Bratfisch ist der gemeinschaftliche Küchenname für nicht weniger als fünf verschiedene Fische, die von den Fischgelehrten als Aland oder Kühling ([dus melanotus), Döbel, Dübel oder Alten (Squalius cephalus), Rothauge oder Scharl (Scardinius erythrophthalmus), Plötze, Bleier oder Frauenfisch (Leuciscus rutilus) und Häsling, Hasel oder Zinnfisch (Squalius leuciscus) aufgeführt werden. Diese Braven gehören sämmtlich zum edlen Geschlecht der Karpfen und kommen fast in allen Gewässern Mittel- und Nordeuropas vor, sind aber ein wenig aus der Art geschlagen, denn ihr Fleisch entbehrt nicht nur jeder Spur feineren Geschmacks, sondern ist zugleich so mit Gräten gespickt, daß das Verspeisen beispielsweise eines blau gesottenen Dübels unstreitig zu den größten Geduldproben gehört, die einem Menschen zustoßen können. Die Bratfische kommen daher, wie schon der Name sagt, fast nur gebraten, höchstens noch gebacken auf den Tisch. Und selbst in dieser Gestalt ist ihnen nicht ohneweiters zu trauen, denn den Exemplaren aus schlammgründigem Gewässer haftet nicht selten ein unerträglicher Modergeschmack an, so daß der alte Reim: Man brate oder back' den Dübel, So mundet er doch allzeit übel — eine bittere, aber unantastbare Wahrheit für manche Gegenden ist. Der Fang der Bratfische wird daher im Ganzen mehr gelegentlich als regelmäßig betrieben; nur die Plötze kommt von Pommern aus in größeren Mengen auf den Markt, werthet aber höchstens 0·5 Mark per Kilo.