FeedVerlöbnüß
Sitten & ModeFrauenzimmer-Lexicon 1715

Verlöbnüß, Ist eine solenne Abhandlung, worinnen der Bräutigam von der Braut Eltern das Jawort wegen künfftiger Vollziehung der Heyrath, nach vorhergegangener Werbung durch sich selbst oder einen hierzu Gevollmächtigten deutlich erhält, und in Beyseyn einiger darzu erbethenen Gezeugen den Mahl-Schatz oder Ring drauf mit der Braut wechselt. Bey denen alten Ebräern wurden die Jungfern offt verlobet, ehe sie noch mannbar waren, und hernach in dem väterlichen Hause so lange behalten, biß sie mannbar wurden. Unterdessen aber hiessen sie schon Weiber; daher auch solche Jungfrauen offt Wittben genennet worden, wenn ihnen ihr Verlobter, ehe sie in sein Hauß kamen, absturb. Maimonides. d. Conjug. C. XI. §. 1. Bey grossen Herren werden zuweilen die Kinder in der Wiege mit einander vermählet, wie Nero mit seiner Agrippa, Richardus II. in Engelland mit Caroli VI. in Franckreichs Tochter. Froissard. Histor. Lib. 4.

Gottlieb Siegmund Corvinus (Amaranthes), Nutzbares, galantes und curiöses Frauenzimmer-LexiconLeipzig: Gleditsch 1715 · Sp. 2069–2070Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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