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PflanzenreichAppetit-Lexikon 1894

Himbeere, der Brombeere leibliche Schwester und den Alten gleich dieser nur als Wildling bekannt, erscheint zuerst bei Palladius (um 350 n. Chr.) als Culturgewächs, fehlt aber im Verzeichniß der Gartenpflanzen Karls d. Gr. und wurde in der That während des Mittelalters diesseits der Alpen so wenig cultivirt, daß noch Champier von Lyon (gest. 1539) sie rundweg als fast ungenießbar bezeichnet. Schon um 1570 aber finden wir sie am Niederrhein im Garten heimisch, und in Oberösterreich unterschied man hundert Jahre später schon drei Sorten: die rothe, die weiße und die glatte (ohne Dornen). Die frische Frucht riecht äußerst würzig, steht aber im Geschmack der gut gereiften Brombeere entschieden nach; man genießt sie in der Regel in Weinkaltschale ohne jede sonstige Zuthat. Um so wichtiger ist sie in der Küche als Himbeergelée und Himbeersaft oder Himbeersyrup, der als Zusatz zum Trinkwasser für Durstkranke jeder Art unersetzlich ist. Ein Theil Früchte mit zwei Theilen Weinessig macerirt, gibt den bekannten Himbeeressig, aus dem mit Wasser und Zucker die Himbeerlimonade bereitet wird. Endlich stellt man auch noch unter dem Namen Him beergeist einen Branntwein daraus her. Bedeutende Himbeerplantagen befinden sich in Plombières bei Dijon und im Staate New-York.

Appetit-Lexikon. Ein alphabetisches Hand- und Nachschlagebuch über alle Speisen und GetränkeHrsg. von Robert Habs und Leopold Rosner, 2. Aufl., Wien: Gerold 1894 · Bd. 1, S. 230Scan: Wienbibliothek im Rathaus · gemeinfrei

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