FeedJohannisbeerstrauch (Ribes)
PflanzenreichBrockhaus 1882

Johannisbeerstrauch (Ribes), zu den Ribesiaceen gehöriges Oigdn das von verwandten Arten sich durch das Fehlen der Stacheln und durch schlaff oder im Bogen herabhängende Trauben grünlicher Blüten, sowie durch säuerlich-süße Beeren unterscheidet. Die in den Gärten häufigste Art ist der gemeine Johannisbeerstrauch (Ribes rubrum L.), dessen Rihn zue Skandinavien ist, von wo die Normannen ihn zuerst in die Gärten des nördl. Frankreich eingeführt haben sollen (uva marina). Von Skandinavien hat er sich durch das nördl. Rußland nach Sibirien und bis nach Nordamerika verbreitet. Seine Beeren sind als Dessertfrucht sehr beliebt, insbesondere als Konserve. Auch bereitet man aus ihnen Saft, Sirup und Wein vorzüglicher Qualität. Die Gärtner führen eine ziemlich große Anzahl von Sorten, welche sowohl in der Größe der Trauben und der Beeren, wie in der Schmackhaftigkeit der letztern verschieden sind. Die bekanntesten Sorten sind unter den rotfrüchtigen die Kaukasische, die Holländische, die langtraubige, die Kirsch⸗-Johannisbeere, die Versailler, die große von Boulogne: unter den rofenroten die Champagner; unter den weißen die Brandenburger und die Holländische. Der J. erfordert zu seinem Gedeihen einen nahrhaften und etwas frischen (nicht nassen) Boden und wird am besten als niedriges Kronenbäumchen oder auch, auf Kibes aureum veredelt, in Hochstammform erzogen. Auch ist für ihn die Form des Horizontalkordons (s. Kordon) geeignet. Man pflanzt ihn im Herbst oder zeitigen Frühjahr in Abständen von 11½ m. Beim Schnitt muß man vor allem auf Entwickelung kräftiger Triebe hinarbeiten, die seitliches Fruchtholz bilden. Man schneidet sie auf 10 —12 Augen zurück, läßt aber letzteres unberührt. Auch wird alles alte, steril gewordene, schwache oder schlecht gestellte Holz entfernt. Altere Pflanzungen werden durch kräftige Düngung wieder regeneriert. Man vermehrt den J. durch Stecklinge, Ableger, Ausläufer, wie auch durch Veredelung. Der schwarzfrüchtige Johannisbeer— strauch (Gichtbeerstrauch, R. nigrum L.) hat größere, glockige und behaarte Blüten in geringerer Anzahl in der Traube, rostfarbige schwarzpunktierte Zweige und Ästchen, auf der Unterseite mit vielen stark riechenden Drüsen besetzte Blätter und meistens schwarze Beeren. Ursprünglich ist dieser Strauch in feuchten Wäldern der Nordhälfte Europas und in Nordasien zu Hause. Wem der starke Geruch der Beeren nicht zuwider, zieht diese als Dessertfrucht den roten Johannisbeeren vor. Die besten Sorten sind die Neapolitanische und die Ambrafarbige. Einige Arten des J. sind als Ziersträucher für Parkanlagen sehr geschätzt, vor allen andern R. au— reum Prshi., der sog. Chokoladestrauch, sich schon im zeitigen Frühjahr mit gelben, würzig duftenden Blüten bedeckend, im Herbst mit roten Blättern geschmückt, häufig zur Unterlage für Hochstämme der roten Johannisbeere benutzt, und R. sanguineum Prsi. mit schönen purpurroten Blüten in langen Trauben, auch mit fleischfarbi— gen (var. carneum granditlorum) und gefüllten (var. flore pleno).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 871Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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