Portwein, der zweitälteste unter den drei großen Weltweinen, trägt den Namen vom Ausfuhrhafen Oporto, wenn nicht etwa vom Lande Portugal selber, dessen gefeiertster Vertreter er in allen Zonen ist. Der natürliche Portwein, das Product der Rebhügel des Dourothales oder, genauer gesagt, jenes Theiles des Dourothales, der, etwa 95 Em oberhalb Oporto beginnend, sich in einer Breite von 20 Em und einer Länge von 40 km zu beiden Seiten des Flusses hinaufzieht, hat von Geburt eine hellrothe Farbe und einen leidlichen Alkoholgehalt von 14—157%. Der Portwein des Handels dagegen ist braun oder rothbraun und enthält 21—257% Alkohol, weil er mit Hollunderbeeren gefärbt und durch Zusatz von Spiritus alt, d. h. versandtreif gemacht wird. In den eigentlichen Weinländern straft man deshalb den Old Port mit unverhohlener Verachtung und bedient sich seiner höchstens wie des ersten besten Liqueurs. Ihn zum Weltwein zu machen, blieb dem Volke vorbehalten, das während des 18. Jahrhunderts sogar die allzeit trunkfesten Deutschen im bestialischen Saufen überflügelte: erst die Engländer brachten seit Anfang des 18. Säculums den Portwein in Mode, und noch heute dürfte höchstens ein Engländer dem Gelüst nachhängen, eine ganze Flasche auf einen Sitz zu leeren. Alle andern Nationen lassen ihn ausschließlich als Frühstückswein gelten und sind mit je einem Glase vollauf zufrieden, um so mehr da er durchaus wasserscheu ist und in Verbindung mit diesem Elemente alle seine Reize einbüßt, sowohl den vollen, unmerklich süßen und leise stechenden Geschmack wie das ganz eigenthümliche, nicht unangenehme Bouquet, das ihm allerdings nicht angeboren, sondern gleichfalls künstlich eingeimpft ist. Aus allen diesen Gründen ist der Porto das Gegentheil eines Gesellschaftsweines, vielmehr ein wahrer Separatisten- und Nihilistenwein, der Leibtrank der Ausgeschiedenen und Ausgestoßenen, der prädestinirten Selbstmörder und der unglücklich Liebenden im letzten Stadium der Verzweiflung. Eine Sorte indessen gibt es, der zulieb auch der wahre Gastrosoph sich gern der Gefahr der Spiritusvergiftung aussetzt. Es ist das der wirklich alte Portwein, der, jahrelang in der Flasche gelagert, all seine Unreinigkeiten an deren Wänden abgesetzt, jede Spur von Spritgeruch und Herbheit verloren und eine schön durchsichtige, leise ins Goldgelbe und ins Himmelblaue spielende Purpurfarbe erlangt hat. Aber dieser hochedle Tropfen, dessen süßer Burgundergeschmack die Zunge mit balsamischer Gluth berührt, ist ebenso selten wie vortrefflich, und selbst in guten englischen Häusern begnügt man sich, statt seiner den gewöhnlichen Old Port. auf den Tisch zu bringen — nur gummirt man die Flaschen, bestreut sie mit Staub und umflort sie mit Spinnweben, um wenigstens den Schein zu retten. Leider aber lassen sich Zunge und Nase nicht so leicht betrügen wie das Auge. Obgleich Weltwein, gehört also der Porto keineswegs zu den auserlesensten seines Geschlechts, und es spricht entschieden für den guten Geschmack des 19. Jahrhunderts, daß er immer mehr Boden verliert und neuerdings sogar in England vom Bordeaux in den Hintergrund gedrängt zu werden beginnt. — Was den sogenannten weißen Portwein unserer Weinkarten anlangt, so hat dieser mit dem wirklichen Porto nichts gemein, sondern stammt aus dem Tajothale und kommt über Sacavem auf den Markt.