Capwein, Cap-Madeira, rothe und weiße Dessertweine ersten Ranges — wenn sie gut und alt und rein, was aber leider ganz wider die Regel und das Herkommen ist. Der Baron Vaerst behauptet zwar, der Cap-Madeira sei dem echten Madeira vollkommen ebenbürtig und einzig aus diesem Grunde von den Engländern seit Besitznahme des Caplandes (1806) aus dem Handel gezogen und selber getrunken worden — aber kann und darf man dem Urtheile eines Mannes trauen, der seine Champagnerflasche zwölf Stunden unverkorkt läßt und dann den König der Weine aus einer Untertasse zu sich nimmt? In Wahrheit dürfte kein Gentleman des 19. Jahrhunderts je den Muth gehabt haben, irgend einen Capwein auf den Tisch zu bringen, so wenig es bisher einem deutschen Biedermanne eingefallen ist, seinen Gästen Cap-Rheinwein (Cape Hock) vorzusetzen. Freilich liegt die Schuld nicht an und in den Capweinen selber, sondern an der niederträchtigen Behandlung, die man ihnen bisher angethan hat. Die Weine werden sich also bessern (und haben sich wirklich im letzten Lustrum bebereits gebessert), sobald sich nur erst die Herren Weinhändler der Capstadt gebessert haben werden. Als Ausbund derselben — d. h. der Weine, nicht der Händler — gilt noch immer der Constantia (von den Plantagen Great- und Little-Constantia im Süden und dem Städtchen Stellenbosch im Osten der Capstadt), ein durchsichtig rubinrother, ungemein süßer und würziger Liqueurwein, der einst von Klopstock angeodet, von Schubart als „Götterwein“ gepriesen und von reichen Käuzen mit Gold aufgewogen wurde — alles nur seiner damaligen Seltenheit wegen; denn wenngleich im Gehalt den besten französischen Süßweinen ebenbürtig, steht er doch im Nachgeschmack hinter dem wahren Madeira und dem Rivesaltes zurück und dürfte manchem Schwärmer eine beinahe ebenso große Enttäuschung bereitet haben, wie sie im Jahre 1795 dem Herzog von Bedford zustieß. Dieser englische Große ließ bei einem zu Ehren des emigrirten Herzogs von Gramont veranstalteten Mahle zum Dessert eine unbezahlbare Flasche uralten Constantia auftischen und präsentirte eigenhändig seinem Gaste das erste Glas. Der Franzose trank, verneigte sich und erklärte den Wein für den köstlichsten und edelsten Tropfen unter der Sonne. Nun bediente sich der Engländer selber. Kaum aber hatten seine Lippen das Glas berührt, als er es mit einem dumpfen Schrei des Entsetzens fallen ließ und in seinen Sessel zurücktaumelte: die Flasche enthielt — Bibergeil!