Hippodamia oder, Hippodame, Eine Tochter des Arcadischen Königs Oenomai, welchem das Oraculum vorher gesaget hatte, daß er, so bald diese seine Tochter Hippodamia würde geheyrathet haben, sterben müste. Damit er nun diese seine Tochter, so wegen ihrer sonderlichen Schönheit unzehlich viel Freyer hatte, unverheyrathet behielte, stellte er mit allen diesen Freyern ein Wett-Rennen an, doch mit dieser Bedingung, daß derjenige, so ihn überhohlete, seine Tochter bekommen solte; blieb er aber ihm hinten nach, so müste er sterben. Weil er nun gar viele von solchen Werbern im Rennen überhohlet und niedergemacht, weil er vor seinem Wagen Pferde hatte, so von dem Wind zusammen gesetzet waren, gab sich zu solchen Wett-Rennen der Pelops, des Tantalus Sohn, so sich in die Hippodamiam erbärmlich vergaffet, gleichfalls mit an, und weil er des Oenomai seinen Kutscher Myrtilum, durch Versprechung, daß er die erste Nacht bey der Hippodamia schlaffen solte, bestochen, dieser auch die Axen an seines Herrn Wagen von Wachs gemacht, damit selbige in dem Rennen bald zerbrächen, so konte es nicht anders seyn, als daß er als Uderwinder in solchen Rennen siegete, und den schönen Raub darvon trug. Als sich nun der alte Oenomaus von ihm überwunden sahe, erstach er sich selbst aus Ungedult, worauff der Pelops mit seiner schönen Hippodamia das gantze Reich bekam. Wie aber des Oenomaus Knecht sein ihm gethanes Versprechen gehalten wissen, und die erste Nacht dem Pelops Eingriff thun wolte, stürtzte dieser den Knecht ins Meer, so auch hernach nach dieses Myrtilus Nahmen benennet worden.