Beerenobst, frisch die Freude der Jugend, eingekocht eine werthvolle Stütze der Hausfrau, umfaßt im weitern Sinne alle echten und unechten Beerenfrüchte von der Ananas und der Weintraube an bis herab zur Hollunderbeere und zur Berberitze. Im engern Sinne jedoch rechnet man dazu nur: Brombeere, Himbeere, Johannisbeere, Stachelbeere, Heidelbeere, Preißelbeere und Erdbeere. Von der Himbeere abgesehen, die zuerst im 4. Jahrhundert als Gartenfrucht auftritt, ist die Cultur des Beerenobstes noch sehr jung: die Erdbeere wird erst im 15., die Johannisbeere im 16., die Stachelbeere im 17., die Brombeere und ebenso die Preißelbeere erst im 19. Jahrhundert als Culturpflanze genannt, und mit der Zucht der Heidelbeere sind überhaupt noch keine Versuche gemacht worden. Eine größere wirthschaftliche Bedeutung hat der Beerenobstbau bisher nur in Amerika erlangt, wo er durchaus als Zweig der Landwirthschaft gilt, während er in Deutschland und Oesterreich, wo er erst seit 1870 einen nennenswerthen Aufschwung nahm, größtentheils immer noch als Anhängsel des Gartenbaues betrieben wird. Das Beerenobst wird zum Theil roh genossen, hauptsächlich aber zur Bereitung ebenso gesunder wie schmackhafter Conserven und zur Herstellung von Obstweinen verwendet, die allmählich ein immer größeres Terrain erobern und vielleicht noch zu großen Dingen berufen sind. Qui vivra, verra!