Johannisbeere heißt nach ihrer Reifzeit (Ende Juni) die saftige Frucht des Johannisbeerstrauchs, der in ganz Nord- und Mitteleuropa, in Sibirien und Canada heimisch ist, auch in Niederösterreich noch wild vorkommt und hier seinen wahren deutschen Namen Ribisel beibehalten hat. Die Frucht wird zum ersten Male um 1490 als uva di frati (Mönchstraube — weil von Mönchen gezogen, oder weil für Mönche gut genug?) in Italien, schon 1497 aber als Ribes Joannis von Joh. Tollat von Vochenberg auch in Deutschland erwähnt, und hundert Jahre später (1598) vermochte Joh. Bauhin bereits fünf Spielarten aufzuzählen. In England dagegen war sie noch 1557 als Obstfrucht völlig unbekannt und sogar noch 1597 hatte man keinen eigenen Namen für sie, sondern half sich mit Umschreibungen, bis im 17. Jahrhundert die Bezeichnung red currant (rothe Korinthe) üblich wurde. Von den verschiedenen Arten sind für die Küche zwei von Bedeutung, die rothe Johannisbeere oder eigentliche Ribisel, in Bayern Rübitzel und Fürwitzel genannt, und die schwarze Ribisel, Ahl-, Gicht-, Bocks-, Pfeffer-oder Wandelbeere mit schwarzer oder ambrafarbener Frucht, deren eigenthümlicher Wanzengeruch einzelnen Personen widerlich ist, während sie anderen vortrefflich mundet und in Branntwein dem gemeinen Manne für ein ausgezeichnetes Gichtmittel gilt. Beide Arten werden im Garten gezogen, doch behauptet die rothe bei Weitem das Uebergewicht, denn ihre Verwendbarkeit ist eine so unbeschränkte, daß sie sich sogar einer Damengesellschaft unbedenklich en chemise präsentiren läßt. Reich an Apfel- und Citronensäure, an Schleimzucker und Pectin wird sie roh oder mit Zucker eingemacht zum Dessert gegessen, als Compot, Gelée oder Marmelade auf den Tisch gebracht, zu Kuchen und Torten verwendet, mit Wasser und Zucker zu Johannisbeerwein verarbeitet oder aber in Gestalt von Ribiselsaft zur Mischung von Kühltränken für Kranke und Gesunde gebraucht. Um zu erfahren, wozu die Ribisel sich schickt, braucht man übrigens dem Goetheschen Recept zuwider nicht durchaus „bei zarten Frauen“, sondern nur bei den Obst-Conservefabriken von Ferd. Baumer in Perchtoldsdorf oder von Wucherer & Co. in Würzburg anzufragen. Seit 1812 existirt übrigens in unsern Gärten noch eine dritte Art, die Goldribisel, die zuerst 1806 westlich vom Felsengebirge in Nordamerika entdeckt wurde, und deren große schwarze Beeren von der kleinen Welt als Näscherei gesucht sind.