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PflanzenreichAppetit-Lexikon 1894

Olive heißt die 3—4 em lange, grün, röthlich oder schwarz gefärbte, zwetschkenähnliche Frucht des immergrünen Oelbaums, der bekanntlich schon die Sintflut mitmachte, und wahrscheinlich in Kleinasien und Syrien heimisch ist, aber auch in den übrigen Mittelmeerländern leicht und häufig verwildert. Der Frucht wegen schon von den Aegyptern, Phöniciern, Hebräern und Griechen cultivirt, kam der veredelte Stamm um 627 v. Chr. nach Mittelitalien und von da aus nach der Lombardei, nach der Riviera und Südfrankreich, während in Spanien, wohin ihn wahrscheinlich schon die Phönicier verpflanzt hatten — man denke an den berühmten Oelbaum von Bendinat auf Mallorca mit einem Stammumfang von 12·22 m! — erst die Araber seine Verbreitung und Cultur in Schwung gebracht zu haben scheinen. Noch im 16. Jahrhundert gelangte er auch nach Mexieo und Peru, hat aber für diese Länder nicht die hohe Bedeutung wie für das Mittelmeergebiet, wo die Olive nicht blos als Oelfrucht, sondern auch als Volksnahrungsmittel von Wichtigkeit ist. Reif ist die bald kirschenartig runde, bald pflaumenartig eiförmige Steinfrucht wegen ihres fad-bittern Geschmacks ungenießbar, man nimmt sie daher kurz vor der Reife ab und kocht sie in Salzwasser oder entkernt sie und legt sie in Essig ein. Beide Arten kommen als schwarze Oliven in Kisten zumeist aus Griechenland oder als Olives verdales, Olives de Lucque, Spanish Queen-Olives, Olives sévillanes zumeist in Glasverpackung aus Italien, Spanien (dessen vorzüglichste Sorte die großen Oliven von Montoro am Guadalquivir bilden) und Südfrankreich in den Handel. Man verspeist sie, um den Appetit anzuregen oder die Verdauung zu befördern, und sie munden so vorzüglich, daß gar nicht selten der Magen schließlich die Zeche für den Gaumen bezahlen muß.

Appetit-Lexikon. Ein alphabetisches Hand- und Nachschlagebuch über alle Speisen und GetränkeHrsg. von Robert Habs und Leopold Rosner, 2. Aufl., Wien: Gerold 1894 · Bd. 1, S. 386Scan: Wienbibliothek im Rathaus · gemeinfrei

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