FeedEierbeere oder Melanzan-Apfel
Haus & KücheAppetit-Lexikon 1894

Eierbeere oder Melanzan-Apfel, heißt die saftige, gänseeigroße, rothe oder violette Frucht der Eierpflanze, eines Nachtschattengewächses, das schon im 9. Jahrhundert wahrscheinlich durch die Araber aus Ostindien (Madras) nach Afrika verpflanzt wurde und sich von dort aus über Südeuropa und nach Südamerika verbreitet hat. Die Eierbeere liefert, vorher mit kochendem Wasser abgebrüht, dann mit fettem Rind- und Hammelfleisch gar gekocht und mit etwas Paprika gewürzt, ein treffliches Gemüse, namentlich aber, wenn sie in der Röhre geröstet, dann geschält, zu feinem Brei gehackt, mit feingeschnittenen Zwiebeln und einigen gerösteten und geschälten Paprikaschoten gemengt und endlich mit Essig und Oel — oder richtiger mit Oel und Essig, denn das Oel hat den Vortritt! — angemacht wird, einen äußerst pikanten Salat, nach welchem der Kenner sich die Finger wund leckt. Die Pflanze wird deshalb in mehreren Spielarten eifrig und im Großen angebaut — leider aber nur in Japan, in den Nilländern, in Algier, an der Guineaküste, in Südamerika, in Südspanien, in der Provence, bei Rom, bei Neapel, in Serbien und in Rumänien, während Oesterreich und Deutschland sich bisher mit dem Zusehen begnügt haben und auch noch ferner scheinen begnügen zu wollen. Gott sei's geklagt!

Appetit-Lexikon. Ein alphabetisches Hand- und Nachschlagebuch über alle Speisen und GetränkeHrsg. von Robert Habs und Leopold Rosner, 2. Aufl., Wien: Gerold 1894 · Bd. 1, S. 139Scan: Wienbibliothek im Rathaus · gemeinfrei

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