamen unter das Kommando eines höhern Offiziers; die Faktoreien in Salum, an der Ca-Samance und den „Südflüssen‘“ erhielten einen Militär - Gouverneur; der untere Lauf des Senegals aber von Sald& bis zur Mündung, ferner Saint-Louis und die ganze Küstenstrecke von dieser Stadt bis Sangomar kamen unter die Verwaltung eines Zivil-Gouverneurs, Die seit 1827 im Vordergrund stehende Militärgewalt trat nun wieder in die zweite Reihe zurück, und diese grosse Reform, die z. B. in Algerien auf fast unüberwindliche Schwierigkeiten. stiess, vollzog sich in Senegambien fast unmerklich, nachdem seit langer Zeit der Boden für sie vorbereitet worden. Schon seit 1871 sandte die Kolonie einen Abgeordneten in die französische Deputiertenkammer, und die Kommunalverwaltung der Städte Saint-Louis, Gor6e, Dakar und Rufisque war genau So wie im Mutterlande geregelt.

Afrika Hand-Lexikon. Ein Nachschlagebuch für JedermannVon Paul Heichen, Leipzig: Gressner & Schramm 1885 · Bd. 3, S. 1175Scan: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen · gemeinfrei

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