Heimführung, Heisset, wenn eine Braut, so aus ihrer Vater- oder Wohnstadt auswärts heyrathet, nach vollbrachter hochzeitlicher Solennität und Beurlaubung der ihrigen, ihrem neuen Ehemann nach demjenigen Orte zugeführet wird, wo er seine Wohnung hat. Bey der Heimführung der alten Römischen Bräute wurden sonderliche Solennitäten beobachtet und in Acht genommen, als nehmlich: es wurde vorhero 1) der Braut Wasser und Feuer, so sie mit den Händen berühren muste, præsentiret; 2) theilte man ihr die Haare auf dem Haupte, mit einer Helleparte; 3) trug man ihr 5. brennende Wachs-Fackeln voran; 4) ward sie mit einem Gürtel um den Leib gebunden; 5) wurde ihr ein Braut-Lied Talasius genannt gesungen (welches bey denen Griechischen Bräuten Hymen Hymenæus hiesse;) 6) durffte sie nicht gutwillig über die Schwelle des Hauses zu ihrem Mann gehen, sondern ward von denen anwesenden Freunden mit Gewalt zu ihm hinein getragen; 7) muste sie in solches Hauß eine Spindel und Spinnerocken mit sich bringen, auch des Bräutigams Thüre mit Wolle crönen und zieren; 8) muste sie zu ihrem jungen Ehemanne sagen: Da du bist Cajus, bin ich Caja; 9) Ward ihr der Braut-Gürtel öffentlich abgelöset; und 10) musten die Verknüpfften beyde einen Qvittenapffel mit einander aufessen.